Cold War Kids - LA Divine

Rezensiert von Leonie Wiethaup

Cold War Kids sind zurück – mit einer Ode auf eine Stadt, die eigentlich keine zusätzliche Aufmerksamkeit nötig hätte. "LA Divine" heißt das neue Album, mit dem die Kalifornier dieser Tage der Welt zeigen wollen, warum die Stadt der Engel etwas so Besonderes ist. Was hinter all dem Plastik und der Fassaden steckt. Dass etwas dahintersteckt.

L.A. steht für Vielfalt, Lebensfreude und Hoffnung. Ein Bild, das zwar unlängst bekannt ist, nun aber einen neuen (und weiteren) Soundtrack bekommt. Etwas Neues wird mit den akzentuierten Upbeat-Rhythmen mit einer Mischung aus Indie und Blues auf dem ersten Blick zwar nicht geboten, doch gewähren Cold War Kids bei näherer Beschäftigung mit dem Album einen intimeren Blick auf die Stadt. Auf bevorstehenden Verfall und wie versucht wird, ihn aufzuhalten. Die vielen Ecken, Kanten und unterschiedlichen Meinungen. Und dass die Politik selbstverständlich auch vor dieser Metropole nicht Halt macht.

Drei Mini-Songs haben es unter anderem auf "LA Divine" geschafft und mit "Wilshire Protest" auch einer, der sich gehörig mit dem Thema Trump auseinandersetzt – oder vielmehr mit der Atmosphäre auf einer Demo kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten. Diese Elemente sind es, die die Stadt der Schönen und Reichen auch mal von einer ganz anderen Seite zeigen: Lebendig, mit Seele und Charakter. Schicken Spoken Word gibt es an dieser Stelle obendrauf.

Damit es auf dem neuen Album auch ansonsten nicht zur Langeweile kommt, lebt "LA River" von undeutlichem Gitarrengeschremmel, das man so eher einer Post-Irgendwas-Band zugetraut hätte. Bei "Can We Hang On?" wird zudem nicht vor fleißigem Händeklatschen zurückgeschreckt. Gute-Laune-Musik wie sie im Buche steht und die in "No Reason To Run" ihr Extrem findet.

Cold War Kids präsentieren sich vielfältig wie eh und je – allerdings auch fokussierter als sonst. Die Herren scheinen sich bei ihrem neuen Full Length-Werk intensiv mit der Frage beschäftigt zu haben, wohin sie wollen und wie der Sound sein soll. Die glattere Produktion verstärkt das Bild obendrein. Schlimm ist das freilich nicht, zeigt die Band lediglich in neuem Licht.


Label: 
Capitol
VÖ: 
07.04.17
Herkunft: 
Long Beach, USA