Spoon - Hot Thoughts

Rezensiert von Manon Hütter

"Knock, knock, knock" - "Who's there?" Die Herren, die mutig genug waren, "knock knock" tatsächlich als legitime Lyrics zu integrieren, ohne dabei zu wirken wie ein Red-Bull-gedopter Eurovision Act mit ernsthaften Ambitionen unter die Top 10 zu kommen. Mit einem Bein im zerranzten Garage-Schuppen und im weiten Ausfallschritt in die funky glitzernde Sparkle-Disco, in der die Drum-Machine schon sehnsüchtig schnurrt, melden sich Spoon zur aufgezeichneten Jam-Session zurück. Den "Ausprobier"-Charakter wahrend, ist nur selten ein Chorus auszumachen und gleich einem musikalischen Äquivalent von Hundertwasser Architektur großteils asynchron angelegt. Ein Konstrukt, das Flaming Lips-Produzent Dave Fridmann zu einem stabilen Bauwerk arrangiert.

Die dysarthrophonische Aussprache schlängelt sich als Trademark durch den Opener "Hot Thoughts" und lässt die Vocals einmal mehr zum Ensemblemitglied der Instrumentierung werden, während "Shotgun" vor allem durch die pulsierenden Tame Impala-Basslines besticht. Als Pflaster auf manch melancholischer Seele versucht sich "I Ain't The One" als deplaziert wirkende, tränengeschwängerte Ballade - trotz charakteristischer Snare-Drums. Viel emotionaler und spannender ist hingegen "WhisperI'lllistentohearit", dessen ruhiges Intro schnell von pfeifend verzerrten Gitarren und Britt Daniels souliger Tabakstimme den wahren Spoon-Atem eingehaucht bekommt. "Do I Have To Talk You Into It" fährt dann mit Bläsern direkt die volle Montur des verirrten Weirdo-Americana auf und kreiert zu den klassisch-stampfenden Marschdrums und schweifendem Piano sphärisch psychdelisches Glockenspiel.

Eine dramaturgischere Rolle bekommt das Piano auf "First Caress" in einem disharmonischen Soli, das vermuten lässt, man habe den Schauspieler von "Der Pianist" damit beauftragt, einen Soundtrack für ein Schauermusical zu komponieren, in dem zusätzlich zu flirrenden Electro-Synths die Zeilen "Coconut milk, coconut water. You still like to tell me they're the same. And who am I to say" vorkommen müssen. Die wichtigen philosophischen Fragen des Lebens also - und das auch noch in überaus catchy. Aber das waren Spoon ja schon immer.

Etwas überraschender sind dagegen neben den orientalischen Synth-Wellen und Vocal-Loops auf der Funk-Nummer "Can I Sit Next To You" der ungewohnte Raum für düstere Elektroklänge sowie das für Spoon recht minimalistische Intro des Fünfminüters "Pink Up". Quasi ein für Laien nachvollziehbarer Baukasten zum Thema Soundkonstruktion. Mit scheppernden Becken und einem skurril wabernden Backgroundchor, der sich anhört, als sei er auf einem ökumenischen Treffen eines katholischen Gesangvereins und eines schamanischen Stamms aufgenommen worden. Dazu murmelt Daniels dann über virtuose Steel-Drums hinweg irgendwas über einen Zug nach Marrakesh. Und als wäre das alles nicht verworren genug, kommt mit "Us" ein überraschendes rein instrumentelles Jazz-Coda als Glasur auf den Würzkuchen mit einem Saxophon, das klingt, als habe man es Destroyer noch während der Produktion von Poison Season gestohlen.

"Knock, knock, knock" - "Who's there?" - "Spoon. We're back!"


Label: 
Matador Records
VÖ: 
17.03.17
Herkunft: 
Austin, USA