Die Antwoord - Mount Ninji and Da Nice Time Kid

Rezensiert von Manon Hütter

Dass Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen, war ja schon an Albert Einsteins beeindruckender Haarpracht abzulesen und ist somit keine neue Erkenntnis. Dass Die Antwoord musikalisch auch gerne mal eine Prise mehr schnupfen, dürfte ebenso bekannt sein.

Ein Klingeln, nervöses Geflüster und chorale Barockoper-Anleihen - so eröffnet "We Have Candy" die vierte Platte der südafrikanischen Inszenierungs-Akrobaten. Und zugegeben: Diese pseudo-klassischen Elemente irritieren schon leicht - obwohl man ja nach drei Alben Wahnsinn und gezielt eingesetzter brillianter Geschmacklosigkeit eigentlich dachte vorbereitet zu sein. Unwillentlich hatte man Yo-Landi, Ninja und DJ Hi-Tek eben doch eine Suite im überladenen Techno-Flur bei den manischen Ravern reserviert. Ging es nach der Singleauskopplung "Banana Brain", dürften sie da auch ohne Weiteres einziehen - nur deutet der Rest des Albums eher auf Anbau hin.

Insgesamt wirkt das Album nämlich eher wie der Soundtrack zu einem weiteren Harmony Korine Dogmafilm über White-Trash, in dem aus irgendeinem Grund Marley & Marley von den Muppets und Jack Black eine Gastrolle ergattern konnten. Immer noch weirder Shit wie er skurriler nicht sein könnte, jedoch dezent leichter zugänglich als die bisherigen Alben. Was wohl auch an der vermehrten Annäherung zum Trap und an den "minimalistischeren" EDM-Elementen liegt.

"Shit Just Got Real" bedient sich fröhlichen Americanas und kann fast schon als gängiger Hip Hop-Track gesehen werden, "Gucci Coochie" ist dann wieder eine mehrspurige und beatlastige Rave-Orgie inklusive Burlesque-Einlagen von Dita Von Teese, während "Stoopid Rich" und "Fat Faded Fuck Face" sich komplett soulig-modifiziertem Trap verschreiben und als Kollaborationsbewerbung mit Kanye und M.I.A. durchgehen könnten.
Lyriktechnisch bleibt es derweil bei der vulgär-agressiven Fusion aus Afrikaans und Englisch mit hohem Schimpfwortgebrauch.

Da Provokation und Schabernack bei Die Antwoord selbstredent niemand missen will, hat der etwa Sechsjährige Lil Tommy Terror mit "Wings On My Penis" direkt einen ganzen Track für den teils putzig, teils verstörenden Kinderrap eingeräumt bekommen und darf im Spoken-Word-Interlude "U Like Boobies?" auch direkt mal seinen frühpupertären Insult-Wortschatz auf die Probe stellen.
Auf "Rats Rule" gibt sich dann tatsächlich noch besagter Jack Black als Feature die Ehre. Die EDM-Stadionhymne "I Don't Care" gefällt dagegen wahrscheinlich nur Scooter-Ultras, weswegen man dieses geniale Chaos auch einfach nach Track Nr. 14 abbrechen sollte, um sich die wirklich guten Trap-Momente in Erinnerung zu behalten und nicht die Technolawine des Closers.

Fakt ist: Die Antwoord werden sicher niemanden, der es nicht ohnehin schon war, zur Schar ihren Jüngern bekehren. Wer aber schon vorher eifrig zur "Zef"-Messe erschienen ist, erlabt sich nach wie vor glücksseelig am gepunshten Messwein!


Label: 
Zef Recordz / Kobalt Label Services
VÖ: 
16.09.2016
Herkunft: 
Kapstadt, Südafrika