Savages – Adore Life

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Savages haben mit “Adore Life” ein grundsolides Rockalbum produziert – grundsolide auch, da Jehnny Beth sich mit Problemen beschäftigt, mit denen wir uns alle beschäftigen: Leben, Tod und dem Angst-Gegenmittel Liebe. Wie auch Beths Faust auf dem Cover, ist der Inhalt des zweiten Albums der Londoner Band energetisch, dynamisch und provozierend – gleichzeitig aber auch düster.

Es sind vor allem die Live-Auftritt der Band, die Energie und die Spannung, die von Jehnny Beth ausgeht, die Savages zu dem macht, was sie ist: eine einnehmende, spannungsgeladene Band, die die Musik in den Körper injiziert. Wer sie ein mal live gesehen hat, der weiß, was ein dramatischer Songaufbau mit einem Hörer und Zuschauer machen kann. Es ist Beths tiefe Stimme, der starre Blick in Verbindung mit ihrer Gestik, der Moment, in dem sie ihre Jacke aufreißt und sie sich wortwörtlich ins Publikum schmeißt, den man nicht vergisst und vor Augen hat, wenn man die Musik hört. Reine Spannung, die die drei weiblichen Bandmitglieder musikalisch um Beth so herausragend aufbauen. Dynamik und Spannung – dementsprechend passt der Name Savages (die Wilden) wohl so gut auf die Band.

Bereits der Opener des Albums “The Answer” haut richtig rein und präsentiert den Sound des Albums. Flächige Gitarrensounds ab der ersten Sekunde, der beinahe-hektische, verrückte Gesang Jehnny Beths und das treibende Schlagzeug sind abgestimmt auf den Inhalt des Songs. Der Song strotzt vor Selbstbewusstsein, dem Ziel der Problemlösung: auch wenn dich der Tod verfolgt, greif dir die Liebe als Antwort auf die Problemfrage. Verrückt wirst du dennoch: “I’ll go insane / I’ll go insane / …” Darüber hinaus ist es der kratzige Sound in Songs wie “T.I.W.Y.G” (“This is what you get”). Beth singt “This is what you get when you mess with love” und die Band gibt dir förmlich auf die Fresse.

Die Songs sind insgesamt laut, doch manche bauen sich überhaupt erst aus der – wenn man so will – ruhigen Grundstimmung auf. “Adore”, das beste Beispiel dafür und auch der stärkste Song des Albums. Die E-Gitarre lässt einen Ton schwirren, der Bass setzt ein mit einem kleinen Tonwechsel, Beth beginnt zu singen: “If only I didn’t want the world / I wouldn’t make you feel so sad / I’m sure my shame would be gone / Is it human to adore life?” Es wird das Verlangen beschrieben, mehr von der Welt und dem Leben zu wollen, es jedoch zu vernachlässigen, während man es liebt. Sie singt “I adore life“, der Bass beweint sie beinahe, bemitleidet sie dafür. Sie spricht sich selbst Mut zu, traut sich, zu äußern, dass sie das Leben liebt, jedoch auch, da sie im Hier und Jetzt lebt und es wahrnimmt. Der Song gewinnt musikalisch eine solche Dramatik, dass sie beginnt zu schreien: “I adore life / Do you adore life?” und dich genau mit dieser Frage im Raum stehen lässt.

Der Klang ist heftig, den Savages auf “Adore Life” produziert haben. Songs wie “Evil” oder “Sad Person”, die dich klanglich provozieren, weil sie so kräftig und schmetternd klingen – man will am liebsten headbangend vor der Bühne stehen und sich von den Amps beschallen lassen. Dann wiederum “Slowing Down the World”, der wirklich das Tempo reduziert, jedoch nicht an Kraft verliert. Schlussendlich dann “Mechanics”, der psychedelische Klangteppich, der innere Verzerrtheit klanglich abbildet.

Es ist das Bewusstsein des Anwesend-Seins im Leben, wenn auch mit einem düsteren Grundschimmer, der quasi der ernsten Lage des Lebens oder des Todes zuzuschreiben ist. Genau diesen haben Savages klanglich produziert. Die Heftigkeit des Lebens in Form von Musik.


Label: 
Matador
VÖ: 
23.01.2016
Herkunft: 
London, England