alt-J - Relaxer

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Manchmal ist es Unberechenbarkeit, die spannend ist, denn die Erwartungen sind unten. Genau das Prinzip scheinen auch alt-J zu fahren: Wir zeigen euch durch Singles, wie das neue Album klingen wird, aber jede klingt anders, also wisst ihr nicht, was auf euch zukommt.

alt-J ist eine dreiköpfige Band aus Leeds, die mit ihrem Debütalbum "An Awesome Wave" (2012) einen förmlichen Übereinstieg in der Indie-Szene feierte. Irgendwie schafften sie es vereinzelt mit Singles des zweiten Albums "This Is All Yours" (2014) auch in den Charts zu landen, dennoch sind und bleiben sie ein Stern der Indie-Szene. Ihr neues Album "Relaxer" ist zum Teil eine Weiterführung des vorherigen Sounds, energetischer und kraftvoller als der Vorgänger, noch immer sphärisch und natürlich stark geprägt von der Stimme Joe Newmans. Gleichzeitig reduzierter, da das Album auf nur acht Songs eingeschränkt wurde, zwischen denen sich auch ein Cover des Tracks "House Of The Rising Sun" (The Animals) eingliedert.

Das Album feiert einen gelungenen Einstieg mit "3WW". Der Song steigt ruhig mit einem sehr präzisen, sich wiederholenden Gitarrenriff in ein Intro ein und nimmt den Hörer mit auf eine Reise, die sich mit der Zeile "Oh these three worn words that we whisper" ins Ohr setzt. Dabei ist der Glanz nicht nur der Wechsel von der Stimme des Keyborders Gus Unger-Hamiltons zu Joe Newman, sondern die Gast-Stimme Ellie Rowsells (Wolf Alice), die Joe Newman so unglaublich sanft ergänzt. Sie fangen die Liebes-Sphäre sowohl inhaltlich, als auch klanglich sehr gut ein, denn sie soll individuell werden und das gelingt alt-J in der Regel durch ihren sehr eigenen elektronisch-analogen Klang zweifellos.

"In Cold Blood" ist energisch, schlägt innerhalb des Songs immer weiter nach vorne, nimmt sich wieder zurück, um noch mal anzusteigen. Es sind sich wiederholende Gitarren-Strukturen, Trompeten-Klänge zur Wucht, elektronisches verspieltes Geklimper, das sich immer wieder wiederholt. Joe Newmans Stimme rutscht in den Hintergrund, wenn es zur stärksten Trompeten-Wucht kommt, sodass der Song präzise mit dem Endvers "in cold blood" endet.

Das Cover "House of the Rising Sun" atmet wieder den folkloristischen Sound, der auf dem Vorgänger "This Is All Yours" in kleinen Intermezzos zu finden war. Ohne den Inhalt zu verändern, haben sie ein paar Zeilen angepasst. Neben diesem Cover von The Animals, sind auch die Songs "Last Year" und "Adeline" sehr ruhig, folkloristisch angehaucht. Letzterer jedoch wird noch elektronisch umspielt, empor getragen in afrikanische Sphären. Eben dieser Song ist vermutlich das, was die Fans des ersten Albums gerne wieder (mehr) von alt-J gehabt hätten. Es entwickelt diese theatralische, düstere Ebene, in die sich der Hörer vollständig mitnehmen lassen kann - "Adeline" ist zudem inspiriert von dem Komponisten Hans Zimmer.

Die Energetik von "In Cold Blood" wird in ein absurdes getrieben bei den Songs "Hit Me Like That Snare", durch den Klang der Musik, zusätzlich durch die Art und Weise, wie Joe Newmans Stimme verzehrt wird. Der Song hat etwas Pop-Rock-Artiges der Vergangenheit in sich, das einem um die Ohren geschmettert wird.

Die Songs in sich entwickeln innerhalb ihrer Klang-Sphäre, sei sie folkloristisch, elektronisch-analog, klassisch, jeweils eine eigene Dramatik. Das Album "Relaxer" bietet, obwohl nur acht Songs vorhanden sind, eine Palette dessen, was alt-J in ihrem Klangspektrum aufzuweisen haben. Das ist jedoch auch genau kritisch zu sehen. Das Album und jeder Song für sich sind stark, Fans der vorgänger-Alben finden etwas in dem Spektrum, das ihnen an alt-J gefällt - gleichzeitig ist es nicht unbedingt ein "Relaxer", was alt-J abgelegt haben, es ist ein Auf und Ab der Gefühle.


Label: 
Infectious Records
VÖ: 
02.06.17
Herkunft: 
Leeds, UK