Interview mit Beardless

Nun hat es auch Matthias Schmidt, Chris Knoke und Michael Groom getroffen: Aus rechtlichen Gründen mussten sie ihren Namen von Halfway Decent zu Beardless ändern. Kurz nach ihrem Auftritt auf dem B58 Fest in Braunschweig haben uns die drei Osnabrücker verraten, dass es aber nicht nur beim Namen bleiben soll - auch musikalisch kündigen sich einige Veränderungen an.

Ihr habt euch vor Kurzem von Halfway Decent zu Beardless umbenannt. Wart ihr euch von Anfang an dessen bewusst, dass durch den neuen Namen auch sehr blöde, pseudo-witzige Fragen in Interviews auftauchen könnten? Wie zum Beispiel: "Bennent ihr euch wieder um, wenn ihr euch doch noch Bärte wachsen lasst?"

Matthias: Im Prinzip wachsen uns niemals Bärte, weil wir alle jung geblieben sind.

Ich sehe aber bei euch allen Stoppeln.

Matthias: Das liegt daran, dass wir uns alle seit vier Wochen nicht mehr rasiert haben (lacht).

Hat es lange gedauert, bis ihr euch auf den neuen Namen geeinigt habt?

Chris: Wir haben damit einen ganzen Tag verbracht. Wir haben gegrillt, Bier getrunken, das Ziel verfehlt, prokrastiniert. Irgendwann hatten wir aber tatsächlich viele coole Namen – die waren aber alle vergeben. Jetzt heißen wir Beardless.

Wird sich durch die Namensänderung auch musikalisch was ändern?

Chris: Ja, tatsächlich. Es wird ein bisschen poppiger und ich werde versuchen, ein bisschen weniger herumzuschreien und mehr zu singen. Das nächste Album wird quasi ein Übergang, der Abschluss von der Halfway Decent-Phase, und das neue Beardless-Album, für das wir auch schon viele Songs in petto haben, geht dann in eine andere Richtung.

Eine neue Musikrichtung kommt aber auch nicht von irgendwoher. Die Änderung hat sich als natürlich Entwicklung doch auch bestimmt schon vor dem neuen Namen abgezeichnet, oder?

Matthias: Wir haben bei den Proben immer viel gejamt und verschiedene Stile ausprobiert, was dazu geführt hat, dass wir eine Cover-Band gegründet haben, mit der wir unsere eigenen Songs covern – nur in anderen Musikstilen. Wir haben uns dann irgendwann gefragt, warum wir zwei Bands haben, wenn wir doch so schon den ganzen Kram so spielen. Deswegen haben wir einfach versucht, das so bei Halfway Decent beziehungsweise jetzt bei Beardless einfließen zu lassen und das funktioniert bisher in den Proben auch ganz gut. Mal gucken, ob die Leute das auch so cool finden (lacht).

Michael: Wobei man sagen muss, dass das Grundkonzept bleibt. Es ist jetzt kein Pop und es wird auch nicht Céline Dion-mäßig alles groß aufgefahren. Die Punkrock-Grundlage bleibt, es ist nur poppiger strukturiert.

Was hat euch ganz allgemein damals eigentlich zum Punk gebracht?

Chris: Die "American Pie"-Filme. Da lief immer Pop-Punk im Hintergrund und das fand ich ganz cool. Dann noch die ganzen alten Tony Hawk-Spiele.

Matthias: Bei mir war es ganz ähnlich. Ich bin nie Skateboard gefahren, konnte aber die Tony Hawk-Spiele ganz gut auf dem PC zocken.

Michael: Sum 41! "In Too Deep" ist einfach ein Klassiker! Man guckt sich das Video an und denkt, genauso kacke ist man auch drauf. Durch meinen Vater bin ich auch mit The Clash aufgewachsen – ich musste also Punkrock hören.

Was habt ihr auf dem Weg zum B58 im Auto für Musik gehört?

Michael: Punk-Platten! Heute hatten wir Sum 41 und Green Day im Auto. Dann hatten wir die Schnauze voll und haben das Radio angemacht.

Chris: Manchmal hören wir aber auch andere Sachen. Ryan Adam zum Beispiel.

Michael: Punkrock oder Ryan Adams – das ist alles, was wir hören! (alle lachen)

Gibt es ein Album, das ihr gerne selber geschrieben hättet?

Chris: Bei mir wäre es entweder "Cold Roses" von Ryan Adams oder von Rocky Votolato "Suicide Medicine".

Michael: "The Moon My Saddle" von Chamberlain wäre auch der Hammer.

Matthias: Bei mir wäre es "Charmer" von This Or The Apocalypse. Das ist das Metalcore-Album, das ich feier. Ist als Schlagzeuger aber vielleicht auch wieder das Klischee, dass man cool findet, was rhythmisch abgeht.


Von:
Leonie Wiethaup