The Killers - Don't Waste Your Wishes

Rezensiert von Manon Hütter

Es begab sich zu einer Zeit, als die Killers alle Jahre wieder den frommen Wunsch verspürten, dem Ruf des Erzengels Bono nachzukommen und zu Charity-Zwecken eine Weihnachtssingle zu veröffentlichen. 2006 angefangen hatten sie dieses Jahr dann genug Songs, um das Ganze auf einem Weihnachtsalbum zu vereinen. Ach scheiße noch eins! Muss das? "Eigentlich nicht", lautet die ehrliche Antwort. Aber im Fall der Killers halt dann irgendwie doch.

Denn: Es bietet eine Lösung dafür, sich nicht zum 1000 Mal an Mariah Careys erfolgreichen Jahre zurückbesinnen zu müssen, während man zähneknirschend am Weihnachtsbaum der Eltern hockt und überlegt, wie schnell sich der wohl mit einer Axt zerhacken ließe. Oder nach den ersten zwei Takten von "Last Christmas" anzufangen darüber nachzugrübeln, ob die Tischplatte nicht ganz eventuell doch hoch genug für erfolgreichen Suizid ist. Und eigentlich genießt das Album schon dadurch Legitimation, dass alle Einnahmen an Bonos Organisation RED gehen, die sich unter anderem für Aids-Patienten einsetzt.

2006 fing mit "A Great Big Sled" und Toni Halliday im Feature alles an - eine fast schon klassische Killers-Pop-Hymne, wären da nicht diese Glöckchen. Für die visuelle Interpretation der Songs wühlen Brandon Flowers & Co deswegen jedes Jahr pflichtbewusst in ihrem anscheinend schier endlosen Sortiment an Weihnachtspullis, von deren Existenz man als Weihnachts-Normalo noch nicht mal wusste.

Eigentliches Highlight (sowohl in den Videos, als auch als Sample-Feature auf den Tracks) ist - neben Drummer Ronnies Pokerface – aber Tourmanager Ryan Pardey, der den abgewrackten, dementen Santa gibt, welcher angefangen auf der Up-Tempo- Nummer "Don't Shoot Me Santa" durch gleich drei Tracks hindurch fanatisch Brandon Flowers jagt, bis der es dann im Glam-Rock-meets-Boogie-Epos "Dirts Sledding" von 2015 endlich wieder auf die Nice-List schafft.

Und ja "Don't Waste Your Wishes" ist hinsichtlich der Masse an Glockengeklirre und kitschiger Weihnachtselemente teilweise etwas drüber. Aber damit treffen die Killers halt genau den Kern dessen, was ein Weihnachtsalbum nun mal darstellt. Auf den Zuckerguss noch Streusel, sodass es vor Süße nur so klebt. Ein altes Konzept von dem sich auch die Killers trotz Synthbetten und prägnanten Gitarrenriffs nicht ganz loslösen.
Allerdings backen sie dafür lyriktechnisch auch ein paar Prisen Salz und bittersüße Komik mit ein - und genau das ist der Unterschied zum herkömmlichen Prozedere. Sei das nun eine Abhandlung mit besoffenen Schauspielern ("Christmas In LA") oder ein One-Night Stand in holprigem Spanisch ( "¡Happy Birthday Guadalupe!"). In der Abmischung klingt die Platte dadurch eben mehr nach indie-esquen Killers-Sound als ausgelullter"Christmas All Aound Me"-Leier.

"Joel The Lump Of Coal" erzählt die Story eines kleinen Kohlestücks, welches sich in einen Diamanten verwandelt und entspricht damit wohl noch am ehesten der allgemeinen Auffassung eines herzzerreißenden Weihnachtssongs mit Tränen-Potenzial. Wobei die neueste Edition zur Singlesammlung, ein "I'll Be Home For Christmas"-Cover von Flowers und seiner ehemaligen Grundschullehrerin mit minutenlangem Spoken Word-Intro und Americana-Sound, fast schon wieder zu viel an Harmonie ist. Dann lieber wieder Ryan Parey rausholen und auf die Jagd schicken!

Schlussendlich ist "Don't Waste Your Wishes" aber wohl das einzige Weihnachtsalbum, auf das sich sowohl Traditionalisten, als auch eigentliche Weihnachtssongverweigerer halbwegs einigen können. Quasi der hässliche, aber deswegen irgendwie witzige Weihnachtspulli im Audioformat.


Label: 
Island Records
VÖ: 
18.11.2016
Herkunft: 
Las Vegas, USA