Destroyer - Ken

Rezensiert von Till Steiniger

120 Km/h. keine Lichter, nur die kleine Lampe am Armaturenbrett. Ein kleines Licht in mitten der Dunkelheit. Fernlicht. Man ist allein, kein anderer Mensch weit und breit. Dan Bejar, der Mann hinter Destroyer, hat mit „Ken" einen anderen Weg eingeschlagen als mit seinem 2015 erschienen Album „Poison Session". Es ist dunkel, atmosphärisch, lakonisch und umgeben von einer traurigen Müdigkeit, einer Überdrüssigkeit.

Musikalisch hat man sich eher zurückgehalten, was der Stimmung des Albums zugute kommt: Synthesizer dominieren das gesamte Album und die Beats sind oft elektronisch und kommen über weite Strecken ganz ohne Snare aus, dabei wirken die Kicks wie Herzklopfen. Gitarre, Backvocals oder Saxophone untermalen in einzelnen Passagen die Stimmung, halten sich aber sonst eher zurück. Über allem liegt der monotone lethargische Gesang Dan Bejars, das Herzstück der Musik, der gewiss eine Menge Interpretationsspielraum lässt und eine gewisse Intensität nie übersteigt. So fallen Zeilen in das Klangkonstrukt wie „Good things come to those who wait forever", „Bombe in the city, plays in the sticks" oder „I can't pay for this. All I've got is money". Sich wagen zu behaupten, man könne all diese Textzeilen verstehen und nachvollziehen wäre töricht. Was man allerdings sagen kann ist, dass sie zum nachdenken anregen und Fragen hinterlassen: Wer ist Gewinner und Verlierer? Lohnt es sich Aufzugeben? Was hindert am Loslassen?

Fragen in den Raum, die eine gewisse Leere und Ratlosigkeit hinterlassen. Sei es durch die Musik, durch die Art des Erzählens oder durch das einsetzen verschiedener Instrumente, irgendwie gelingt es Destroyer dennoch elegant der Depression zu entgehen und Schönheit zu schaffen. „Rome" hat beispielsweise eine wunderschön glühende Atmosphäre, groß und frei, die in einem schwebenden Saxophone-Solo mündet und mit einer Aufbruchsstimmung im Bauch endet. Hier gibt der unauffällige Beat die nötige Energie, den Impuls nach vorne und die Backvocals untermalen den Text hell und klar.

Um „Ken" von Destoryer wirklich begreifen zu können, muss man es wahrscheinlich dutzende Male hören. Musikalisch zurückhaltend und klar, textlich stark und metaphorisch, geht das Gesprochene Hand in Hand mit der Musik und kreiert ein strahlendes Gesamtbild. Obwohl es bis zum Ende mehr Fragen aufwirft als klärt, was nun da ist und immer da sein wird, ist, was seit des ersten Hörens des Albums klar war: Ein kleines Licht in mitten der Dunkelheit.


Label: 
Merge Records
VÖ: 
20.10.2017
Herkunft: 
Vancouver, Kanada