Car Seat Headrest - Teens Of Denial

Rezensiert von Manon Hütter

Bandcamp - was war das noch gleich? Während die Jugend der 2000er durch die rosarote Nostalgiebrille verzückt die Augen verdreht, steht der Rest der Welt mit fragezeichengeprägter Miene daneben und grübelt wie dieses "mindere" Medium je Trend sein konnte. Und während manch einer noch verzweifelt nach Antworten sucht, hat Will Toledo, aka Car Seat Headrest, via ebenjenem Bandcamp bereits elf Alben veröffentlicht - in Eigenregie und mithilfe eines grandiosen virtuellen Backups namens Garage-Band. Irgendwann erbarmte sich dann Matador Records des 23-Jährigen aus Virginia und bot ihm den längst überfälligen Plattenvertrag an.

Nach "Teens Of Style", dem ersten offiziellen Studioalbum (allerdings nur mit Rerecordings alter Tracks), folgt nun also mit "Teens Of Denial" die erste Platte mit neuen Songs. Toledo bleibt sich treu und nimmt in den fast schon willkürlich erscheinenden Lyrics wieder die Rolle des abgewrackten Narrators ein, welcher auf grandiose Normalo-Art über die teils beschissenen Gegebenheiten des Lebens philosophiert - und zwar mit einer solch lässigen Randomness, dass man Courtney Barnett mental schon klatschen hört. Dabei verfolgt die Platte ein loses Konzept und guckt Toledos Alter-Ego Joe über die Schulter, wie er durch das Leben stolpert und sich dabei lauthals über die Polizei, Air Jodans und diese ominöse Liebe mockiert.

Zwar ist Will inzwischen eher Mitzwanziger als Teenager, aber weder im Opener "Fill In The Blank", noch im Rest des Albums will das Motiv der Teenage Angst so wirklich weichen. Lethargie, die Tristesse des Urbanen, des Selbst und des Jung-Seins in einer schnelllebigen Modernen werden für Car Seat Headrest zur Grundlage einer mit Egal-Haltung ausgeführten Trotzreaktion. Im Falle des Openers eine mit preschender E-Gitarre und ratternder Kick-Drum realisierte Flucht aus einer spießigen Gesellschaft voll Vorgartenbeete und Vollkasko. Und ohnehin pfeift Mr Toledo auf ungeschriebene Songwritingkonventionen, haut mit "The Ballad Of The Costa Concordia" einen elfminütigen Koloss raus, zögert nicht davor, den Kapitän des gestrandeten Dampfers als Metapher für die rastlose und unkoordinierte Generation-Y zu benutzen und paraphrasiert ganz nebenbei noch kurz Dido - und all das in einem furiosen Walzer aus riffiger Gitarre und Snare.

Bei "Unforgiving Girl (She's Not An)" wurde das Probenraumgequassel dann direkt mal als In-und Outro mit an der Soundspur gelassen, wodurch die wummernde Chausse auf einem schallenden "Fuck You" endet. Verdammt unprätentiös und nicht minder gut! "Destroyed By Hippie Powers" liefert dagegen einen psychedelischen Drogen-Trip mit slackermäßigen Power-Akkorden und herrlich deplatzierten Kuhglocken-Einspielern und der Siebenminüter "Vincent" ein hypnotisch-monotones Intro, das vor allem durch seinen Aufbau glänzt.
Zu guter Letzt beschert Car Seat Headrest, der auch schon für Songtitel wie "Is This Dust Really From The Titanic?" und "Broken Birds (Rest In Pieces)" verantwortlich war, die Welt mit einem weiteren Ergebnis seiner Kreativität in Sachen Namensgebung: "(Joe Gets Kicked Out Of School For Using) Drugs With Friends (But Says This Isn't A Problem)". Nützliche sowie fragwürdige Lifestyle-Tipps gibt es dort übrigens inklusive.

Drogen, Schule, die Suche nach guten Pornos und die kollektive Machtlosigkeit gegenüber den Wirrungen des Lebens - Coming-Of-Age-Thematiken, paradox vorgetragen mit ironischer Zunge, verzerrten Umbrüchen, unvorhergesehenen Tempowechsel und Power-Hits wie "1937 State Park". Und obwohl bei "Teens Of Denial" die Betonung eher auf Rock, als auf Indie liegt, ist das Album obendrein noch wahnsinnig melodisch.
Die Frage nach dem Grund des Bandcamp-Trends wäre damit also geklärt. Car Seat Headrest making Bandcamp great again!


Label: 
Matador Records
VÖ: 
20.05.2016
Herkunft: 
Virginia, USA