Yung - A Youthful Dream

Rezensiert von Manon Hütter

"Moment mal, fehlt da nicht ein "O"?" - dürfte die wohl häufigste erste Reaktion auf Yung sein. Nein, hier ist niemand Legastheniker, das Ganze leitet sich schlichtweg von Mikkel Holm Silkjærs altem Spitznamen ab. Wobei es niemanden überaschen dürfte, dass "ung" dänisch für "jung" ist. So viel zum kleinen linguistischen Exkurs.

Das Jungsein und die Jugendlichkeit spielen sowieso eine teils tragische Hauptrolle auf dem Album. Nicht nur ist der Kopf der Operation, ebenjener Mikkel, gerade mal 21 Jahre alt, auch der Sound der Dänen lechtzt förmlich danach, einer neuen Generation skandinavischen Post-Punks anzugehören. Zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen, wenn man von Anfang an im direkten Vergleich zu den Landeskumpanen von Iceage steht. Denn obwohl Silkjærs seine Wurzeln in härteren Gefilden hat und mit 16 noch in Hardcore-Bands spielte, sind Yung weniger agressiv. Statt auf die Fresse, geben sie teils zynisch, teils neutral heruntergebrochene Ratschläge und philosophieren übers Jungsein.Klar, ein bisschen "Du verschwendest deine Jugend" à la D.A.F ist schon dabei, jedoch in lethargisch abgeschwächter Form und ohne dabei pathetisch zu sein.

Auch hinsichtlich der Instrumentierung rüsten Yung ordentlich auf, denn anstatt es bei der klassischen Punk-Austattung zu belassen integrieren sie unter anderem Horn und Piano für harmonischere Arrangements. Freilich ein mutiger Schachzug, schon auf dem Debüt experimentell und unkonventionell herumzutüfteln, aber für Yung geht die Rechnung definitiv auf. Während "Commercial" und "The Hatch" den Post-Punk-Charakter waren, nähert sich "Morning View" fast schon dem Britpop an und "Blanket" weißt klare Emo-Bezüge auf. Dass das alles trotzdem noch catchy klingt, ist Mikkels Händchen für griffige Indie-Gitarrenriffs und new-wavy wabernde Drums zu verdanken. Der Lo-Fi-Effekt verstärkt den 80er Eindruck zudem extrem und setzt dem Ganzen zusätzlich die rosarote Retrobrille auf. Ein frigides metallisches Soundbett, das trotz oder gerade wegen seiner wankenden Vielschichtigkeit unglaublich drängend und gleichzeitig verletzbar erscheint.

Zur eindringlichen Instrumentierung gesellen sich ungefestigte Vocals, die sich genau wie die Basslines und trockenen Drums gerne mal im weiten Raum verirren, um dort verzweifelte Lebensweisheiten an die heruntergekommenen Hauswände der Gesellschaft zu sprayen. "Uncombed Hair" handelt vom depressiven Freund, dem man sowieso nicht mehr helfen kann, "The Child" kreidet ein Sozialgefüge an, in dem es nur Stillstand statt Entwicklung gibt - Probleme, denen man nur mit pharmazeutischen Mitteln entkommen kann ("Pills").

Der dumpfe wie in Watte gepackte Lo-Fi und die eher im Hintergrund agierenden Vocals brauchen vielleicht eine kurze Gewöhnungsphase, doch es lohnt sich zweifellos, an der schroffen Oberfläche zu kratzen. Denn: unter den vielen Spuren befindet sich großartig konzipiertes Songwriting, welches die Kunst versteht, den Eindruck von Zufälligkeit entstehen zu lassen, es aber tatsächlich faustdick hinter den Ohren hat.


Label: 
Fat Possum
VÖ: 
10.06.2016
Herkunft: 
Aarhus, Dänemark