Coffeeshops bald in Münster?

Cannabis zu kaufen, ganz legal im Laden um die Ecke, das kennt man vielleicht aus den Niederlanden. Es könnte aber sein, dass auch in Münster bald eine Verkaufsstelle für Cannabisprodukte eröffnet wird.

Gestern wurde bei einer Fachtagung im Münsteraner Rathaus genau darüber diskutiert. Anlass dafür war ein Bürgerantrag für ein Cannabis-Modellprojekt. Dieser fordert eine liberalere Drogenpolitik.
 

Wissenschaftliches Modellprojekt

Ob Cannabis bald legal in Münster erworben werden kann, steht in den Sternen. Zunächst geht es erst einmal nur um ein wissenschaftliches Modellprojekt. Man schaut, welche Auswirkung eine Cannabis-Abgabestelle tatsächlich hätte. Daraus will man Schlüsse ziehen, welche Auswirkung eine bundesweite Legalisierung von Cannabis haben könnte. Cannabis gehört zwar zu den schwächeren Drogen, hat aber dennoch Risiken und kann eine Abhängigkeit nach sich ziehen. Der Umstand, dass die Droge verboten ist, stellt auch keinen Idealzustand dar. Der Verkauf wird im Moment nicht kontrolliert. So können Straßenhändler Cannabis mit gefährlichen Substanzen strecken. Mafiöse Strukturen und Verhältnisse sind Nebenwirkungen des Verbots. Außerdem gibt es so auch keinen durchsetzbaren Jugendschutz.
Prof. Volker Arolt, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Münster sagt dazu: "Wer kiffen will, der kifft. Bei Freigabe hätte man aber eine Kontrolle der Substanzen."

 

 

Rechtliche Hürden

Derzeit arbeitet die Stadtverwaltung an einem Antrag, um dieses Modellprojekt umzusetzen. Die zuständige Sozialdezernentin Cornelia Wilkens wies jedoch darauf hin, dass die Genehmigung eines solchen Antrags keine guten Aussichten hätte. Kommunen hätten wenig Spielraum und es sei sehr schwierig, den wissenschaftlichen Nutzen nachzuweisen. Ebenfalls steht die CDU-Fraktion im Stadtrat dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

 

Gesellschaftliche Akzeptanz

Wie akzeptiert ist jedoch Cannabis unter jungen Menschen? Eine Befragung der Europäischen Kommission unter 500 Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren kommt eher zu einem ablehnenden Ergebnis. Gleichzeitig ergab eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), dass unter den 18 bis 25-Jährigen 17,7 Prozent mindestens einmal innerhalb des letzten Jahres Cannabis geraucht haben. 2008 waren es nur 11,6 Prozent. 37,2 Prozent der Befragten hatten nach eigenen Angaben zumindest einmal Cannabis ausprobiert. Die BzgA hatte über 7000 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren befragt.

Statistik: Sollte Cannabis verboten bleiben oder sollte es reguliert, das heißt kontrolliert und legal, verkauft werden? | Statista
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Ideen auch in anderen Städten in NRW

Momentan wird auch in Düsseldorf die Möglichkeit einer Cannabis-Legalisierung diskutiert. Dort hatte sich der Stadtrat für eine Legalisierung ausgeprochen. Derzeit arbeitet der Gesundheitsausschuss an einer Lösung, wie man durch Aufklärung, Prävention und Hilfestellungen ein Alternativangebot jenseits eines Cannabisverbots schaffen kann. Zusammen mit dem Lenkungskreis Suchthilfeplanung, Drogenexperten und der Polizei wird weiterhin ein Antrag für eine Ausnahmegenehmigung für lizensierte Abgabestellen für Cannabisprodukte erarbeitet. Wie derzeit für die meisten Alkoholsorten, soll der Verkauf jedoch auch nur an Menschen ab 18 Jahren möglich sein.

 

Cannabis, Haschisch, Marihuana, Hanf. Was ist das überhaupt?

Cannabis bezeichnet wissenschaftlich die Pflanzengattung Hanf. Umgangssprachlich werden so alle Rauschmittel aus Hanferzeugnissen bezeichnet. Haschisch nennt man das gepresste Harz aus den Blütenblättern der Cannabispflanze. Marihuana ist das Rauschmittel aus den Blüten. In allen Produkten ist das Rauschgift Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten.  

 

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Keine Lust zu lesen? Hier gibt's den Beitrag aus dem Coffeeshop vom 14.12.2016 zum Anhören:

Von Eva Csonka und Melissa Faust

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