Kendrick Lamar - DAMN.

Rezensiert von Ann-Kristin Zoike

Der junge König des Rap, die Stimme der Armen und anderen, der beste MC unserer Zeit - Kendrick Lamar hat bereits einige Titel. Mit seinem vierten Album "DAMN." kommen weitere dazu. Kendrick Lamar: Der ernsthafte Christ, der Sünder. "DAMN." ist Lamars bisher religiösestes Album und so ist es auch kein Zufall, dass es am Karfreitag veröffentlicht wurde. Das Album ist aber nicht nur ein Bekenntnis zum christlichen Glauben. Es setzt auch nahtlos an Lamars bisheriger Erfolgsgeschichte mit Sonderklassenstatus an.

Die Weichen für seine Karriere wurden bereits gestellt, als er als Achtjähriger am Video-Set von 2Pac & Dr. Dre war. Als Teenager produzierte er Mixtapes und ging 2007 unter dem Namen K-Dot mit The Game auf Tour. 2012 erschien sein Debütalbum "good kid, m.A.A.d. city", auf das Lobeshymnen gesungen und Vergleiche zur gehobenen Literatur gezogen wurden. Vor zwei Jahren dann kamen Lamar mit seinem Album "To Pimp A Butterfly" nicht nur zahlreiche Grammys nach Hause, sondern auch eine Einladung von Barack Obama ins Weiße Haus. Wie kaum ein anderer verbindet Kendrick Lamar Politik mit Pop und auf "DAMN." macht er selbst die Bibel cool. Beim Songwriting bekam er diesmal Unterstützung von keinen geringeren Künstlern als James Blake, BadBadNotGood, Steve Lacy, DJ Dahi, 9th Wonder und The Alchemist. Trotz dieser verschiedenen Einflüsse hält sich "DAMN." minimalistisch, so dass man Kendrick Lamar ganz klar folgen kann, wenn er von Schlüsselereignissen seines Lebens erzählt.

Am Anfang steht "Blood" und Lamar sagt: "So I was taking a walk the other day". Er trifft auf eine blinde Frau, die wohl nach etwas sucht und der er seine Hilfe anbietet. Begleitet wird diese Geschichte von einer Streichermelodie, die die kommende Tragödie nicht erahnen lässt. Anstatt die Hilfe anzunehmen, erschießt die Frau ihn. Schuss - und die Frage, die zu Beginn des Titels gestellt wurde "Is it wickedness?/ Is it weakness?/ You decide/ Are we gonna live or die?" ergibt plötzlich Sinn.

Bosheit oder Schwäche, diese beiden als Gegensatzpaar angelegte Eigenschaften, werden sich noch durch das ganze Album "DAMN." ziehen. So schlägt "DNA" einen wesentlich härteren Ton an und bespricht die Frage, ob alles genetisch vorbestimmt ist, mit einer gewissen Bosheit. Die Schwäche zeigt sich hingegen in "Yah", der von der Fremdbestimmtheit durch Andere handelt. Der entspannte Beat des Songs täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass Lamar zornig über die erzkonservative Gesellschaft in den USA ist, wenn er rappt "I'm not a politician, I'm not 'bout a religion / I'm a Israelite, don't call me Black no mo' / That word is only a color, it ain't facts no mo'". In "Feel" zählt Lamar all die Gründe auf, warum er sich schlecht im Leben fühlt - auch das im Zeichen der Schwäche und hält am Ende fest: "Ain't nobody praying for me".

Dass niemand für ihn betet, spielt auch wieder in der Singleauskopplung "Humble" eine Rolle. Dort ruft er zu Beginn: "Nobody pray for me/ It's been that day for me". Produziert von Mike Will Made It ist der Klang bei diesem Track wieder härter. Gleichzeitig wird man so Zeuge von Lamars technischer Präzision und rhythmischer Klarheit. Beim Finaltrack "Duckworth" (Kendrick Lamars Familienname) zeigt sich außerdem noch mal Lamars Feingefühl für detaillierte Vocal-Arrangements. Wie schon beim ersten Track "Blood" beginnt "Duckworth" mit einem Gospel-Sample. Diesmal stellt es keine Frage, sondern resigniert: "It was always me vs. the world/ Until I find it's me vs. me". Zuletzt schließt sich der Kreis des Albums mit den Zeilen "So I was taking a walk the other day", so als ob man die Chance bekäme, sein gesamtes Leben noch einmal zu leben.

War "To Pimp A Butterfly" noch stark mit Jazz- und Funk-Elementen angereichert, zeigt sich "DAMN." reduzierter. Im Vordergrund stehen eher sanfte und poppige Songs, bei denen sich Stars wie Rihanna ("Loyalty") und Bono von U2 ("XXX") gut einfügen. Dennoch kommen Lamars Betrachtungen über unsere Welt aus Einsamkeit, Gewalt, Liebe, Hoffnung und Glaube umso deutlicher zum Ausdruck. Kendrick Lamar zeigt sich hier aber nicht als Prediger, sondern selbst als Sünder, der noch auf der Suche ist. Musikalisch jedoch ist er lange schon angekommen, wofür "DAMN." nur ein weiterer Beweis ist.


Label: 
Top Dawg Entertainment
VÖ: 
14.04.17
Herkunft: 
Compton, USA