Hozier - Hozier

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Hozier hat ein Debutalbum geschaffen, das im Kopf bleibt. Seit Monaten gibt es unzählige Videos auf Youtube, Lieder auf Spotify und die Singleauskopplung “Take Me To Church” im Radio. Die verschiedenen Lieder haben all zu lang die Vorfreude geschaffen, die jetzt durch den Soul von Andrew Hozier-Byrnes Debutalbum erfüllt wird. Auf Hoziers selbstbetiteltem Album befinden sich 13 Songs, voll von Soul und Blues. Manche, die dem Blues gerecht werden und Probleme beklagen, andere wiederum, die den Hörer einnehmen und in Bewegung bringen. Nach wenigem Hören ertappt man sich selbst dabei, die Lieder in der Fußgängerzone, auf dem Fahrrad oder im Supermarkt zu singen – und das, ohne sie zu hören. Sie bleiben im Kopf.

Andrew Hozier-Byrne (geb.1990), bekannt als Hozier, ist ein irischer Sänger, der mit einem Bluessänger zum Vater aufgewachsen ist. Und das hört man in jedem seiner Lieder. Er hat keine Scheu, die Tiefe des Blues mit kritischen Inhalten zu verbinden und diese durch Videos auf eine sogar politische Ebene anzuheben. So geschah es zum Beispiel mit “Take Me To Church”. Die erste Singleauskopplung kritisiert grundsätzlich die Einschränkung des Menschen durch (religiöse) Institutionen, die verhindern, dass sich der Mensch natürlich und intuitiv entwickeln kann. Das Video wurde nämlich vor dem Hintergrund von Putins Kritik gegenüber Homosexualität produziert.

Neben diesen Themen besingt er jedoch auch Einsamkeit, Lust, Begehren und Liebe und verbindet diese Gefühle gelungen mit den schweren Bluesrhythmen und Gitarrenriffs. “Angel of Small Death & the Codeine Scene” ist ein Lied, das Lust und Begehren schon durch die Art, wie er den Hörer umsingt, überträgt. Es ist der tiefe Bass des Liedes, der den Inhalt in den Hörer trägt. Durch und durch Soul und Blues. Leichter beschwingt bewegen die Töne von “Jackie & Wilson” oder “Someone New”, in dem er mit einer Leichtigkeit die Tatsache besingt, jeden, der als ein bisschen “strange” angesehen wird, genau aus diesem Grund zu mögen.

Ein Lied, das besonders heraussticht, ist dann “To Be Alone”. Das Gitarrenriff, das deutlich zu Beginn zu hören ist, das Schlagzeug, das mit Hoziers Stimme einsetzt, die Dramatik, die in der Zeile you don’t know what hell you put me through liegt und dann der klare Einsatz des Refrains: It feels good, girl, it feels good / to be alone with you, der auf dem Gitarrensound liegen bleibt. Durchdringend. Demgleich erscheint auch “Sedated”. Im Hintergrund hämmert unmerklich das Klavier, dann die Tiefe die mit der Bridge einsetzt und der chorgleiche Klang der Stimmen, die Hozier in seiner Präsenz unterstützen. Doch es besteht auch die Sanftmut, die zur Mitte des Liedes die Weichheit Hoziers zurückbringt. Diese Weichheit besteht auch in dem Lied “Like Real People Do”, das durch seine instrumentale Schlichtheit besteht. Das alles ist Hozier in seinem Gefilde des Soul und Blues.

Das Album ist ein Erlebnis. Es ist durchdacht, von der Textzeile zur darunterliegenden Stimmung. Es sind nicht nur die Textzeilen oder Refrains, die hängen bleiben. Oft sind es die Melodien, die Ohrwürmer bereiten. Es bringt für viele Stimmungen den passenden Klang. Leicht beschwingt wirken “Someone New” und “From Eden”. Eher getragene Lieder, die jedoch nicht im Wehmut schwimmen sind das Duett “In A Week” mit Karen Cowley – eine wunderschöne Kombination von Stimmen und Gesangsparts – oder “Like Real People Do”. Impulsiv schlagen die Töne von “To Be Alone” oder “Sedated”. “It will come back” wirbelt noch Mal den Schmutz auf, bevor Hozier uns beinahe romantisch verlässt. Wer Hozier schon durchs Internet verfolgt hat, wird “Arsonist’s Lullabye” vermissen, welches es leider nur auf der Deluxe Version gibt. Hozier durchdringt mit seiner Musik und bleibt im Kopf hängen, mit jedem einzelnen seiner Lieder.


Label: 
Universal
VÖ: 
03.10.2014
Herkunft: 
Bray, Irland