LNZNDRF - LNZNDRF

Rezensiert von Sophia Kisfeld

LNZNDRF hilft, sich in andere Sphären zu begeben! Erstmal ist der Name dieser elektronischen Rockband vielleicht kein Begriff, gespalten in seine Bestandteile empfindet man den Namen jedoch vielleicht als gelungen: Bryan und Scott Devendorf von The National haben sich mit Ben Lanz von Beirut zusammengetan und eine neue Supergroup ist entstanden. Ihr gleichnamiges Album lässt den Hörer abheben und träumen .

Bryan und Scott Devendorf spielen Schlagzeug und Bass bei The National. Ben Lanz der eigentlich Posaunist und Glockenspieler bei Beirut ist, hat schon an den The National-Alben “High Violet” und “Trouble Will Find Me” mitgearbeitet. Und aus dieser bisherigen Zusammenarbeit hat sich nun LNZNDRF entwickelt. Der Unterschied zu den Hauptprojekten: so viele Rockelemente es besitzt, so sphärisch-elektronisch klingt es auch. Gesangsparts sind nicht die Regel und klingen zudem eher verzerrt oder treten klanglich in den Hintergrund.

Direkt der rein instrumentale Einstiegssong “Future You” macht deutlich, dass es ein Experiment mit harmonischem Klang ist, der erst von Synthi-Klängen aufgerissen und dann vom Schlagzeug getrieben wird. Der sieben minütige Song ist ein Sinnbild für den Live-Musiker und lässt vielleicht die Erfahrung von Lanz und den Devendorfs verschmelzen. Denn sie alle haben jahrelang auf der Bühne gestanden und in den Live-Sets auch einfach die Instrumente sprechen lassen – und das wird wahrnehmbar bei “Future You”. Gesanglich gibt es auf diesem Album zwei Gegenüberstellungen: Der Titel “Beneath The Black Sea” verrät vielleicht, dass hier The National im Blut liegt, denn es ist die zurückgedrängte Art zu singen, das Gefühl von Tiefe, das spürbar wird. Dem gegenüber steht der Titel “Kind Things”, der keine Überschneidung zu den anderen Band-Projekten zeigt. Er schwebt gesanglich und atmosphärisch auf einer höheren Ebene, etwas schriller vielleicht und harmonisch gebunden an die musikalische Substanz, die die Gitarren liefern. Dieser Gesang taucht so ähnlich auch bei “Mt Storm” auf. Hier klingt er jedoch verzerrt und versteckt sich ein wenig hinter der Klangdecke, gibt dem musikalischen Material seinen Raum. Bei “Monument” verschmelzen diese beiden Gesangsstile. Verzerrt, nach hinten gedrängt und in harmonischer Verbindung mit der Gitarre wirkt der Gesang wie aus einer anderen Sphäre.

Es ist jedoch nicht nur der Gesang, der dieses Gefühl schafft. Es ist auch die Verbindung von Synthesizern und den handgemachten Klängen von Schlagzeug und Gitarre. Denn während “Future You” klanglich handgemacht und der längste Song des Albums ist, ist der kürzeste Song des Albums “Stars And Time”, ein elektronisches Synthie-Experiment, das zu “Monument” überleitet. Denn “Monument” ist nicht nur eine gesangstechnische Verschmelzung sondern auch eine Synthese aus klassischem Rock und sphärischen Synthies.

“LNZNDRF” ist ein Album, zu dem man sich vielleicht eher zurückzieht, für das man sich Zeit nimmt, weil man abheben möchte aus dem Hier und Jetzt. Vielleicht ist es jedoch auch ein Album, zu dem man vor der Bühne stehen möchte, um die sphärischen Sounds mit den passenden Lichtern wahrnehmen zu können, sich durch den Raum gleiten zu lassen. Auf jeden Fall hebt man ab und kann sich treiben lassen – und das zeichnet das Album am meisten aus. Das Album wurde in einer Kirche in Cincinnati aufgenommen. Hört man sich das Album an, stellt sich diese räumliche Atmosphäre der Kirche vor und hat das Cover vor Augen, dann kann man sich gleiten lassen – in eine andere Sphäre.
Ob es namentlich jedoch mit The National oder Beirut in Verbindung gebracht wird, ist kein vorrangiger Aspekt für die Qualität dieses Albums.


Label: 
4 AD
VÖ: 
19.02.2016
Herkunft: 
New York, NY (USA)