Tocotronic - Die Unendlichkeit

Rezensiert von Joshua Sans

"Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter" – diesen Satz kannte man bisher eigentlich nur von Buzz Lightyear, dem animierten Astronauten aus den Toy Story Filmen. Doch auch Dirk von Lowtzow, Sänger der Band Tocotronic, singt auf dem neuen Album der Band von Unendlichkeit und deren Überschreitung. Das Konzeptalbum handelt von seinem Leben; von seiner Jugend bis zur Gründung Tocotronics und darüber hinaus. Dabei scheut die Hamburger Band nicht vor neuen musikalischen Einschlägen.

Stilistisch knüpft "Die Unendlichkeit" an das letzte (rote) Album an, wobei auch durchaus neue Klänge zu hören sind - wie zum Beispiel auf dem Titeltrack. Das anfangs ruhige und durch die hallende Gitarre und das eindringliche Schlagzeug getragene Stück baut sich während des Refrains zu einem düsteren, verzerrten Getose auf. Insgesamt wirkt der Song sehr sphärisch und wird von den kryptischen Lyrics gut ergänzt. Vergleichbar sphärisch auch "Ich würd's dir sagen", rockig wird es dagegen bei "Hey Du" und "1993". Die beiden Lieder erzählen sehr klar und ohne verschnörkelte Lyrics aus Abschnitten von Dirk von Lowtzows Leben.

"Hey Du" beschreibt das Außenseiterdasein; wie es sich anfühlt, in einer Kleinstadt nicht der Norm zu entsprechen. Das Lied versteht sich als direkte Ansprache an jede, der andere verurteilt, nur weil sie nicht seinem Ideal entsprechen. "Electric Guitar" geht thematisch in eine ähnliche Richtung, konkretisiert aber eher das Umfeld der eigenen Familie und des Elternhauses. Die wunderschön passende Zeile "Teenage Riot im Reihenhaus" beschreibt dieses Gefühl sehr gut und versetzt den Hörer in die Jugend von Dirk von Lowtzow. Musikalisch ist "Electric Guitar" Vorreiter der Pop Songs, welche den größten Teil des Albums einnehmen. "Ich lebe in einem wilden Wirbel" gehört ebenfalls dazu. Ein schneller Song, der durchaus gute Laune verbreitet und mit seinem eingängigen Refrain besticht.

Inhaltlich geht das Konzept der Platte sehr gut auf. Wer allerdings eine autobiografische, detaillierte Erzählung des Lebens von Dirk von Lowtzow erwartet hat, könnte enttäuscht werden. Obwohl die Lyrics nicht ganz so verschlüsselt und schwer zu knacken sind, wie man es von Tocotronic gewohnt ist, muss man oftmals zwischen den Zeilen lesen. Einigen langjährigen Fans von Tocotronic wird das Album vielleicht zu poppig sein, doch ist der Mix aus verschiedenen Stilen und Stimmungen sehr gelungen. Tocotronic zeigen auf ihrem zwölften Album und nach fast 25 Jahren Bandgeschichte, dass sie sich immer noch weiterentwickeln können - bis zur Unendlichkeit und viel weiter.


Label: 
Universal Music
VÖ: 
26.01.2018
Herkunft: 
Hamburg, Deutschland