Nervous Nellie – Where The Nightmare Gets In

Rezensiert von Ann-Kristin Zoike

Das lange Warten auf das vierte Album von Nervous Nellie hat ein Ende. Anfang Dezember ist “Where The Nightmare Gets In” veröffentlicht worden. Allerdings nicht auf dem konventionellen Weg, denn zunächst einmal bekamen wir das Album häppchenweise. Die vier Jungs Henrik, Sebastian, Magnus und Andy hatten ihr Album in 3 Teile unterteilt. Angefangen mit der EP “Theta: Chapter One” im September diesen Jahres, gefolgt von “Delta: Chapter Two” und “Alpha: Chapter Three” in monatlichen Abständen, wurde unser Appetit auf das neue Album angeregt. Entstanden ist schließlich ein Album drei Jahre langer Arbeit, das von vergangenen und gegenwärtigen Träumen und Albträumen der Band erzählt.

Seit der Gründung 2002 hat die schwedische Band aus Stockholm, von wo auch keine geringen Künstler wie Johnossi, Mando Diao und Lykke Li stammen, eine musikalische Entwicklung erlebt. Im Gegensatz zu dem anfänglichen Gute-Laune Indiepop/Rock zeigt sich dieses Album eher von einer melancholischen Seite mit sowohl psychedelischen als auch folkloristischen Elementen. Hier zeigt sich der eigene Anspruch der Band ganz deutlich, denn sie wollen sich eben nicht in eine Schublade stecken lassen – sie wollen gute Musik machen.

Das Album beginnt mit dem ersten Song “Beacons” recht ruhig und im Sinne des Popgenres, sodass man sich allmählich in die Traumwelten begeben kann. Getragen wird der Song von der markanten Stimme des Sängers, der eingängigen Melodie und den kurzen Soloparts der Gitarre. So ruhig, wie der Song begonnen hat, endet er auch. Doch Song für Song wird das Album düsterer und mystischer. Gerade der vierte Song “Skeletons” besitzt eine dramatische Grundstimmung. Die Elektro-Beats und Gitarrenriffs treiben den Song nach vorne und der fordernde Gesang unterstützt die Zeilen Is this a moment of joy o are we lost in the dark/ Please someone give me a sign. Durch diese Elemente wird die Orientierungslosigkeit, die man manchmal in einem Traum verspürt, verdeutlicht.

Ein Highlight des Albums stellt der fünfte Song “You´re So Sad” dar, für den sich die Jungs weibliche Unterstützung von der britischen Sängerin Paloma Faith geholt haben. Es entsteht ein wunderbar ruhiges Duo mit einem melancholisch-wehmütigen, aber dennoch leichtem Klang. Dieser wird vor allem durch den Einsatz von Streichern und Xylophon erzeugt.

Der sechste Song “Cat Like Figure” erinnert an Synthie-Pop aus den 80ern, aber zeigt dennoch die Experimentierfreudigkeit der Band. Zum Beispiel hört man zu Beginn einen Männerchor ohne jegliche musikalische Untermalung, Gesang wird geflüstert oder der Echoeffekt wird genutzt.

Auch der achte Song “Dead Dirt” gehört zu den besonders gelungenen Songs dieses Albums. Am Anfang setzen nach und nach mehr Instrumente ein, beginnend mit Percussions, gefolgt von Streichern und Bläsern, welche ein harmonisches Klangbett erzeugen. Beim Einsatz des Gesangs setzt dieses Klangbett allerdings zunächst aus, um sich anschließend wieder zu entwickeln. So wird der ruhige Song trotzdem dynamisch und in den längeren Instrumentalparts, hat man die Möglichkeit seinen Gedanken zu folgen.

Seinen Abschluss findet das Album in dem Song “No Sound”, der durchaus als Rausschmeißer verstanden werden kann. Die Akkordfolge zu Beginn ist bekannt, das Schlagzeug treibt voran und eine positive Grundstimmung wird erzeugt. Das Album endet in einem verzerrten Klang der Gitarre, wie man es von Rockkonzerten kennt.

Das Album “Where The Nightmare Gets In” nimmt einen mit in die unterschiedlichsten Sphären der Traumwelt. Obwohl die Texte überwiegend düster und teils mystisch sind, ist das Album durch die dramatische als auch heitere Stimmung in den Songs abwechslungsreich. Dazu kommt der Einsatz der unterschiedlichen Instrumente, die eingängigen Melodien und die verschiedenen Einflüsse aus Indiepop, Rock und Folk. Das vierte Album von Nervous Nellie kommt genau richtig für die kalte Jahreszeit. Man nimmt sich eine warme Tasse Tee, dieses Album und schon kann man sich fallen lassen.


Label: 
WIFE
VÖ: 
05.12.2014
Herkunft: 
Stockholm, Schweden