Unsere Alben des Jahres 2016

Rezensiert von Manon Hütter

Das Jahr 2016 neigt sich langsam dem Ende zu ("endlich" kann man da teilweise schon sagen) und auch wir widmen uns der liebgewonnen Tradition das Jahr in Alben Revue passieren zu lassen. Mit der Erkenntnis: es war nicht alles schlecht! Klar, es gab viele musikalische Verluste, aber Bowie ist nicht gegangen ohne einen weiteren Teil seines großartigen Manifests zu hinterlassen. Metronomy sind nach zwei Jahren Funkstille zurück und Konstantin Gropper hat direkt zu Beginn des Jahres verdammt viel Liebe verteilt. So viel zu den alten Hasen. Aber auch aus der Newcomer-Fraktion kamen massig grandiose Debüts, wie u.a. von Gurr und Isolation Berlin, die 2016 in einem viel glanzvolleren Licht dastehen lassen.

Es ist uns auch dieses Jahr verdammt schwer gefallen das Ganze in eine formschöne Liste zu verpacken (sowohl die private Alben Hitliste als auch die kollektive der Redaktion) - aber was muss das muss!

Wir haben abgestimmt. Hier die Top 10 Alben der Redaktion:

 

   1. Bon Iver - 22, A Million (Unser Album des Jahres)

"22, A Million" ist beim ersten Hören, beim ersten Sehen der Videos, beim ersten Versuch, die Texte zu lesen vielleicht überfordernd. Vielleicht steigt man auch gar nicht durch, man sollte es jedoch versuchen. Das dritte Studioalbum von Bon Iver, der Band um Justin Vernon, ist die logische Weiterentwicklung der vorherigen musikalischen Geschichte. Sie bringt Bürden mit sich, anders als zuvor bei Bon Iver. Sie ist extremer in ihren Reizen, doch damit fühlt es sich so an, als würde man nur vorangetragen, auf die nächste musikalische Stufe." (Sophia Kisfeld)

Hier die komplette Rezension vom 30.09.16: Bon Iver - 22, A Million

 

 

2. Die Höchste Eisenbahn - Wer Bringt Mich Jetzt Zu Den Anderen

 

"Wer bringt mich jetzt zu den Anderen" ist voll von netten Kurzgeschichten, griffigen Melodien und einer, wenn auch eher etwas verspielten, Melancholie. Der Gesang und die Instrumente stehen gleichberechtigt nebeneinander und Ohrwürmer sind bei diesem Album vorprogrammiert." (Ann-Kristin Zoike)

 

 

 

 

 

 

 

3. Metronomy -Summer 08

 

 

"Selten hört man Alben, die so abwechslungsreich sind und dennoch als in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden können. Funkige Bass-Grooves, sanfte Synthie-Flächen und eingängige Arpeggien erscheinen mal mystisch und verträumt mal lebhaft und dynamisch." (Hanno Jenkel)

 

 

 

 

 

 

4. Drangsal - Harieschaim

 

 

 

" Sprüht nur so vor Retromania-Gefühl und lässt von Anfang an mit viel Hall- und Choruseffekten, Synthies und dumpfen Drums das Gefühl entstehen, es entstammt aus den 80er und 90ern." (Sören Heuer)

 

 

 

 

 

 

5. Get Well Soon - Love

 

"Präsentiert sich als konzeptuell angelegte Reihe von Geschichten über die düsteren Abgründe der Liebe. Denn so glatt und schön die Musik auf dem vierten Album von Get Well Soon auch ist, die Texte eröffnen dem Album die eigentliche Intention und so beschreibt dieses Gegenteil von Musik und Text das Gefühl, um welches sich alles dreht: it’s love." (Sören Heuer)

 

 

 

 

6. Isolation Berlin - Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit

 

"Stille wird zum Stilmittel, die Stimme von Bamborschke zum Sprachrohr einer Jugendgeneration...Diese gewichtigen Brocken werden mit einer verspielten Musik untermalt, die mal Elemente von Postrock, schwungvollen Chansons und Pop benutzt. Dies allerdings so, dass es weder unsauber noch falsch klingt, diese Stile zu mischen. Es entsteht das, was die Band selber als “Protopop” betitelt." (Sören Heuer)

 

 

 

7. Jamie T - Trick

 

 

"Warum Kompromisse eingehen, wenn man sich doch in und mit fast allen Arten der Musik zuhause fühlt? Jamie T springt auf "Trick" wahnwitzig und mutig hin und her. Hip Hop, Punk, Pop, Rock - wie seine Texte über das Elend der egozentrischen Welt voller Faktenverschleierer klingen, ist dem Engländer scheinbar herzlich egal. Gut so!" (Leonie Wiethaup)

 

 

 

 

 

8. Gurr - In My Head

 

 

"Gurr singen und kreischen von Unsicherheiten, die das Leben mitbestimmen. Von betrunkenen Menschen in Bars, die in ihrer eigenen Welt leben..."In My Head" klingt wie eine Reise in die 90er. Garage-Rock/-Pop mit unzähligen Upbeat-Momenten - und vor allem Charakter." (Leonie Wiethaup)

 

 

 

 

 

 

9. Von Wegen Lisbeth - Grande

 

"Mehr als nur ein einfaches Indie-Pop-Album. Mit ihrem Spaß am Ungewöhnlichen, vielseitigen Instrumenteneinsatz und einfallsreichen Texten zeigt die Band, dass Indie-Pop mehr als nur die übliche Gitarre-Bass-Schlagzeug-Kombi hergibt...Ihre Alltagsbeobachtungen verpacken sie in clevere, humorvolle Texte, die den ein oder anderen Ohrwurm hervorrufen und ihr Klang versprüht stets Leichtigkeit." (Ann-Kristin Zoike)

 

 

 

 

 

10. Kate Tempest - Let Them Eat Chaos

 

"Die Abhandlung einer Gesellschaftskritik in 13 Akten...Schon der Albumtitel hält nicht kryptisch hinterm Berg, sondern übt mit offenen Karten Systemkritik. Mit dem elektrisierenden Beigeschmack eines wütenden, französischen Unterschichten-Mobs, der Marie-Antoinette mit geballter Faust den Hochmut vom blasierten Gesicht wischen will...Ob das Ganze nun Rap oder vertonter Spoken Word ist, könnte, ehrlich gesagt, gleichgültiger nicht sein...Niemand klagt poetischer und schöner an als Kate Tempest." (Manon Hütter)