Gurr - In My Head

Rezensiert von Leonie Wiethaup

Aus ihren Lügen Konsequenzen ziehen, das haben Gurr gemacht. Kurz nachdem sich Laura Lee Jenkins und Andreya Casablanca in der Uni kennengelernt hatten und durch dieselben Vorlieben in Sachen Musik, Literatur und Filme Freundinnen wurden, sind sie auch schon zusammen durch Großbritannien gereist - und dort haben sie jedem erzählt, sie würden in einer Band spielen. Zurück in der Heimat schien es für die beiden jungen Frauen dann ganz logisch, sich einen Proberaum zu mieten und diese Band, von der nun schon so viele Menschen wussten, auch in die Realität zu holen. Das war 2012.

Nun, vier Jahre später, haben sie nicht nur bereits auf dem Reeperbahn Festival gespielt oder mit den 90er-/00er-Emo-Helden Jimmy Eat World auf einer Bühne gestanden, sie haben obendrein noch ihr Debütalbum in der Hinterhand: "In My Head". Elf Songs, mal deutsch, mal englisch, aber jeder (ganz klassisch) mit seiner eigenen Geschichte.

Gurr singen und kreischen von Unsicherheiten, die das Leben mitbestimmen. Von betrunkenen Menschen in Bars, die in ihrer eigenen Welt leben. Neben eigenen Erfahrungen und Beobachtungen nehmen aber auch immer noch die Filme eine entscheidende Rolle in der großen Quelle der Inspiration ein. Allen voran: "Song For Mildred", den es ohne den Film "Three Women" wohl nicht gegeben hätte. Ebenso haben aber auch die facettenreichen Gesichter der Berliner Mitbürger das Album geprägt

Wahrscheinlich als eine der letzten DIY-Bands haben Gurr "In My Head" im Berliner Funkhaus aufgenommen. Doch nicht nur deswegen wird das Album wohl für lange Zeit im Gedächtnis der Hörerschaft bleiben. "In My Head" klingt wie eine Reise in die 90er. Garage-Rock/-Pop mit unzähligen Upbeat-Momenten - und vor allem Charakter. Laura Lee Jenkins und Andreya Casablanca haben ihr Werk analog aufgenommen und dabei ganz auf die Korrektur-Nachbereitung verzichtet. Fehler wurden nicht ausgemerzt, sie wurden Teil des Albums. Ebenso wie die kratzigen Gitarren und die unperfekten Stimmen der beiden Damen. Ehrlicher, authentischer und, ja, interessanter hätte es somit kaum werden können.

Von klein auf bekommt man von den Eltern eingetrichtert, man solle keine Lügen erzählen. Doch niemand ist perfekt - gute Erziehung hin oder her. Also kann man es auch Gurr nicht für ihre Flunkereien in Großbritannien verurteilen. Vielmehr muss man ihnen wohl dafür danken. Denn ohne diese wäre die Band wahrscheinlich gar nicht erst entstanden.


Label: 
Duchess Box Records / Redeye
VÖ: 
14.10.2016
Herkunft: 
Berlin, Deutschland