#FreeDeniz: Fahrradkorso in Münster

Mit dem WELT-Korrespondenten Deniz Yücel sitzt erstmals ein deutscher Journalist in der Türkei im Gefängnis. Als Protest hat Bernd Drücke, Redakteur der Zeitung "Graswurzelrevolution", einen Fahrradkorso durch Münster organisiert. Über 300 Menschen kamen, um sich zu solidarisieren.

Für einen Witz sitzt Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent für die WELT, im Moment in der Türkei im Gefängnis. Die Anklage lautet: Volksverhetzung! „Für uns ist das natürlich ein absoluter Skandal“, sagt Dr. Bernd Drücke, der die Demonstration für die Freilassung Yücels in Münster organisiert hat.

 Wie viele Besucher der Demonstration ist Drücke die Presse- und Meinungsfreiheit wichtig und er möchte ein Zeichen gegen die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei setzen. Doch er ist auch persönlich betroffen. Als er im Jahr 2001 seine kritische, türkisch-deutsche  Zeitung „Graswurzelrevolution“ auch in der Türkei verlegen wollte, verbot dies die Erdogan-Regierung. Deniz Yücel interviewte ihn, seitdem stehen beide regelmäßig in Kontakt. „Yücel ist mit Sicherheit einer der besten deutschen Journalisten, die im Moment in der Türkei sind“, sagt Drücke über den WELT-Journalisten. „Er ist einer der wenigen Journalisten, die kritisch berichten aus der Türkei, der sich nicht den Mund verbieten lässt und der mutig seine Arbeit macht. Das ist die Arbeit von Journalisten, alle Seiten zu interviewen, und dafür sitzt er im Gefängnis.“

In mehreren deutschen Städten fanden bereits Autokorsos statt, um gegen die Verhaftung zu protestieren. Nach Münster passe das nicht, findet Drücke, weshalb man sich für eine andere Form des Protests entschieden hat: Einen Fahrradkorso.

Über 300 Leute waren bei der Demonstration anwesend und füllten den Ludgerikreisel vollständig.

Dr. Bernd Drücke, der nur mit etwa 70 Demonstranten gerechnet hatte, war positiv überrascht:

„Das ist erfreulich. Es ist vielleicht ein Effekt von den leider doch sehr negativen Entwicklungen in den USA, Türkei, in Ungarn, überall sind despotische Regime auf dem Vormarsch und Menschenrechtsfeinde. Ich glaube das schweißt auch die Demokraten und die Menschen, die für Menschenrechte einstehen, zusammen und macht den Leuten klar: Ey, wir müssen was tun!“

Im Vorfeld der Demonstration sprachen neben Organisator Dr. Bernd Drücke auch Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson, die sich vor allem gegen weitere EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aussprach.

Abgerundet wurde die Demonstration durch ein Musikprogramm, für das die Musiker Simon und Mei sorgten. Im Anschluss an die Reden spielten die Organisatoren des Fahrradkorsos außerdem das Lied „Erdowie, erdowo, Erdowahn“ aus der Sendung extra3, aufgrund dessen das türkische Außenministerium im letzten Jahr den deutschen Botschafter einbestellt hatte.

 

 

Von Brigitte Lieb und Marco Stoever

Stand: 10.03.2017 18:02 Uhr


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