Thao And The Get Down Stay Down – A Man Alive

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Dramatisch-ironisch, wuchtig-leicht. Das sind Adjektive und Gegenteile, die das sechste Studio-Album “A Man Alive” von Thao And The Get Down Stay Down beschreiben. Melodisch ist der volle Sound, wuchtig ihre ironische Gesangsart und die ernsten Texte geben der Musik den Gegenhieb. Thematisch behandelt sie auf dem Album das Verlassenwerden des eigenen Vaters.

Thao And The Get Down Stay Down sind aktuell eine fünfköpfige Band um die Frontfrau Thao Nguyen. Sie kommt eigentlich aus Virginia, mittlerweile wohnt sie jedoch in San Francisco, Kalifornien. Thao Nguyen arbeitet auf diesem Projekt zusammen mit Adam Thompson, Johanna Kunin, Jason Slota und Charlie Glenn. Neben Thao and The Get Down Stay Down ist sie noch aus Projekten bekannt wie Mirah oder Tune-Yards.

Der Opener des Albums “Astonished Man” ist ein Paradebeispiel für die klangliche Paradoxon, welches sie durchweg auf dem Album verkörpert. Der einsteigende Sprechgesang von Thao beginnt solo und wird ergänzt durch einen recht schnellen, repetitiven Gitarrenlauf der im Refrain von einer musikalischen Leichtigkeit aufgebrochen wird – sowohl melodisch, als auch gesanglich. Die kratzende Gitarre, die in diesem ersten Song auftaucht, verleiht dem Album einen markanten Touch, lässt die Musik um Thao Nguyen derbe wirken. Neben dieser stimmlichen und instrumentalen Markanz, hat sie den Liedern auch eine strukturelle Ordnung gegeben. Viele Songs, so unter anderem “Astonished Man” und “The Evening” sind unterlegt mit einer gewissen musikalischen Wiederholung innerhalb der Songs. Sie sind präzise auf den Punkt gebracht oder erfahren einen Bruch, wie zum Beispiel bei “Fool Forever”. Dieser langsamere Song gewinnt an Kraft durch die Instrumentierung, den starken Bass, ihren tiefem, langsamerem Sprechgesang, wird jedoch durchbrochen durch einen leichteren Backroundgesang, ihrer geloopten chorartigen Stimme.

Es ist sowohl die Wucht von Songs wie “Departure”, “The Evening” oder “Fool Forever”, die prägnant für ihren Sound sind. Gleichzeitig wird das Album auch von seichteren Nummern wie “Guts” unterbrochen. Ihre Stimme weicht in der Präsenz dabei zurück, gibt dem musikalischen Inhalt, der soulartig dahin plätschert, mehr Raum. Auch “Millionaire” gehört zu diesen nicht ganz so wuchtigen Songs, auch wenn das Schlagzeug einen gedämpften, Herzschlag-ähnlichen Antrieb wiederholt. Die Gitarre ist auf eine Art gereizt, säubert sich zwischendurch klanglich und verliert sich dann in einem psychedelischen Wimmern im Hintergrund.
“Meticulous” hingegen ist hektisch, reizt den Hörer und fordert einen körperlichen Antrieb. Thao Nguyens Stimme wechselt zwischen Sprechgesang und einem beinahe melodiösen Gesangsansatz. Sie wirkt getrieben, verwirrt und verärgert – beinahe provozierend. Musikalisch setzen elektronische Beats ein, die den steten Schlagzeugrhythmus unterstützen.

Thao And The Get Down Stay Down’s nun sechstes Album wird vor allem getragen von der Wucht des Klangs in Kombination mit Nguyens markanter Stimme und ihrer Art von Sprechgesang. Der Sound ist wuchtig in der Nutzung der Instrumente – das treibende, gedämpfte Schlagzeug, verzerrte Gitarren, elektronische Beats zur Bekräftigung oder als Antrieb und die Funktion des Loops, die durchweg auf diesem Album auftauchen. Ihr Sprechgesang lässt das Album zusätzlich ernst wirken, präziser in der Idee der Musik und ihrer Umsetzung. Sie möchte uns etwas mitteilen, nämlich wie es ihr ergangen ist – sie verarbeitet und der Stoff scheint nicht einfach zu sein.


Label: 
Domino
VÖ: 
04.03.2016
Herkunft: 
Falls Church, Virginia (USA)