Ist Luisa hier?

Laut einer Studie des Frauennotrufs Münster von 2014 wurden drei von vier der Münsteraner Frauen schon einmal belästigt. Die einfache Frage “Ist Luisa da?” soll in Zukunft die Frauen Münsters aus unangenehmen Party-Situationen befreien.

Die Kampagne „Luisa ist hier“ wurde vom Frauennotruf Münster ins Leben gerufen. Inspiriert wurde das Ganze von einer aus England stammenden Kampagne und soll so funktionieren: Wenn sich eine Frau in einer Bar oder einer Disco bedrängt, belästigt oder unwohl fühlt, kann sie sich an das geschulte Barpersonal wenden. Durch die Frage „Ist Luisa hier?“ muss sie ihre Situation nicht großartig erklären und ihr wird geholfen, indem sie die Bar oder die Disco durch die Hintertür verlassen kann. Natürlich können auch Männer nach „Luisa“ fragen, Hauptzielgruppe der Kampagne bleiben aber Frauen. Bisher nehmen über 40 Clubs und Bars in Münster teil, die über die Internetseite eingesehen werden kann. Auch das ZDF hat mit einem Video im „comic-style“ illustriert, wie das Codewort bedrängten Frauen helfen soll. 

Die Reaktionen auf die Kampagne könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die einen die Aktion für sinnvoll erachten, kritisieren andere, dass dies ein emanipatorischen Rückschritt bedeute: Es wird impliziert, dass Frauen nicht in der Lage seien, sich zu wehren und die Frau die Bar oder die Disco verlassen muss, selten aber der Störenfried.

 

Im Netz gibt es unterschiedliche Reaktionen.

 

Der Frauennotruf äußert sich Radio Q gegenüber dieser Kritik wie folgt: 

„Luisa soll die Hemmschwelle für Frauen sich Hilfe zu holen senken. Es ist nicht für alle Frauen gleich einfach Hilfe einzufordern. Wenn sich Frauen anders aus einer unangenehmen Situation lösen können, hebt die Kampagne Luisa dies nicht auf. Luisa ist eine Möglichkeit unter vielen und ein niedrigschwelliges Angebot für Frauen, die sich Hilfe holen wollen.“

Soweit zur Theorie. Doch wie sieht die Kampagne in der Realität aus?

Bei mehreren Besuchen in der Altstadt in fünf verschiedenen, eigentlich teilnehmenden Bars, wurde lediglich ein Plakat, auf der Toilette der Bar „Das blaue Haus“, gefunden.

10 kontaktierte Einrichtungen meldeten zurück, dass ihre Gäste das Angebot bisher nicht oder kaum (maximal eine Frau pro Einrichtung) nutzen. Dies kann einerseits daran liegen, dass die Kampagne erst seit Ende 2016 läuft, andererseits sehen die Betreiber auch einen Grund darin, dass sexuelle Belästigungen Einzelfälle sind, bzw. auch oft der anwesenden Security gemeldet werden.

Daher hat Radio Q sich in der Altstadt unter der Hauptzielgruppe umgehört: Kennen die Münsteraner Partygängerinnen das Angebot überhaupt und wenn ja: Würden sie es nutzen? 

Etwa die Hälfte der gefragten Frauen kannten die Aktion „Luisa ist hier!“, die die es kannten, haben eine positive Haltung dazu.

In der Altstadt, unter den eigentlichen Betroffenen, findet man also nichts von der im Netz geäußerten Kritik. 

Obwohl das Angebot bisher also nur im absoluten Einzelfall genutzt wird, finden die eigentlich Betroffenen, die Frauen vor und in den Clubs und Bars in Münster, die Aktion sinnvoll. Ob die Aktion auch wirklich bei den Frauen ankommt, darüber lässt sich streiten: In den Bars und Clubs selbst wird wenig Werbung gemacht. Das läuft fast ausschließlich über social Media. Alles in allem fühlen sich die Frauen in Münster durch die Aktion aber sicherer und darin liegt die Hauptintention des Frauennotrufs. Wahrscheinlich auch deshalb kann man bald in sieben weitere Städten in Nordrhein-Westfalen nach Luisa fragen.

 

Text von Lena Zils

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