The Legendary Tigerman – True

Rezensiert von Ann-Kristin Zoike

The Legendary Tigerman – hinter diesem recht kreativen Namen steckt der portugiesische Multiinstrumentalist Paulo Furtado. Der Künstler begann seine musikalische Karriere bereits in den 80er Jahren als Mitglied von Bands wie Tédio Boys und WrayGunn. 2002 startete Furtado dann die One-Man-Band “The Legendary Tigerman” in Tradition des Mississippi Deltas, bei dem Blues-Musiker allein sangen, spielten und Rhythmen in den Tanzhallen des tiefen Südens improvisierten. Vor allem in seiner Heimat Portugal hat das Multitalent eine große Fangemeinde, aber auch in Frankreich gewinnt Furtado immer mehr an Popularität. Zuletzt vertonte sein Song “Light Me Up Twice” einen Werbespot für den französischen Kosmetikkonzern L´Oreal.

Im Frühjahr 2014 veröffentlichte der Musiker sein bereits sechstes Album mit dem Titel “True” in Portugal, was daraufhin direkt auf Platz Eins der Albumcharts gelangte. In Deutschland wurde zunächst die EP “Do Come Home” vorgeschickt, bis am 22. Mai das volle Album veröffentlicht wurde. Zu finden ist eine gelungene Mischung aus Rock´n´Roll und Blues, die gleichzeitig mit Retrosound und moderner Elektronik überzeugt. Furtado verarbeitet hierbei die Rückschläge und Herausforderungen, die einem das Leben bereit hält.
Zu Beginn des Albums wird man mit dem Song “Do Come Home” sofort mit einem Trennungsschmerz konfrontiert. Die Grundstimmung des Songs ist ruhig und der Sänger setzt mit sanfter Stimme ein. I say please, please do, do come home to me. Mit dieser Bitte wird auch der Hörer dazu eingeladen anzukommen, zur Ruhe zu kommen und sich dem Album zu widmen.
Die Ruhe des ersten Songs bleibt allerdings nicht lange bestehen, denn der zweite Song “Gone” ist um einiges energischer und schneller. Der verzerrte Gesang, die rotzige Gitarre und die Einspieler des Saxophons stehen ganz im Sinne des Rock´n´Rolls und bilden den gewissen Groove des Albums. Dieser wird auch in den folgenden Songs “Storm Over Paradise” und “Wild Beast” weitergeführt, wobei hier der Gesang fast geflüstert wird, sodass eine mystische Stimmung erzeugt wird. In “Wild Beast” erklingt dazu ein Streicherbett und Furtado singt I´m just a wild beast with a broken heart, womit er den Liebeswahnsinn des Lebens beschreibt. Die Songs “Twenty Flight Rock”, “Dance Craze”, “Green Onions” und “21st Century Rock´n´Roll” schließen sich dem vorherigen Groove an und verbinden altbewährtes aus Rock´n´Roll mit modernen Synthie-Klängen.

Zum Ende hin wird das Album noch einmal ruhiger. Der Song “Love Ride” ist gemächlich und träumerisch, sodass man mit Furtado auf diese “Liebesfahrt” gehen kann. Dabei wird der Gesang von einer ruhigen Gitarre und einem zarten Streicherklang unterstützt. Auch die Songs “My Heart, Safe At Home”, “Rainy Nights” und “I´m On The Run” folgen dieser entspannten Atmosphäre. Der Song “Is My Body Dead” beendet das Album. Er beginnt mit einem undefinierbaren Hintergrundgeräusch, das den ganzen Song über bestehen bleibt. Nach und nach setzten Bass, elektronischer Beat und Flüstergesang ein. Furtado zieht den Hörer noch einmal in seine geheimnisvolle Welt; Sometimes it feels like my body is dead / But my soul is on fire. Diese Zeilen werden immer wieder wiederholt. Zum Schluss reden einige Leute in Portugiesisch durcheinander und der Song wird nach und nach ausgeblendet bis nur noch Stille da ist.
Das Album “True” von The Legendary Tigerman ist eine überzeugende Mischung aus ruhigen, groovigen aber auch geheimnisvollen Songs. Zwar mögen sich einige Songs ähneln, dennoch bietet das Album eine 45-minütige Unterhaltung, bei der man sich in die 50er und 60er Jahre zurückversetzt fühlt und früher oder später mit dem Fuß mitwackeln muss.


Label: 
India Records
VÖ: 
22.05.2015
Herkunft: 
Lissabon, Portugal