Andreas Dorau - Die Liebe und der Ärger der Anderen

Rezensiert von Nina Menken

Bereits mit 15 Jahren schrieb Andreas Dorau den NDW-Hit "Fred vom Jupiter", der 1981 sogar in die Charts gelangte. Bis heute mag Dorau dieses Lied nicht sonderlich. Doch der Musik hat er noch lange nicht den Rücken gekehrt, obwohl sie inzwischen nur noch einer der vielen "Einnahmequellen" sei, wie Dorau es selbst in einem Interview mit der Zeit 2015 betitelt. So schrieb er gemeinsam mit Sven Regener ein autobiographisches Buch und arbeitete im Filmgeschäft.

"Die Liebe und der Ärger der Anderen" ist Doraus zehntes Studioalbum. Jetzt, nach mehr als dreißig Jahren im Geschäft, will er endlich damit in die Albumcharts. Mit seinem neuen Werk liefert der gebürtige Hamburger ein Album voll von elektronischen Synthesizerklängen, leichtem Pop bis hin zu Disko-Liedern. Dazu kommt Doraus etwas gewöhnungsbedürftige, infantile Stimme.

Manche Stücke des Albums wurden dabei noch völlig old school auf Kassette aufgenommen, um eine gewisse Retro-Atmosphäre, ein Rauschen im Sound, zu erzeugen. Sowieso hat sich Dorau zweieinhalb Jahre für die Albumaufnahmen Zeit gelassen und ist dafür zwischen verschiedenen Studios hin und her gependelt. Nicht zuletzt, um mit einigen namhaften Künstlern und Produzenten zusammenzuarbeiten, so beispielsweise mit Moses Schneider (Beatsteaks), Carsten Friedrichs von Superpunk oder Françoise Cactus von Stereo Total. Letztere leiht dann auch gleich zwei Songs ihre Stimme. In "Ein trauriger Tag" singt sie gemeinsam mit Dorau über ein Punk-Mädchen, dessen Hund von der Polizei erschossen wurde. Eine Szenerie, die Dorau in Berlin beobachten konnte. Der Hamburger weiß es, wie er Geschichten in seinen Songs erzählen kann, sodass sie beim Hörer Bilder im Kopf auslösen. Nicht selten schwingt da auch ein bisschen Gesellschaftskritik mit.

Musikalisch bedient sich Dorau vor allem der elektronischen Synthesizermusik. Hier und da hört man dann doch mal ein paar melancholische Klänge, erzeugt durch eine Akustikgitarre oder ein Klavier. In "So etwas Ähnliches wie die Liebe", stellt Dorau fest: "Liebe ist wie Wasser, sie fließt überall hin, manchmal auch ohne erkennbaren Sinn". Im Song besingt er einen Mann, der eben "so etwas wie Liebe" erfahren hat. Man stellt sich dabei vor, wie er in Gedanken versunken allein in der Dämmerung durch den Hamburger Kiez läuft und über die Liebe nachdenkt. Melancholie pur.

Sowieso spielt die Liebe ein sehr großes Thema auf Doraus Album. In "Liebe ergibt keinen Sinn" zitiert er die Pet Shop Boys ("Liebe ist wenn man genauer hinguckt, nichts als ein bourgeoises Konstrukt"), nur um in "Liebe kaputt" festzustellen, dass Liebe manchmal eben auseinander bricht wie Zwieback ("Aufs Herz gefallen, Liebe kaputt. Asche zu Asche, Schutt zu Schutt"). Doch unter den zwanzig Songs des Doppelalbums sind eben auch solche Songs vertreten, die man von Dorau kennt: Geschichten aus dem Leben gepackt in lustige Wortkonstrukte. In "Ossi mit Schwan" singt Dorau über eine wahre Begebenheit, wie er in einem Interview erzählt, die sich in Bayern zutrug. Demnach ereignete sich einst eine Prügelei bei der mit einem Schwan auf einen „Ossi" eingeschlagen wurde. Dorau fand die Geschichte so skurril, dass er zusammen mit Carsten Friedrichs von der Liga der gewöhnlichen Gentlemen einen Song daraus bastelte.

Andreas Dorau hat mit seinem Album eine unterhaltsame Indie-Synthie-Platte geschaffen, die sogar stellenweise an die früheren Songs von Kraftwerk, manchmal aber auch an Tocotronic erinnert. Zwar plätschern einige Songs im oftmals ähnlichen Beat ein wenig daher, doch das machen spätestens die lustigen, skurrilen und intelligenten Texte dann wieder wett.


Label: 
Staatsakt
VÖ: 
07.07.17
Herkunft: 
Hamburg, Deutschland