Lou Barlow – Brace The Wave

Rezensiert von Ann-Kristin Zoike

Gerade einmal sechs Tage brauchte es, dann war das Album “Brace The Wave” von Lou Barlow aufgenommen. Es ist das dritte Soloalbum des amerikanischen Musikers, den man aus Indie-Rockbands wie Dinosaur Jr. oder Sebadoh kennt. Seit 30 Jahren treibt sich Barlow schon in der Indie-Szene herum und nun scheint er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt zu sein. Er ist nicht nur nach 17 Jahren Los Angeles zurück in seine Heimat Massachusetts gezogen, auch musikalisch hat er sich auf das Wesentliche reduziert.
Entstanden ist dadurch ein Album mit akustischem Klang und eingängigen Melodien, ohne Schlagzeug und ohne hochwertige Soundtechnik. Stattdessen überzeugt Barlow mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit, mit der er über den Neuanfang und das Weitermachen nach seiner gescheiterten Ehe singt. “Brace The Wave” handelt jedoch nicht von den frischen Wunden und Gefühlen nach der Trennung, sondern reflektiert die Geschehnisse mit einer gewissen Distanz. Barlow erzählt von der Schuld und der Verantwortung für eine Trennung, wie das vermeintlich Falsche doch das Richtige ist und dass man eine schwere Veränderung überleben kann.

In dem ersten Song “Redeemed” ist von dieser Dramatik allerdings nichts zu merken. Im Gegenteil – der Song bekommt durch die einprägsame Tonfolge der Akustikgitarre einen gewissen Drive und klingt hoffnungsvoll. Barlow singt davon, dass es in Ordnung ist Fehler zu machen und dass es heilend sein kann, wenn man diese zugibt. Der Sänger ist ein Geschichtenerzähler und man kann sich förmlich vorstellen, wie Barlow in seinem kleinen Aufnahmestudio musiziert und für sich und die Welt singt. Durch den charakteristischen Lo-Fi Sound wirkt Barlow sehr nah und so, als ob man selbst neben ihm sitzt und seinem Spiel und den Erzählungen lauscht.

Auch der vierte Song “Pulse” ist sehr minimalistisch gehalten und erzeugt eine gewisse Intimität. Im Gegensatz zu den vorangegangenen drei Songs ist “Pulse” ruhiger und handelt davon Niederlagen zu akzeptieren und sie gleichzeitig auch als Chance für einen Neuanfang zu sehen. Barlow singt mit seiner tiefen, warmen Stimme “It’s a good thing to be brought to my knees / Finally i’ll be forced to ask for help” und variiert dabei den Anschlag der Gitarre – mal energischer, mal sanfter – um dem Gesagten den nötigen Nachdruck zu verleihen.
Der anschließende Song “Wave”, der auch als Titelsong dient, bringt mit seiner fröhlichen Melodie die leichte und entspannte Atmosphäre vom Anfang zurück. Dennoch thematisiert Barlow mit einer Ernsthaftigkeit die Suche nach Nähe und Intimität in einer Beziehung und wie belastend dies sein kann. Spätestens bei der Zeile I leave you alone but don’t go, wird die Ambivalenz zwischen Bleiben und Loslassen deutlich.
Mit dem letzten Song “Repeat” verabschiedet sich Barlow nach und nach und lässt den Hörer wieder zurück in die Realität gleiten.

Das Album “Brace The Wave” von Lou Barlow bietet eine schöne Abwechslung zwischen ruhigen und schnellen Songs für Singer/Songwriter-Liebhaber. Musikalisch sind die Songs nicht sonderlich komplex oder innovativ, aber das braucht dieses Album auch nicht. “Brave The Wave“ lebt von dem akustischen Sound und den leisen Melodien, mit denen Barlow authentisch seine Gefühle zeigt. Immer wieder fühlt man sich ans Lagerfeuer versetzt, wo man den Geschichten der anderen zuhört und mit einem warmen Gefühl im Innern zurückgelassen wird – bei diesem Album gilt: Zurücklehnen, lauschen und genießen.


Label: 
Domino
VÖ: 
04.09.2015
Herkunft: 
Greenfield, Massachusetts (USA)