Interview mit Blankets

Pop-Punk ist mehr als nur Pizza, Vans und Liebeskummer – das sagen zumindest Tim Löffeler, Stina Rieke und Jonas Euteneuer (v.l.n.r.), manchen vielleicht schon besser unter dem Namen Blankets bekannt. Hätten sie sich nicht ihrem "eigenen" Genre, dem sogenannten Sweet-Punk, verschrieben, würden sie im selben Moment aber auch schon das Gegenteil beweisen, so wie sie mit ihren schwarzen Vans in ihrem Proberaum auf dem Fußboden sitzen, sich über ihre Lieblingspizzen unterhalten und sogar Rezepte austauschen. Zeit für ein paar längst fällige Fragen ist dennoch geblieben.

Tim: Ich habe letztens vegane Calzone auf einem Pizzastein gemacht. Den Teig und die Tomatensoße habe ich natürlich selber gemacht. Dann habe ich Austernpilze gekauft – die waren im Angebot, man kann aber auch Champignons nehmen – und sie mit Zwiebeln und Pfeffer angebraten. Den Teig habe ich dann mit geschnittener veganer Chorizo-Salami, veganem Streukäse, den angebratenen Austernpilzen und Paprika belegt und dann zugeklappt – und dann mit veganem Tzaziki gegessen. [neidisches Raunen]

Wann habt ihr mit Blankets angefangen?

Stina: Jonas und ich haben letztes Jahr an meinem Geburtstag, am 22. Oktober, beschlossen, dass wir eine Band gründen. So richtig angefangen sind wir mit Tim aber erst...

Jonas: So im Januar diesen Jahres. Ich glaube, das passt.

Stina: Dann haben wir geprobt, haben aber irgendwann wegen Tims Knie zwei Monate lang eine Pause gemacht.

Tim: Ein bisschen länger als zwei Monate sogar, meine ich. Live-Auftritte hatten wir aber auch schon vorher.

Ihr habt jetzt auch schon mit „Keep You Warm" eine Demo-EP am Start – beziehungsweise veröffentlicht sie bald. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Jonas: Tatsächlich gar nicht so lang, ich habe letztens noch einmal zurückgedacht. Klar, am Songwriting und den Proben saßen wir seit Januar, Februar. Aufgenommen haben wir aber Mitte September, gemischt wurde es schon, jetzt wird das gerade noch gemastert. Tims Freundin hat außerdem ein sehr schönes Design für die EP gemacht, welches wir auf Hüllen haben drucken lassen beziehungsweise gerade gedruckt wird. Und wenn das dann alles pünktlich ankommt, wollen wir das nächste Woche, am 25./26. November, dann auch rausbringen.

Worüber schreibt ihr? Habt ihr schon ein spezielles Konzept?

Jonas: Ja, worüber schreibe ich? Lass mich mal überlegen. Also, wenn man es pathetisch sagen will, sind es Geschichten über das Leben, Probleme, Freundschaft, sowas. Ich versuche dann immer, das so zu verpacken, dass es sich nicht ganz bescheuert anhört. Die Hauptthemen sind eigentlich so kleine Probleme und die Situation, in der wir uns alle befinden – vielleicht auch manchmal, dass die Probleme, die wir haben, gar nicht so groß sind im Vergleich zu Leuten, die wirklich Probleme haben.

Dürfen die anderen beiden bei den Texten noch mitsprechen oder hast du das letzte Wort?

Stina: Tim kann auch gut texten. Der sagt dann immer: „Jonas, das klingt, als würdest du deiner Mutter ein Sprüchebuch schenken!". [alle lachen]

Jonas: Also Tim schreibt öfters auch mal ein paar Zeilen dazu, aber an sich spielen wir die Songs eigentlich nur, wenn auch alle mit den Texten zufrieden sind und sich darin auch irgendwie wiederfinden können. Auf jeden Fall nicht, wenn sie damit so gar nichts anfangen können.

Die Musik macht ihr dann alle zusammen?

Tim: Meistens ist es so, dass Jonas mit einer Idee ankommt und wir den Rest drum herum basteln und am Ende nochmal an einzelnen Parts schauen, was man anders machen kann.

Jonas: Musikalisch bringt da jeder seine Sachen mit rein, weil es auch einfach in der Natur der Instrumente liegt.

Tim: Jeder hat auch einfach seinen eigenen Background. Jonas schreibt ziemlich poppige Songs, was man ja auch hört. Stina ist eher punkrockbasiert.

Stina: Und du kommst aus dem Hardcore-Bereich. Deswegen bringst du mit dem Schlagzeug auch immer nochmal etwas Anderes mit rein. Deswegen hatten wir am Anfang auch Probleme, genau zu definieren, was das jetzt ist oder woher wir kommen oder in welche Richtung wir gehen.

Habt ihr deswegen mit „Sweet Punk" einfach mal ein neues Genre erfunden?

Tim: Eigentlich war das von mir nur Spaß, als ich gesagt habe, dass wir das so nennen sollen. Irgendwer von den anderen beiden hat das aber so weitergegeben und irgendwann stand es auf irgendeinem Plakat.

Stina: Ich hatte das Martin vom Münsterbandnetz für die Show im Gleis 22 gesagt und er hat das dann direkt so publiziert, dass das Sweet Punk ist. Bei anderen Konzerten wird das jetzt auch so angekündigt, deswegen lassen wir das jetzt einfach so stehen – dann müssen wir auch keine Fragen beantworten und uns nicht mit irgendwelchen Bands vergleichen.

Jonas: Das macht das Booking dann auch tatsächlich ein bisschen einfacher, weil man nicht direkt in die Situation kommt, genau beschreiben zu müssen, dass man noch geile handgemachte Rockmusik macht.

Wenn ihr aus so unterschiedlichen Richtungen kommt, was sind denn dann eure Einflüsse?

Stina: Haben wir nicht, wir machen alles selber! [alle lachen]

Tim: Wir haben auf jeden Fall das Rad neu erfunden!

Stina: Ich weiß nicht. Wir haben uns nicht zusammengesetzt und gesagt: „Okay, so wollen wir klingen!" oder „In diese Richtung wollen wir gehen!".

Tim: Es ist eher der Kram, den man in den letzten Monaten am meisten gehört hat, würde ich sagen. Aber im Endeffekt klingt es dann doch nicht danach. Stina hat zum Beispiel super heftig das PUP-Album abgefeiert, aber wir klingen echt gar nicht nach denen. Bei mir waren es, glaube ich, Tiny Moving Parts und The Hotelier, aber auch die hört man bei uns echt nicht raus.

Jonas: In der neuen Situation mit der Band und weil ich Bock hatte, melodischen Punkrock und Pop-Punk zu schreiben, habe ich Bands wie Caves gehört – quasi erst wirklich entdeckt – oder Letterman, RVIVR und Bangers. Die fallen aus dem Klischee-Pop-Punk schon raus, weil sie auch mal über Themen singen, die über Probleme von weißen Hetero-Jungs hinausgehen. Sie öffnen eine Perspektive, sind aber trotzdem noch leicht zugänglich, weil sie einfach so poppig sind.

Tim: Für viele wird heute der Pop-Punk-Begriff ja auch einfach durch Pizza, Vans und Liebeskummer bestimmt – was so auf Dauer ja auch langweilig wird. Deswegen würde ich Jonas da beipflichten und sagen, dass das schon eher unser Einfluss ist.

Dann kann man euch ja wenigstens nicht in diese Schublade stecken, auch wenn ihr alle Vans tragt.

Jonas: Kann man so stehen lassen, glaub' ich. [lacht]

Foto (Header): Nils Hölscher
Fotos im Text: Leonie Wiethaup


Von:
Leonie Wiethaup