Love A - Nichts ist neu

Rezensiert von Leonie Wiethaup

"Aber es ändert sich so gar nichts und es macht alles keinen Sinn" – spielend leicht könnte man der Love Academy bei manchen Zeilen aus "Nichts ist leicht" Resignation vorwerfen. Aufgeben als letzte Option, wenn sich doch die Dummheit in der Gesellschaft immer breiter macht. Der Titel ihres inzwischen vierten Albums "Nichts ist neu" bezieht sich allerdings nicht nur auf das Schlechte, Kopfschmerzbereitende in der Welt, sondern vor allem auch auf den Widerstand, der sich trotz allem weiterhin erhebt.

"Wir haben gesagt, dass es uns traurig macht, haben gesagt, dass es uns stört, haben gesagt, so kann's nicht weitergehen – niemand hat auf uns gehört" heißt es bei "War klar". Und ja, so ist es nun. Es war vorhersehbar, doch niemand sah sich in der Verantwortung, etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen. Jetzt muss man irgendwie damit leben – zumindest so lange, bis die Vernunft wieder Einzug erhält.

Tiefe Abgründe machen "Nichts ist neu" aus. Politische, wie auch gesellschaftliche. "Nachbarn II" dient damit nicht nur als Fortsetzung von "Nachbarn" vom Debütalbum "Eigentlich", sondern gleichwohl als Darstellung von sich missverstandenen Menschen. 2011 hat Jörkk Mechenbier noch albern über seine Nachbarn gelästert, jetzt lässt er sie sich in seinen Liedern umbringen. Glückseligkeit und Harmonie sind inzwischen einfach fehl am Platz.

Love A regen zum Nachdenken an. Was ist schiefgelaufen? Woran mangelt es in der Gesellschaft? Was kann man als Einzelner tun? Kann man überhaupt etwas tun? Die typischen Wortspiele bleiben da freilich nicht aus: "Plattensammler-Rotweinfan. Jutebeutel-Burnout-Boy. Junkie-Psycho-Kuschelzeit. Mädchenurlaub, Einsamkeit. Drogengirl mit Exfreund-Hass. Tinder-Sex und Bindungsangst. Alles kann gemeinsam existieren" ("Sonderling"). Gegensätze existieren nebeneinander – manchmal auch, ohne dass man es gleich realisiert. Wo Taten sind, ist demnach auch Widerstand. Love A sind sich dessen bewusst und haben dem Ganzen nun einen Soundtrack verpasst. Aus Punk, Post-Punk, Wave, ganz viel Hall und Ohrwürmern. Chapeau!


Label: 
Rookie Records
VÖ: 
12.05.17
Herkunft: 
Trier, Deutschland