A Projection - Framework

Rezensiert von Manon Hütter

"Hello darkness my old friend, I've come to talk with you again" dachten sich sich wohl auch A Projection, stellten sich aber - während sie noch mental auf Simon & Garfunkels Spuren wandelten - die cohenesque soundprägende Frage "You Want It Darker?". Denn ihr Zweitling "Framework" spielt durchgehend im Reich der Schatten, in welchem nur hier und da kleine Lichtmomente das Dickicht zu durchbrechen vermögen und zuckende Umrisse in die Finsternis zeichnen. Diese dann jedoch umso kraftvoller. Ein Thema, das schon die Tracklist mit Titeln wie "Dark Cities", "No Light" und "Listen To The Dark" wenig kryptisch vorwegnimmt. Und welches sich musikalisch durch düsteren 80er Post-Punk und wabernde Darkwave-Betten nur zu gut zu manifestieren vermag.

So arbeiten der Opener "Hands" und "Dark Cities" mit treibenden marschähnlichen Beats und 4-Ton-Synthkombis, während "No Lights" noch abschließend mit dumpfen Großraumlagerhallen-Filtern überzogen wurde. "I'm Not Here" inszeniert hingegen primär durch preschende Drums und monotone Vocals (für die stilistisch wohl Ariel Pink fleißig Modell stand), während inhaltlich die Generation "Ich geh backpacken und bin noch auf sinngebender Suche nach etwas, was ich nicht definieren kann und zu definieren gewillt bin" gespiegelt wird. Auf poetische Jack Kerouac Art versteht sich. Desillusion und Orientierungslosigkeit, die forciert durch selbs-attestierten Schlafentzug entstanden ist und sich sich als feiner Nachgeschmack durch eine kühle Lo-Fi-Synthlandschaft windet. Jedoch (vielleicht mit Ausnahme des kurzen gedämpften Kinderstimmchen-Sample auf "Betrayal") keine hässliche Albtraumlandschaft zeichnet, sondern eher eine kühle unendlich weite Ebene die in ihrer Düsternis eine eigenwillige Schönheit ausstrahlt.

Und trotzdem wirk "Scattered", obgleich widersätzlicher Lyrics wie "we dance out of sorrow" dank Synthesizer-Solo in bester NDW-Garnitur ebenso wie "Next Time" mit seinen melodischen Gitarrenriffs und schnurrendem Drumcomputer oder der upbeat-Hauch "Sensible Ends" erstaunlich hoffnungsvoll und euphoriebenetzt. Sofern es eben möglich ist. Tatsächlich sitzen A Projection - wie auch auf schon bei ihrem Debütalbum "Exit" - auf dem düsteren Grund des Marianengrabens, können aber den glitzernden Gipfel des Mount Everest durch die trüben Schliere der Wasseroberfläche verheißungsvoll erfassen. Anderes als auf dem Vorgängerwerk gibt es allerdings keinen spontanen Strandausflug der Sorte "Young Days" an die Sunshine Coast. Wenngleich auch die zweite Hälfte der Platte mehr helle Schattierungen zählt als die erste. Ein Zustand, den "Listen To The Dark" - gleichzeitig Revision und Outro - mit stampfenden Drums und geechoten backup-chants schnell zu begleichen weiß und wieder ins Schattenreich geleitet. Und ja, dort ist es recht homogen und vielleicht etwas weniger variabel als noch auf "Exit".

Das Dunkle der Seele ist dafür frei nach außen gekehrt und so klirrend kühl und sehnsuchtsvoll verzehrt wie nur möglich. "Framework" entspricht dabei einer thematischen Abhandlung mit der gescheiterten Liebe im rauen Anfangsstadium der Trennung - leicht wehmütig, allerdings zu den eigenen Konditionen, mit hoch erhobenem Kopf und zärtlich über den Vorschlaghammer streichelnd. Licht und Schatten lagen schon immer nah beieinander und A Projection malen gerne und gut mit allen Abstufungen an Grauschattierungen. Und das auf einer kraftvolle, aber eben auch zerbrechlich-intimen Art. So zaubern sie Schönheit an einen düsteren Ort der Tristesse.


Label: 
Tapete Records
VÖ: 
13.01.17
Herkunft: 
Stockholm, Schweden