The Last Shadow Puppets – Everything You’ve Come To Expect

Rezensiert von Ann-Kristin Zoike

The Last Shadow Puppets sind wieder zurück! Das Nebenprojekt von Alex Turner und Miles Kane hat nach acht Jahren Pause sein neues Album mit dem Namen “Everything You´ve Come To Expect” veröffentlicht. Turner ist als Sänger der Arctic Monkeys bekannt geworden und Kane spielte mit The Rascals bevor er eine Solokarriere startete. Jetzt erscheint ihr zweites gemeinsames Album – aber was kann man nach acht Jahren von diesem Gespann erwarten? Immerhin sind sie keine 22 Jahre mehr und wohnen inzwischen beide in Los Angeles. 

Einige Dinge sind beim Nachfolge-Album trotzdem gleich geblieben: Fast alle Songs haben Turner und Kane zusammen geschrieben. Produzent ist immer noch James Ford und auch der kanadische Pop-Geiger Owen Pallett ist als Arrangeur der Streicherparts mit von der Partie. Dennoch hat sich der Klang der britischen Band verändert. Während das Debütalbum “The Age Of The Understatement” noch stark an die 60er Jahre erinnerte, ist das jetzige Album von einem breiteren Spektrum an Einflüssen geprägt. The Last Shadow Puppets haben sich hier von The Style Council, Dr. Hook, Sparks bis hinzu Isaac Hayes inspirieren lassen und so eine aktuelle Version des 70er Jahre Rockpops geschaffen. 

Eröffnet wird das Album mit dem Track “Aviation”. Schräger Orchesterklang, fast schon wie aus einem Horrorfilm, schafft Raum für den Song. Eine gewisse Spannung, vielleicht kann man es auch Tragik nennen, macht sich in der Luft breit und wird über die ganze Länge des Songs erhalten. Diese Stimmung wird vom Klang der Streicher unterstützt, auf den sich Turner mit seiner wiedererkennungswerten Stimme setzt. Es ist ein treibender und sehr eingängiger Song, der Lust auf mehr macht.
Beim zweiten Song “Miracle Aligner” ist Stimmungswechsel angesagt. Die angespannte Atmosphäre des vorherigen Songs weicht einer im Klang wesentlich leichteren und positiveren Stimmung. So plätschert der Song mit teils flirrenden Streichern vor sich hin. Auch der darauffolgende Song “Dracula Teeth” schließt sich diesem leichtfüßigen Rockpop an. Dann folgt der namensgebende Titel “Everything You´ve Come To Expect”, den Turner und Kane selbst als ihren gelungensten Song bezeichnen. Anders als man es erwarten würde, ist es ein ruhiger, schon fast träumerischer Track. Immer wieder erklingen Einspieler der Streicher, die einen gewissen Kitsch in sich tragen. Aber gerade dieses Element gibt dem Hörer die nötige Ruhe, um sich fallen zu lassen und zu entspannen. 

Der sechste Song mit dem Titel “Bad Habbits” sticht aus dem sonst eher harmonischen Album deutlich hervor. Hier haben The Last Shadow Pupputs ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Ausrufe im Gesang, schriller und chromatischer Geigenklang schaffen die nötige Grundlage für Zeilen wie “Should’ve known, little girl that you’d do me wrong /Should’ve known by the way you were showing off“. So entsteht ein sehr treibender Song, der das Ärgernis über die “Bad Habbits” voll zum Ausdruck bringt.
Nach der sehnsuchtsvollen Ballade “The Dream Synopsis” endet das Album mit dem Song “The Bourne Identity” wieder in einem hoffnungsvolleren und leichteren Klang. Recht poppig singt Turner über die Scheinidentität, die einem so manchmal das Leben schwer machen kann bzw. darüber, wie man sich oft selbst im Weg steht. Wie diese Situation endet? Turner lässt es offen und verabschiedet sich mit den Zeilen “Glass-bottomed ego/ I’m still afloat but can’t you see the cracks appearing in the base?“, während die Musik langsamer wird und zuletzt nur noch ein offener Streicherklang steht.

Das Album “Everything You´ve Come To Expect” von The Last Shadow Puppets mag nicht das sein, was man von Alex Turner und Miles Kane erwartet hat – aber es ist ein in sich stimmiges und tolles Album mit sowohl rockigen als auch ruhigen Songs. Vor allem Owen Pallet hat mit seinen Streicher-Arrangements, die den Songs den letzten Schliff verleihen, volle Arbeit geleistet. Das Album überzeugt mit seinem offenen und oft rhythmusgetriebenen Klang derart, dass man es nicht nur einmal hören möchte. Umso besser, denn so kann die Wartezeit bis zum dritten Album, was übrigens schon fertig sein soll, ohne Probleme überbrückt werden.


Label: 
Domino
VÖ: 
01.04.2016
Herkunft: 
Sheffield / Birkenhead, England