Interview mit Hazel Brugger

Radio Q-Redakteurin Marie Brand hat mit der aus der "Heute-Show" bekannten Komödiantin Hazel Brugger vor ihrem Auftritt in Münster über ihr Studium, ihre "Heute-Show" Umfragen und das schlechte Abschneiden der AfD in Münster gesprochen.

Hazel Brugger verdankt ihre Bekanntheit in Deutschland vor allem ihren Auftritten in der ZDF "Heute-Show". Mit ihrer trockenen Art kommentiert sie nicht nur die politischen Geschehnisse, sondern lässt bei Umfragen auch immer wieder Mitglieder der AfD oder anderer Parteien auflaufen.  Daneben macht sie aber noch viel mehr. Angefangen hat sie mit Poetry-Slam und zur Zeit ist sie auch mit ihrem Programm auf Tour.

(von Marie Brand)

Radio Q: Bist du das erste mal in Münster oder warst du schon häufiger hier?

Hazel Brugger: Ich war schon zweimal in Münster bei einem Poetryslam im Cuba Nova [...], ja da war ich schon. Das hat mir gefallen.

Radio Q: Hast du sonst noch eine persönliche Bindung zu Münster?

Hazel Brugger: Ich habe ein paar Freunde, die hier wohnen. Also Andi Strauß kennt man wahrscheinlich [Poetry Slammer und Schauspieler; Anm.d.R.], wenn man in Münster wohnt oder Andreas Weber [Publizist; Anm.d.R.], dass sind Leute, die ich kenne. Aber Persönliche Bindung wäre jetzt wirklich übertrieben. Also ich habe keine Feinde in Münster, noch.

Radio Q: Du hast ja den deutschen Comedypreis dieses Jahr gewonnen. In der Kategorie Newcomer. Wie ist es eigentlich. Siehst du dich eher als Komödiantin, als Kabarettistin. Ist die Begriffsunterscheidung überhaupt wichtig für dich?

Hazel Brugger: Ich glaub für die Leute auf der Bühne ist die Unterscheidung gar nicht so wichtig, wie die Leute, die darüber schreiben. Aber ich würd' schon sagen ich mache Comedy.

Radio Q: Und ich komme ja vom Campusradiosender. Und ich habe gelesen, dass du mal Philosophie und Literatur an der Universität Zürich studiert hast. Aber ohne Abschluss. Warum?

Hazel Brugger: Ja, das ist jetzt natürlich gar nicht gut, dass du erst sagst, dass sich einen Preis gewinne, und dann sagst, dass ich nicht abgeschlossen habe, weil das hören ja hauptsächlich Studenten und die sollen schon zu Ende studieren. Ich hab nur gemerkt, dass ich lieber nicht an der Uni bin, als in der Uni. Und deswegen habe ich dann aufgehört.

Radio Q: Und für die “Heute-Show” bist du ja häufig auch mal auf AfD Veranstaltung und so weiter unterwegs. Du hast doch bestimmt gehört, dass in Münster der Prozentsatz der AfD unter 5% lag. Als einzige Stadt in Deutschland. Möchtest du unserer lieben Stadt Münster vielleicht irgendetwas sagen?

Hazel Brugger: Ja ich frag mich, wie kann man AfD wählen und in Münster wohnen? Also wo kommen die weniger als 5% her. Vielleicht ist das dann ein Witz gewesen oder so. Ich finde das natürlich cool. Das gibt ja auch Hoffnung, dass die jungen Leute - in Münster wohnen ja viele Studenten - deswegen junge Leute, dass die jetzt nicht AfD gewählt haben. Aber ich will jetzt nicht die Leute explizit loben. Weil es kann ja auch sein, dass sie einfach an der falschen Stelle des Kreuz gemacht haben. Also das fände ich jetzt zu faul, um gelobt zu werden.

Radio Q: Und du machst ja auch ganz häufig freche Umfragen [beide lachen] wie oft passiert dir das da eigentlich, dass die Leute sich mega aufregen und ihr das im Endeffekt nicht senden könnt? Oder habt ihr da riesen Freiheiten, dass ihr da krasse Sachen raushaut?

Hazel Brugger: Also immer, wenn die Leute sagen wir dürfen das nicht senden, dann senden wir das auch nicht. Und meistens funktioniert das aber trotzdem. Weil die Leute entweder nicht wissen, dass wir von der “Heute Show” sind. Sie denken dann "ah ZDF". Also wir müssen dann schon sagen, wenn sie fragen: "Sind Sie von der 'Heute Show'", dann sagen wir "Ja". Und entweder sind die Leute dann so schlecht informiert, dass sie nicht wissen, dass wir von der Heute Show sind, oder sie wollen mir das erst recht beweisen, dass sie cooler sind als ich. Und manchmal klappt das nicht.

Radio Q: Hast du denn irgendetwas, dass dich richtig auf die Palme bringt?

Hazel Brugger: Ja, ich hasse grundsätzlich, wenn Leute irgendwie das Gefühl haben sie hätten einen Anspruch auf irgendwas, auf was sie keinen Anspruch haben. Also ich find, dass sind diese kleinen Dinge, in denen sich zeigt, dass Menschen nicht gut sind.  Wenn man irgendwie im Bordbistro im ICE ein Kuchen bestellt und dann flippt man aus, dass die keinen Kuchen haben.  Also so was finde ich einfach das Allerletzte. Wenn die Leute wegen so Nichtigkeiten sich den Tag versauen lassen und ne schlechte Laune haben. Und grundsätzlich so diese ganz winzigen Dinge im Alltag, die eigentlich komplett egal sind. Wenn man denen einfach zu große Wichtigkeit zuschreibt, finde ich, dann verdreht es die Dinge und lässt einen nicht mehr mit genügend Energie an die wirklich schlimmen Probleme herangehen.

Radio Q: Eine Frage hab ich noch. Du hast ja momentan einen ziemlichen Hype eigentlich. Ich weiß jetzt nicht, ob du das Wort auch schon nicht mehr hören kannst. Aber es ist ja doch so, dass du viel Anklang findest. Wie machst du das, wenn du Gags schreibts, oder dein Programm schreibst oder so? Hast du irgendwas, dass dich krass inspiriert? Oder hast du vielleicht auch irgendwelche Comdeygrößen, die dich irgendwie total inspirieren? Wie ist da bei dir da der Entstehungsprozess?

Hazel Brugger: Naja, ich lass mich dann eher nicht von Comedygrößen inspirieren, weil sonst ist die Gefahr zu groß, dass es zu ähnlich wird oder sogar unterbewusst geklaut. Aber ich versuche einfach immer möglichst viel zu wissen, möglichst viel zu konsumieren. Also lesen, auch Filme schauen, ins Theater gehen. Gut im Theater bin ich jetzt nicht so oft, aber wenns denn sein muss. Einfach informiert bleiben. Und das wichtigste eigentlich bei der Inspiration ist gar nicht das was reinkommt, sondern das was dann am Ende rauskommt. Und da braucht´s einfach viel Fleiß- und Sitzarbeit. Ist leider gar keine coole Antwort, ne. Du hättest jetzt gerne gehört so, ich geh immer auf dem linken Bein nur joggen, und dann kommt das raus. Aber so einfach ist es leider nicht.

Radio Q: Nö, finde ich aber auch ganz schön. Muss ja auch ja auch nicht immer einfach sein. Vielen lieben Dank.


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