HIPBONE SLIM & THE KNEE TREMBLERS

29. MAI 2010 | Amp, Münster

Gähnende Leere herrscht im AMP. Es ist 22 Uhr und gerade mal 25 Leute haben den Weg vor die beteppichte Bühne gefunden. Alle anderen sind wohl Grand Prix kucken. Hipbone Slim & The Knee Tremblers sind trotzdem gekommen und legen los. Die Engländer machen ihrem Bandnamen dabei alle Ehre. Hier wird scharf aus der Hüfte geschossen. Allen voran von Leadsinger und Gitarrist „Bald Diddley“ – der Name eine spaßige Hommage an den Mann, der ihren satten Sound maßgeblich beeinflusst hat: Rock’n'Roller Bo Diddley. Als „Bald“ dann für einen Song seinen Hut lüftet, fällt der Groschen.

An Bald ist alles Bo. Seine Gitarre ist Bo; seine Kleidung ist Bo; seine Bewegungen sind Bo. Und, wen würde es wundern, viele von den Stücken erinnern stark an die des 2008 verstorbenen „Originators“. Unverblümt wird zugegeben, dass alle Titel auf ihren Alben Cover sind. „Well, kind of“.

Begleitet wird die (nebenbei rechteckige) Gitarre von exzellent gespieltem Uprightbass, (in der zweiten Hälfte abgewechselt durch) Bassgitarre und Drums. Dann und wann landet auch ein Saxophonist auf der Bühne und ein leichtes Swampfeeling macht sich breit.

Am Interessantesten wird es aber erst auf die Frage „Did anybody here ever surf?“ Für alle diejenigen, die sich unter dem Gefühl nichts vorstellen können, gibt die Band ein paar musikalische Eindrücke. Herrlich blechern scheppernde Klänge entlockt Bald Diddley seiner Gitarre, die er auch hinter dem Kopf, auf der Fensterbank neben mir und auf dem Rücken liegend vor der Bühne spielt; das alles ohne ablenkende Vocals natürlich – wie sich das für oldschool Surfsound gehört.

Die Musiker plaudern ausgelassen miteinander, haben ihren Spaß und auch das Publikum, dessen Anzahl nach der Pause doch merklich zugenommen hat, kommt in Bewegung. Nebenbei fällt die Bemerkung, dass die zwei anderen angekündigten Bands „Kneejerk Reactions“ und die „Louie Louies“ gerade auf der Bühne stehen. Hätte man drauf kommen können.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Trip durchs musikalische Unterholz der 50er- und 60er-Jahre vorbei, ich habe meine Bo Diddley-Lieblingsnummer „Mona“ gehört – nun gut, „kind of“: unter anderem Titel und mit anderen Lyrics – und werde auf dem Rückweg von den Autokorsos überrascht. Schuld hat „Lena“.

Matthias Back