Reptile Youth – Rivers That Run For A Sea That Is Gone

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Das ist auf keinen Fall Fahrstuhlmusik, das ist eher eine Sprungfeder, die nicht an Spannung verliert! Reptile Youth ist es gelungen, ein Album zu produzieren, bei dem durchgängig die gleiche Energie herrscht und es nicht lahm und einödig wird. Die Band weiß, wie man sich einen Namen macht, sowohl auf Shows als auch durch die Musik, die sie produzieren. Und das nicht nur in ihrer Heimat Kopenhagen, sondern auch über die Grenzen hinaus.

Reptile Youth war ursprünglich eine zweiköpfige Band, Mads Damsgaard Kristiansen und Esben Valløe. Ihre Offenheit neuen kreativen Köpfen gegenüber hat die Band zu einem Quintett gemacht. Natürlich haben sie sich von den neuen Mitgliedern beeinflussen lassen und zudem die Dynamik genossen, die entsteht, wenn über Musik und den Musikentwicklungsprozess diskutiert wird. Und genau diese Dynamik ist in jedem der neuen Songs zu spüren! Sicher hat das auch etwas mit der Einstellung der Band zu tun: sich nicht von außen unter Druck setzen zu lassen, sondern ihr eigenes Ding durchzuziehen und einfach stolz drauf zu sein, dem Publikum etwas Neues präsentieren zu können.

“Rivers That Run For A Sea That Is Gone” steht dem Vorgänger “Reptile Youth” in nichts nach, vielmehr hebt es sich von der Hektik des Vorgängers ab und ist impulsiv und durchdacht geladen. Schon der Opener “Above” verleitet dazu, mitzuwippen, während man bei “Where you end I begin” sogar anfängt mitzuswingen – man ignoriert dabei aber auch den ein oder anderen dissonanten Klang. Überraschen dürfte der Sound in “We’re all in here,” der an eine schnellere Version des Kasabian-Songs “Butcher Blues” erinnert – “We’re all in here” gleicht einer kleinen Indie-Rock-Hymne, wenn im Refrain ein paar Leute im Hintergrund die Titelzeile des Songs mitsingen. Hat man sich jedoch gerade auf diese Gruppendynamik eingelassen, werden einem die elektronischen Sounds und die Gitarrenriffs von “Two Hearts” um die Ohren geschmettert und in eine atmosphärisch direkte Richtung gelenkt. Den Abschluss des Albums bietet “Diseased by desire”. Während die Gitarren auf einen einschlagen, singt Kristiansen die Zeilen “we are your children stupid an arrogant / we are your children playing with fire / we are your children burning down the house / we are your children diseased by desire” – inwieweit der Hörer das nun auf seine Umgebung abwälzen will, ist ihm selbst überlassen. Dennoch bildet der sieben-Minuten-Track den Höhepunkt des Albums, trotz seiner Länge verliert er nicht die Energie, die das ganze Album durchgängig aufgebaut hat.

Aus vierzig vorbereiteten Titeln hat die Band letztlich nur zehn ausgewählt, die Begründung dazu gibt sie selbst: “We picked the songs that meant the most to us. Not the songs that meant the most to a radio – Or to a record label. There is not a single song on that record that doesn’t deserve to live.” Stolz auf jeden einzelnen dieser Songs präsentieren sie uns nun also “Rivers That Run For A Sea That Is Gone”. Ein Album, das am Stück gehört werden darf, dem Wort Langeweile einen klaren Kontrast bietet und wirklich verdient zu leben!


Label: 
Internet Rec. 2014
VÖ: 
07.03.2014
Herkunft: 
Kopenhagen (Dänemark)