Teleman – Brilliant Sanity

Rezensiert von Manon Hütter und Sören Heuer

So spannend die Fragen nach wichtigen Einflüssen für den Sound einer Band auch sind, bei der britischen Band Teleman spricht die Musik auf ihrem zweiten Album “Brilliant Sanity” für sich: zu hören sind Referenzen zu Suede, Metronomy, Kaiser Chiefs oder auch Maxïmo Park. Die Wucht der britischen Gitarrenmusik-Welle des ersten 2000er Jahrzehnts scheint ebenso Einfluss auf die Musik von Teleman genommen zu haben, wie die von Arcade Fire oder auch Tom Odell. Nach dem die Band mit ihrem 2014 erscheinenden Debütalbum “Breakfast” für einige der oben genannten Bands Support gespielt haben, brachten sie nun all diese Einflüsse im neue Album unter und haben einen sehr melodischen Mix aus Indiepop und –rock geschaffen.

Gerade die erste Hälfte des Albums überzeugt durch viel Dynamik, kraftvoll und überzeugend aufspielenden Gitarren und klasse Melodien. Stücke wie “Dusseldorf”, “Fall In Time” oder auch “Glory Hallelujah” haben spannende Entwicklungen und zeigen die oben genannten Referenzen auf. “Fall In Time” hat gleichzeitig eine drückende Stimmung, die an Suede erinnert, wie einen Klavierteil, der sehr an Tom Odell’s “Another Love” denken lässt. “Glory Hallelujah” drängt sich ähnlich auf, wie einige Songs von Arcade Fire’s Album “Funeral”. Es scheint so, als setzten sich Teleman stark mit ihre Einflüssen auseinander, denken diese weiter und setzen alles mit dem eigene Sound gemischt um.

Instrumente und Gesang arbeiten wunderbar zusammen, geben sich gegenseitig immer wieder Platz und kommen oft mit wenig und dezenten Elementen aus, um viel Stimmung zu erzeugen. Teilweise sogar so harmonisch, dass die Electric-Organ-Hymne “Melrose” und das entschleunigte “Canvas Shoes” passagenweise an Weihnachtsongs von The Killers erinnern. Vorgetragen in bester Brandon Flowers Manier. Lyriktechnisch unterstützt von einer ordentlichen Menge Pathos, der “Rotes Album”-Tocotronic, wie stolzen Ziehvätern ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde.

Und auch wenn die zweite Hälfte des Albums wesentlich poppiger ist, so sorgen Tracks wie “Tangerine” und “Drop-Out” für etwas angerauten Sound, im sonst perfektionistisch polierten Synthie-Gefüge. Auf “Tangerine” arbeiten sich Gitarren-Riffs neben spiralförmigen Melodien und düsteren Bass-Lines unbeirrt voran. Dazu gesellt sich ordentlich Hall-Filter und ein gepitchtes Kinderstimmchen-Sample im Echo.
Und auch “Drop-Out” brilliert durch eine eher mystische Atmosphäre, die sich wieder mehr an Arcade Fire orientiert.

Trotz teils komplexen Harmonien, entsteht der Eindruck einer traumhaft poppigen Eingängigkeit, die sich erfrischend unaufdringlich durchs Album schlängelt, was sich – was die Pop-Hooks und groovigen Synthies angeht – auch hervorragend in den 80ern verkaufen ließe. Da allerdings durch den leichten Surf-Pop-Touch wohl doch etwas alienmäßig wirken würde.
Teleman haben mit “Brilliant Sanity” ein frisch aufspielendes zweites Album veröffentlicht und ihren Einflüssen ordentlich Platz gegeben. Auch wenn es teilweise starke Ähnlichkeiten gibt, der Sound wurde stets weitergedacht und adaptiert, in den eigenen Ideen integriert. So ist eine kräftig und dynamisch aufspielende Indie Platte entstanden, bei der man ganz sicher weiß, woran man ist.


Label: 
Moshi Moshi Records
VÖ: 
08.04.2016
Herkunft: 
London, England