The Dead Weather – Dodge And Burn

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Irgendwie hat man das Gefühl, dass wenn Jack White etwas anpackt, es ganz sicher gut wird – und vor allem echter Rock! “Dodge and Burn” ist wieder eine gelungene Mischung aus Alison Mossharts und Jack Whites Stimme, ergänzt durch eine unglaublich gute Band! Es knüpft eher an die Klänge von “Horehound” [2009] an, als an den verzerrten Klang von “Sea of Cowards” aus 2010. Man sollte jedoch nicht die Verpackung außer acht lassen. Schaut man genauer hin, entdeckt man den sechsten Finger von Jack Lawrence auf dem Cover des Albums.

The Dead Weather sind eine vierköpfige Band, bestehend aus Jack White, Alison Mosshart, Jack Lawrence und Dean Fertita. Auch wenn man Jack White schon als überdurchschnittlichen Musiker sieht, hier können seine Bandkollegen mithalten. Alison Mosshart, die junge Frau mit den weichen Gesichtszügen und der starken, wiedererkennbaren rauen Stimme ist auch die Frontfrau der Band The Kills. Jack Lawrence, der Bassist der Band ist ein Mitglied der Band The Raconteurs, genau so wie Jack White. Nummer vier der Runde ist Dean Fertita, Gitarrist, Keyboarder und Pianist, auch bekannt durch Queens of the Stone Age oder den Eagles of Death Metal.

Direkt im Opener des Albums “I Feel Love (Every Million Miles)” schmettert Fertita seine markanten Gitarrenriffs raus. Es ist Rock in seinem reinsten Form. In “Let Me Through” singt Mosshart auf eine präzise, abgehackte Weise. Gitarre und Schlagzeug befördern diese Dramatik und zwängen den Hörer in eine Art Nervenkostüm, während Mosshart singt: “Lovin’ is a wild thing / and if you stand in my way / I’m gonna bully bully baby / bully ‘Til I’m Free“. Es ist gleichzeitig beeindruckend, wie auch verängstigend. Dieses Gefühl wird gesteigert in “Three Dollar Hat”. Das Intro erinnert kurz an “I Cut Like a Buffalo”, verlässt diesen Song dann jedoch wieder und öffnet Sphären, die einen verrückt machen, durch den eben nicht ganz so sauberen Klang. Jack White beginnt den Song wimmernd “I’m that bad man named Jackie Lee / shooting everybody down with a 33“. Nach Whites kurzer Erzählung zwischen den Figuren “Jackie Lee” und “Johnny” gewinnt der Song schockartig an Dynamik. Mosshart löst White ab, bis der Song wieder zurückfällt, in die Lethargie des Anfangs.

Das Gesamtkonzept der Band stimmt, sie produzieren Rock. Doch gleichzeitig auch die leichte Ironie und das Abweichen in schräge Klänge geben “Dodge and Burn” seine Facetten. Zwischendurch wird Mossharts Stimme quietschig, es ensteht ein musikalisches Chaos von Instrumenten und Stimmen oder sie bringt auf eine soulige Art und Weise eine gewisse sexuelle Anziehungskraft mit in den Sound. The Dead Weather klingen nahezu explosiv, jedoch vergessen sie nicht den Spannungsaufbau, der vorweg gehen muss. Sie verfolgen das Ziel des explosiven Klangs, der dem Hörer die Möglichkeit nimmt, still da zu sitzen.
Doch neben diesem beinahe schroffen Sound, schaffen sie es auch sanfte Klänge zu produzieren. Überraschender Weise endet das Album mit einer Ballade. “Impossible Winner” beginnt mit Pianoklängen und Streichern, die das Lied begleiten. Es klingt beinahe ironisch, das Album mit diesem Song zu beenden. Als würde man aus einer Reihe von Gruselgeschichten rausgerissen: “Get me out from in between / everything I’ve ever seen [...] I’ll be here every night / my name up in lights / ‘The impossible winner’“.

Warum Jack Lawrence nun also diesen seltsamen sechsten Finger hat? Wer weiß das schon, es ist das Überraschende, dass sowohl als Cover-Art, als auch musikalisch ums Eck kommt. Klare musikalische Strukturen, mit Ausbrüchen sowohl klanglich, als auch in Anbetracht des Gesangs, kreieren wieder ein grundsolides Rockalbum unter der Hand Jack Whites. Auch wenn die Gleichwertigkeit der Musiker dadurch nicht abnimmt.
Es bringt die gleiche Stärke und den Wiedererkennungswert mit, die auch bei “Horehound” vorzufinden war. Jack White und Alison Mosshart sind von der Stimme und der Stimmung ein ausgezeichnetes Duo und die Band tut dabei ihr übriges, um den Klang zu vervollständigen und explodieren zu lassen.


Label: 
Third Man Records / Warner
VÖ: 
25.09.2015
Herkunft: 
Nashville, Tennessee (USA)