Mø – No Mythologies To Follow

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Die junge Dänin sieht auf Fotos wie ein gelangweilter Teenie aus, in Interviews strahlt sie in Kameras und in ihren eigenen Videos lässt sie zudem die Superheldin aus sich raus. Und das, was Mø da macht, das funktioniert!

Lange haben wir auf ihr Debütalbum warten müssen: “No Mythologies To Follow” umfasst auch die Tracks “Maiden,” “Glass,” “Pilgrim”, die sie Peu à Peu auf den Markt warf. Sie haben schon Erwartungen geschürt und ihren eigenen Stil vorgezeichnet. Auf “No Mythologies to follow” behält sie diesen bei: elektronische Sounds, in die ihre (Lana del Ray-ähnliche) Stimme eingebettet wird – manche treiben zum Tanzen, andere zum Rumhängen und wieder andere lassen den Zuhörer pöbeln. Vielleicht ist es die Kombination von Karen Marie Ørsteds Stimme und den Beats, die sie begleiten. Vielmehr ist es aber auch ihr jugendliches Auftreten und ihre Art, einfach ihre Gedanken raus zu bringen. Denn die Langeweile und den Trotz, den sie auf Fotos raushängen lässt, ist auch teilweise auf dem Album zu hören – was nicht heißen soll, dass das Album langweilt. Es ist eher die Vorstellung, manche Lieder in einem Art Trancezustand zu hören: plötzlich vergeht alles in Zeitlupe, man beobachtet und wartet auf den Boom.

Die Synthie-Sounds bilden verschiedene Klangteppiche um Mø. Zum Beispiel die vermeintliche Gitarren-Linie in “Maiden”, dem zweiten Lied des Albums, das den Opener “Fire Rides” vergessen lässt. Es sind aber vor allem die Lieder “Don’t wanna dance,” “Waste of Time” oder “XXX 88″ – bereits Singleauskopplungen – die weiterhin bestechen. Es sind sowohl die energiereichen Beats, als auch ihr unbestechlicher Gesang, der präzise in eine Richtung hämmert. Der Spaß, der in Møs Gesang zu hören ist, während sie ihre Hüfte schwingt und ihre Hände in die Höhe wirft bei “I’m on my own and I’m crazy for you / Got the creeps by the way your body moves / I don’t wanna dance with nobody.” Es ist stets die Kombination ihres Teenie-aus-Amerika-Styles und ihren Lyrics, die nicht ganz von dem noch immer jugendlichen Charme der 25-jährigen wegführen. Gleichzeitig hat es etwas derbes, wenn es in Richtung HipHop geht: “What you want is slowly losing one love / You say you don’t know you were gonna / Break my heart on the winter night.” Nachdem sie in “Dust is Gone” noch mal ihr Imitat von Lana Del Rey vorweist, ist “Walk This Way” eine Reise zurück in die Achtziger. Und gerade der letzte Track “Glass” spricht für ihr Album, denn der Text ist es, der mehr als gut zu dem Eindruck passt, der von ihr hängen bleibt: “Oh why do everyone have to grow up / I wanna be a free, I wanna be a free.

“No Mythologies To Follow” ist von einer kleinen trotzigen Göre, die sich nicht aufhalten lässt, ihre Musik unter die Leute zu bringen. Mø lässt aber durchscheinen, dass es ihr Typ ist, den sie uns da auf die Nase bindet und kein echter kleiner Teenie mehr. Ihr Gesang ist dabei gut verpackt in den Sounds der elektronischen Maschinen. Es scheint ihr egal zu sein, was die anderen denken, sie sagt einfach, was sie zu sagen hat. Und das macht sie vielleicht so cool – auch wenn man das Wort vielleicht schon gar nicht mehr benutzen darf. Gerade diese “Es ist mir egal, was ihr von mir denkt”-Haltung ist es doch immernoch, die manche Leute lässig wirken lässt. Da sie auf dem Album auch Können beweist, steht ihr diese Haltung wohl auch zu.


Label: 
RCA
VÖ: 
21.03.2014
Herkunft: 
Odense (Dänemark)