Beirut – No No No

Rezensiert von Steffen Jöne

Beirut, um ihren kreativen Kopf Zach Condon, stehen für osteuropäische Klänge, französische Chansons, mexikanische Mariachi und Einflüsse aus Balkanländern – und das ganze gepaart mit Indie-Pop. So kennt man die Band von ihren früheren Alben “Gulag Orkestar” (2006), “The Flying Club Cup” (2007) und “The Rip Tide” (2011). Die Alben waren bestimmt von kulturellen Eigenschaften verschiedener Länder und deren Musikstile. Auf ihrem neuen Album “No No No” ist die Gruppe jedoch weit von seinen Vorgängern entfernt, auch wenn die neun Lieder noch immer einen eindeutigen Sound kreieren, an dem man Beirut erkennt.

Beiruts fünftes Album ist das bisher leichteste, fröhlichste, doch Melancholie und die Sehnsucht dürfen natürlich trotzdem nicht fehlen. Dennoch ist das Album gespickt mit positiven Stimmungen, welche der Opener “Gibraltar” sofort herausstellt. Unter die rhythmusgebenden Percussions mischt sich sogleich eine weltoffene Klaviermelodie, die von einer solchen Herzlichkeit ist, dass der Hörer nicht auf die Idee kommt, Langeweile zu verspüren.
Der Titelsong “No No No” wirkt, auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, positiv. Das Lied besitzt eine dynamische Stimmung, beginnend mit einer schlichten Anordnung von Instrumenten, wandelt sich das Lied hin zu einer unbekümmerten Harmonie, die von den rasanten Percussions getragen wird. Die freiheraus eingesetzten Flöten und Streicher in dem Titelsong und in “August Holland” lassen, vor allem zum Ende der beiden Lieder, eine Experimentierfreude bei Zach Condon erkennen. Mit seiner sanftmütig und zart wirkenden, aber dabei doch kraftvollen Stimme singt Condon in “No No No”: My heart is waiting, taken in from a star / If we don’t go now, we won’t get very far.

Bei “At Once” bemühen sich Klavier und Bläser um angemessene Tragik, während Condon im bittersüßen Tonfall und sich ständig wiederholend die immer gleichen Worte singt, bis sie sich ganz tief einbrennen: At once / at last / at all. Auf einmal, letztendlich und überhaupt. Dabei bieten besonders solch karge, reduzierte Texte einen Freiraum für Interpretationen, die bespielt werden wollen. Zudem entfaltet sich das Lied nie wirklich komplett, lässt einen trotzdem zufrieden – und aufgrund des Textes – nachdenklich zurück. “As Needed”, als Instrumentalstück, vereint akustische Gitarre und Piano über eine schwermütige Instrumentierung und kann, als fünftes Lied von Neun, als Zwischenspiel gesehen werden.

Das gesamte Album klingt nach einem ruhig ausgeführten Auftrieb. Trotz seinem Zusammenbruch 2013, aufgrund von körperlicher und emotionaler Erschöpfung sowie der Scheidung, klingt Zach Condon mit seiner Gruppe Beirut lebhafter und euphorischer denn je. Condon selbst sagt, dass das Album für ihn zugleich eine Art Neubeginn darstellen würde. Dennoch trägt das Album unverkennbar den Stempel von Beirut. Die Lieder balancieren ständig zwischen großer Sehnsucht, Melancholie, aber auch Zuversicht und freudiger Stimmung. Diese Gegensätze funktionieren mithilfe vielschichtigen Songwritings und feingliedrigen Arrangements. Zwar ist die frühere offenkundige, musikalische Liebe zu bestimmten Orten, wie zum Beispiel bei “Nantes”, “Cherbourg” oder “Santa Fe” gewichen, dies jedoch zugunsten einer allgemeinen Liebe zu vielschichtigen Arrangements.

“No No No” ist ein Mix aus Orchester, Harmoniegesang, südländischem Flair und Pianobaladen, welche zusammen eine Homogenität bilden. Als Hörer des Albums will man daher vielmehr “Yes Yes Yes” schreien, denn es kommt der Ausübung von Eleganz und Gelassenheit gleich, mit der man durchs Leben gehen sollte.


Label: 
4 AD
VÖ: 
11.09.2015
Herkunft: 
Santa Fe, New Mexico (USA)