Júníus Meyvant - Floating Harmonies

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Unbeschwerte Harmonie, das hätte auch ein Albumtitel für das Debutalbum von Júníus Meyvant sein können. Eigentlich heißt er Unnar Gísli Sigurmundsson und kommt aus Island. Bereits letztes Jahr hat er unter anderem auf dem Eurosonic Noorderslag bewiesen, wie atmosphärisch schön seine Musik ist und seine EP aus 2015 hat das Warten auf ein Album ein wenig leichter gemacht.

Júníus Meyvants Klang ist leicht, schwebend und verleiht dem Hörer das Gefühl von Unbeschwertheit: Das Leben könnte gar nicht leichter laufen, wenn man auf die schönen Dinge der Welt achtet. Vielleicht kann man es einen kleinen Kontrast nennen, dass die Stimme Sigurmundssons so rau klingt - die Art und Weise, wie er singt, schwebend oder staccato-artig, fängt diesen Kontrast jedoch wieder auf. Júníus Meyvants Melodien und die Stimme bilden eine Einheit.

Überraschenderweise beginnt das Album "Floating Harmonies" mit einem instrumentalen Stück: "Be A Man". Der prächtige an eine kleine Big Band erinnernde Klang der Band ist ab der ersten Sekunde präsent. Bläser, das Schlagzeug, Gitarre. Mehr braucht es fast gar nicht, um Dynamik zu produzieren. Dennoch sehnt man sich nach seiner Stimme, wenn man sie vorher schon kannte. Im zweiten Song des Albums, "Beat Silent Need", wird die Klangvielfalt durch einen soulartigen Sound ergänzt. Der Hörer kommt in Schwung, immer wieder drängen ihn präzise einsetzende Trompeten in Bewegung.

Die ganz leichte Seite, die Woge Júníus Meyvants, ist besonders präsent in Liedern wie "Colour Decay", "Hailslide" und "Gold Laces". Ein besonders schöner Aspekt für Fans, die ihn schon länger kennen, denn die Songs waren bereits auf seiner selbstbetitelten EP vertreten und wurden nun auch in "Floating Harmonies" gekonnt integriert. Und obwohl die Songs durch die Instrumentierung einen so vollen Klang haben, scheinen sie nicht zu wuchtig - denn Júníus Meyvant weiß zum Beispiel die Trompeten im passenden Augenblick in ihrer Wucht zurückzuschrauben oder aufzudrehen.

Von der Wucht des Sounds, über die Woge in die sich der Hörer begibt, erreicht er letztlich auch eine Art klanglicher Reduktion: "Domestic Grace Man", "Signals" oder "Manos" erscheinen in ihrer Schlichtheit wie Watte. Sie betten ein, federn und hinterlassen ein wohliges Gefühl. Doch diese Reduktion schafft auch Raum für ein wenig Wehmut, wie zum Beispiel "Pearl in Sandbox" - doch viel Wehmut ist auf diesem Album nicht zu finden.

Júníus Meyvant erobert die Herzen der träumerischen Indie-Hörer im Flug. "Don't let the whole world break you down" singt Sigurmundsson in "Neon Experience" und die Band unterstreicht seine Aussage im Klang. Genau dieses Motto trägt er durch das Album hindurch. Der Titel "Floating Harmonies" erklärt dazu, was auf dem Album versucht wurde und gelungen ist: Fließende, harmonische Sphären zu schaffen, die sowohl aufleben lassen, als auch entspannen. Gerade durch diese Kombination scheint das Album nahezu unbeschwert.


Label: 
Record Records
VÖ: 
08.07.2016
Herkunft: 
Reykjavík, Island