Warhaus - We Fucked A Flame Into Being

Rezensiert von Sophia Kisfeld

"We Fucked A Flame Into Being" ist schmutzig, sexy und durchtrieben! Es treibt einem das Bedürfnis in die Knochen, nachts mit einem halben Bier und einer Zigarette in der Kneipe zu sitzen und darauf zu warten, dass - ja, was - nichts passiert und dann nimmt der Abend eine absurde Wendung. Warhaus, oder viel eher Maarten Devoldere, sollte sich vielleicht mal mit Jim Jarmusch an den Tresen setzen.

Maarten Devoldere ist eigentlich ein Teil der belgischen Band Balthazar, seine laszive und lethargische Art zu singen, ist nicht zu verwechseln. Seit 2004 ist die Band aktiv, dieses Jahr haben sich neben Devoldere auch sein Gesangspartner Jinte Deprez (J.Bernardt) und Bassist Simon Casier (Zimmermann) entschieden, Solo-Pfade einzuschlagen.

"We Fucked A Flame Into Being" ist schon allein spannend, weil Maarten Devoldere seine Art zu singen hervorragend mit der musikalischen Stimmung kombiniert. Er singt lethargisch und seine Stimme ist dabei so präsent, dass man ihm mit voller Aufmerksamkeit zuhört, wenn er in "I'm Not Him" singt: "You're an angel or a whore / Tell me who you're working for / Loving you isn't easy you know / But it's motherfucking not to do so". Seine tiefe Stimme und diese verrauchte Art, hinterlassen die Sehnsucht, diejenige Person zu sein, die besungen wird - oder auch die Frau zu lieben, die besungen wird. Die Musik nimmt sich dabei zurück und wird zwischendurch präsent. Die Band unterstreicht ebendiese verrauchte und verruchte Stimmung, tänzelt dem Hörer dabei jedoch durch leichte Klavierakkorde auch auf der Nase herum.

Die Band spielt mit kratzigen Gitarren, gedämpften und reinen Trompetensounds, tiefen Basstönen, Streichern, rasselnden Klangwerken und produziert dadurch eine so düstere Stimmung, die sonst vor allem auf Filme hin produziert wird. Ein besonders schönes Beispiel für den bombastischen Klang ist der rein instrumentale Song "Beaches". Allein Sylvie Kreusch (Sängerin der Band Soldier's Heart) bringt stimmliche Elemente in den Song und pointiert ihn durch ihre "Ouh-ouh's".
Sylvie Kreusch ist das passende weibliche Pendant für Maarten Devoldere: Sie haucht, sie ist sanft, sie ist die Geliebte auf eine Art und doch hörbar auch die gefährliche Frau in diesem (musikalischen Spiel) "The Good Lie": "The best illusions that we make / Are the ones that we don't fake / I'm sticking to the good lie / That you can't shake / God damn, I've never seen enough / God damn, I've never seen enough / enough of you". Die Frau deiner Begierde, die dich innerlich auffrisst: "I will love you if I'm chosing alright" ("Leave With Me").

Nicht nur Dramatik und Düsterheit gehen von Maarten Devoldere aus. "Against the Rich" ist pompös und treibend. Mit viel Energie heizt die Trompete den Hörer auf, der Bass mit seinen Balthazar-ähnlichen Zügen bietet der Trompete durch seine kurzen elementarischen Auf- und Abläufe den beinahe leichten Kontrast. Der Song bricht zur Hälfte auf und hinterlässt erstmal nur eine western-artige Gitarre, Devolderes Gesang und ein leichtes Schlagzeug-Rascheln im Hintergrund, bevor es kurz vor Ende noch mal auftreibt.

Der Sound von Warhaus bringt zwischendurch eine leichte Ironie mit sich. So düster und verrucht die Songs klingen, so poppig leicht schwimmt man jedoch auch manchmal in diesem Sound, wie zum Beispiel in "Memory". Der Song ist weniger pointiert in seinen Klangelementen und klingt eher flächig produziert.
Der darauffolgende Song "Wanda" treibt dann wieder nahezu in den Wahnsinn. Scheppernde, kurze Gitarrensounds, umgeben von einem western-artigen Schlagwerk. Du hast gerade den Saloon betreten und die atemberaubende Lady schwebt aus der anderen Ecke des Ladens auf dich zu und haucht dir etwas ins Ohr. Irgendwo lauert jedoch auch die Gefahr, das wird dir die Gitarre später noch verraten - vermutlich ist es dann jedoch schon zu spät und du steckst bereits im Schlamassel.

Warhaus umspielt die Sinne: Leidenschaft, Zweifel an der Vernunft, Irrationalität, Triebsamkeit, eine durchtriebene Art und Weise sind hier zu finden. Du willst Teil dieser Atmosphäre sein, dich ihr hingeben, an der Leidenschaft teilhaben. Für den ein oder anderen mag der Sound zu einheitlich sein. Wenn man sich jedoch in das Warhaus fallen lässt, kann man sich aus diesen bleibenden Liebes-Schäden nicht mehr befreien.


Label: 
[PIAS]
VÖ: 
02.09.2016
Herkunft: 
Brüssel, Belgien