Shame - Songs Of Praise

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Pubertärer Abriss-Punk mit Pop-Einschlag. Irgendwie sind Shame eine abgewetzte kleine Bubi-Punk-Band, die dir letztlich live einfach auf die Fresse gibt. Eigentlich auf der Bühne total rumrotzt, mit Bier nicht mehr schmeißen darf, weil sie in Amerika verklagt wurde, letztlich aber doch höflich und nett ist.

Shame sind aus South London, was gerne dazu führt, dass man sie auf der Bühne vielleicht auch gar nicht so richtig versteht. Fünf junge Buben, die sich gerade aus der letzten Pubertäts-Hülle pellen, mitten im Entwicklungsprozess, die Bühnen zerschmettern und mit dem Debütalbum "Songs Of Praise" einfach schon die besten Rezensionen ergattern. Viel Erfolg bei der Weiterentwicklung!

Diese Band sorgt dauerhaft dafür, dass der Antrieb im Körper auf Vollgas steht: "Beweg dich! Tanz! Lass es raus, deine Wut und deine Weltirritation!" Das Album ist vor allem aggressiv und energiegeladen. Es vereint Punk-Attitüden mit einem leichten Gitarren-Surferboy-Sound im Hintergrund, im Wechsel mit krassen Schrebbel-Shoegaze-Gitarren und Ansätzen der Psychedelic-Bewegung. Die Jungs haben Energie, projizieren die in ihre Musik und das kommt bei dem Hörer an. Das Glanzstück ist dabei "Tasteless". Charlie Steens Stimme ist rau, er kann dich nicht leiden, viel eher kann er die Welt nicht leiden und das kriegst du auch volles Brett da hingezimmert: "Cut out the commodities / An internal crisis glued to an egos need / Well it's fucked / [...] / I like you better when you're not around". Charlie Steen schreit dich an, grummelt dir ins Ohr oder er spricht förmlich mit dir: "Do you feel alone (well sometimes I do) / Do you feel replaced (feel like there's nothing at all) / Fearing the unknown (stare into the abyss) / [...] And I hope that you're hearing me / No more, no more, no more questions" ("Concrete").

Shame können aber auch heiter-ironisch klingen. Irgendwie beschwingt kommt "One Rizla" daher, aber hey, das Leben ist verzwickter als man denkst: "I ain't much to look at / I ain't much to hear / but if you think I love you / you got the wrong idea". Und eigentlich sollte auch kein Namedropping betrieben werden, denn die Band steht einfach für sich. Wenn man aber will, klingt der abschließende Song ein wenig nach Noel Gallagher. Er ist vielleicht der poppigste des Albums, er steht aber dennoch für die die Heftigkeit die durchgängig auf dem Album zu spüren ist.

Gleichzeitig ist es aber so: man kann noch so viel von dem Album schwärmen, es hat einen glatten, poppigen Sound. Das funktioniert solide, um es zu verkaufen. Es kommt aber auch darauf an, diese Band live zu sehen und zu sehen und zu spüren, wie viel Energie über dieses Album hinaus vorhanden ist. Die Band sind ein Erlebnis auf der Bühne und rauer als in produzierter Variante. Eben genau das kann Musik wiederum spannender machen, als sie eh schon ist.


Label: 
Dead Oceans
VÖ: 
12.01.2017
Herkunft: 
London, UK