Die drei Weise aus dem Morgenland

Die drei Weisen aus dem Morgenland

Jedes Jahr laufen sie durch die Straßen. Durch Schnee und Eis, durch den Regen oder durch die Kälte. Sie nennen sich Sternsinger und folgen einem Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Kinder verkleiden sich als  Heilige Drei Könige und spielen den Weg der drei Weisen aus dem Morgenland zur Krippe nach. Vor 59 Jahren wurde die Aktion vom Kindermissionswerk aufgegriffen. Das Sternsingen ist inzwischen die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. So ziehen um den Dreikönigstag am 6. Januar etwa 300.000 Sternsinger in ganz Deutschland von Tür zu Tür und sammeln Spenden für in Not leidende Kinder. Anschließend segnen sie die Häuser und Wohnungen.

20 * C + M + B 17 steht nicht für Caspar, Melchior, Balthasar

Den Segenswunsch der Sternsinger findet man ganzjährlich an den Türen. Anders als viele denken, stehen die Buchstaben C+M+B für die lateinischen Worte „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus. Die drei Kreuze bezeichnen den Segen: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Zwar hat das christliche Brauchtum seine Wurzeln in der katholischen Kirche, seit langem sind jedoch auch evangelische Kinder beim Sternsingen dabei.

© Annette Zoepf / Kindermissionswerk

Aufmerksamkeit für den Klimawandel

Das Motto der Sternsingeraktion 2017 lautet „Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!“. Gesammelt wird für die Region Turkana. Diese liegt im Nordwesten Kenias. Die Landschaft dort ist von klimatischen Veränderungen gezeichnet. Dürreperioden werden immer länger. Die Aktion soll darauf aufmerksam machen, welche schwerwiegenden Folgen die Veränderungen des Weltklimas für Menschen haben, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Der Turkana-See versalzt und vertrocknet immer weiter. Menschen, die vorher vom Fischfang gelebt haben, stehen vor dem Nichts.

Auch in Münsters Straßen unterwegs

Vom 4. bis zum 7. Januar ziehen etwa 50 Sternsinger und Sternsingerinnen im Alter von 6 bis 11 Jahren in Münsters Innenstadt von Tür zu Tür. Wer die Sternsinger auf keinen Fall verpassen will, sollte sich bei seinem Pfarrbüro melden. Wer die Sternsinger verpasst oder kein Geld zu Hause hatte, kann trotzdem spenden. Vorsicht jedoch vor falschen Sternsingern. Wer sich unsicher ist, ob die drei Weisen aus dem Morgenland vielleicht doch nicht so heilig sind und nicht für die offizielle Sternsingeraktion spenden sammeln, kann nach dem Sternsingerausweis fragen. Ist dieser von der Gemeinde gestempelt, kann man beruhigt sein. Die Spendendosen selbst sind auch vom Kindermissionswerk mit einem Stempel gekennzeichnet. Bisher sind in Münster jedoch auch noch keine Fälle bekannt, wie Mirko Stein, der Pressesprecher der Polizei Münster bestätigt.

Spendenbereitschaft ungebrochen

Birgit Amenda vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Münster erklärt, dass heute mehr Kinder als früher an den Haustüren abgewiesen würden, da die Bekanntheit der Aktion zurückginge: “Wenn die Kinder aber erst mal klarmachen, warum sie da sind, werden sie mit offenen Armen empfangen. Die Spendenbereitschaft ist heute sogar höher als früher.” Im letzten Jahr sammelten die Sternsinger im Stadtdekanat Münster rund 175 000 Euro.

Kein Anlass für Kritik in St. Lamberti

Immer wieder stehen Teile des Sternsingerbrauchs in der Kritik. Die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar repräsentierten die im 9. Jahrhundert bekannten Kontinente Asien, Afrika und Europa. Deshalb war es Gang und Gäbe den Caspar schwarz anzumalen und um damit den afrikanischen Kulturkreis zu ehren und wertzuschätzen. "Blackfacing", bei dem weiße Menschen schwarze Menschen mimen, steht jedoch in der Kritik und wird als rassistisch angesehen. Für Schwester Christa, Pastoralreferentin in St. Lamberti, ist das gar nicht relevant: "Bei uns sind auch viele ausländische Kinder dabei. Sich anzumalen war bei uns noch nie Tradition.”

Liste des immatriellen UNESCO-Kulturerbes

2006 erhielt die Aktion der Sternsinger den internationalen Preis des Westfälischen Friedens. Seit 2015 gehört das Sternsingen zur Liste des immateriellen Kulturerbes

 

Von Melissa Faust


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