Pale | Seas - Stargazing For Beginners

Rezensiert von Leona Lucas

Zwei Jahre nach dem ursprünglich geplanten Release ist es endlich so weit: die britische Indie Rock Band Pale | Seas hat mit „Stargazing For Beginners" ihr lang ersehntes Debütalbum veröffentlicht. Die Band rund um Frontmann Jacob Scott hat sich nämlich schon 2012 gegründet und avancierte kurz darauf bereits zu DEM Newcomer des Indie-Rock. Als dann nach einigen hoch gelobten Single-Veröffentlichungen wie „Something oder Nothing" (2012) und „Places to Haunt" (2014) auf das Debütalbum gewartet wurde, verschwand Pale | Seas ohne ein Wort der Erklärung von der Bildfläche. Dieser plötzliche Rückzug ist Jacob Scott und seinen Bandkollegen Graham Poole, Matthew Bishop und Andrew Richardson aber zu verzeihen – da die Vier mit dem bisherigen Sound ihres Erstlingswerks noch nicht wirklich zufrieden waren, überarbeiteten sie das Album mit Hilfe von The Verve-Produzent Chris Potter von Grund auf. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit entschuldigt die lange Wartezeit allemal: Mit „Stargazing For Beginners" ist der Band ein phänomenales Debüt gelungen.

Dass Pale | Seas ihre trubelige Heimat Southampton verließ und sich für die Produktion des Albums in ein Studio auf die Isle of Wight zurückzog, ist nicht zu überhören. Die Isolation der einsamen Insel vor der Südküste Großbritanniens und die stürmische See spiegeln sich in dem düsteren Sound der Songs wider. Trotz der Melancholie, die sich als roter Faden durch alle zehn Tracks von „Stargazing For Beginners" zieht, ist die Musik aber alles andere als eintönig. Progressiver Rock mit harten Gitarren im Opener „Into the Night" ist genauso auf dem Album vertreten wie verträumte, minimalistische Akustikstücke mit isländischem Ambiente („Blood Return"), atmosphärische Elektroklänge á la Cigarettes After Sex („In A Past Life") und tanzbare, eingängige Indie-Pop-Rock-Hymnen („Someday").

Beeinflusst durch Künstler wie Neil Young und Elliott Smith bewegt sich Pale | Seas zwischen Indie und Folk, Pop und Rock und schafft es so einen Klang zu erzeugen, der immer wieder an die warmen Harmonien von den Fleet Foxes, die düstere Atmosphäre von The National oder auch an die nachdenklichen Momente von The Shins erinnert, aber dennoch in seiner musikalischen Genialität einzigartig ist und neue Wege in der alternativen Musikszene weist.

Der Schwermut in „Stargazing For Beginners" wird jedoch nicht allein durch den vielschichtigen und melancholischen Klangteppich für den Hörer fühlbar, sondern auch durch die emotionalen und düsteren Texte. Pale | Seas singen über verlorene Liebe, Angst vor der Einsamkeit und Rastlosigkeit. Songzeilen wie „Someday the pain I feel in my heart will slowly fade away 'till I feel nothing at all" ("Someday") hinterlassen einen tiefen Schmerz und vor allem ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit – es scheint keinen Ausweg aus der Dunkelheit zu geben. Von Kitsch fehlt in den Texten dennoch jegliche Spur. Die Band hat auch in Bezug auf das Songwriting ein weiteres Mal ihr unglaubliches künstlerisches Talent unter Beweis gestellt.

Pale | Seas' „Stargazing For Beginners" ist ein fulminantes Debütalbum. Vielseitig, melancholisch, düster – perfekt für die dunklen, kalten Wintermonate.


Label: 
Abbey Records
VÖ: 
24.11.2017
Herkunft: 
Southampton, UK