Studierende gegen die AfD

Unter den 8000 Demonstrierenden auf dem Prinzipalmarkt zeigten auch zahlreiche Studierende wie ihr Münster sein soll: bunt und weltoffen. (10.02.17)

von Fabiola Heynen

Ein klares Zeichen setzten auch verschiedene Fachschaften und Hochschullisten. Auf dem Plakat der Fachschaft Geschichte war zu lesen „Braune Suppe schmeckt nicht - HistorikerInnen gegen Rechts“. Die Fachschaft hatte sich gemeinsam mit Studierenden dazu entschlossen an der Gegenkundgebung zum Neujahrsempfang der AfD teilzunehmen. Unter den Demonstrierenden standen ebenso Vertreter/-innen von CampusGrün, den Jusos und der LISTE, die sich jeweils öffentlich erkennbar als Hochschulpolitiker/-innen gegen die AfD stellten.

Ähnlich wie sie ist auch Thaina (21) da, um ein Zeichen zu setzen.

"Es muss ja jemand da sein, um der Frauke zu zeigen wo es lang geht hier in Münster.“

Auch der AStA selbst hatte im Vorhinein zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. 

Wolle Petry zu neuer Berühmtheit

Klarer Plakatsieger bleibt der berühmte Schlagersänger Wolfgang Petry, der in der Menschenmenge immer wieder zu sehen war. Den Namen "Petry" wollte man so mit verschiedenen Namensspielen wieder anders besetzen.

Und so zeigten die Studierenden, was sie von der AfD und ihrem Programm halten: „Doof vong Meinung her“ ist nämlich auf einem Transparent zu lesen und "Arschgeigen für Deutschland“ steht auf einem anderen im AfD-Stil anmutenden Plakat. 

 Aber auch ernstere Plakate zeigen, dass die AfD als Gefahr wahrgenommen wird „Wehret den Anfängen“ oder „Never again“, heißt es. 

Ähnlich auch Christoph (32), der promoviert: „Ich fand die Bilder aus Dresden so schrecklich und ich dachte, es wäre mal gut zu zeigen, dass nicht die das Volk sind, sondern wir."

Konträre Stimmen

Immer wieder wurden jedoch auch verunsicherte Stimmen in der Menge laut. Einige fragten sich, ob Rufe wie „Nazischweine“ oder „Nazis raus“ die richtigen seien oder ob man damit die AfD in ihrer Aussage, ungehört abgestempelt zu werden, bestärken würde.

Auf diesen Punkt spielt auch AfD-Sprecher Gellner gegenüber Radio Q an: "Erstmal ist es das grundsätzliche Recht eines jeden zu demonstrieren", trotzdem wünscht sich der AfD-Sprecher mehr ein Gespräch miteinander. Sobald es zu Ausschreitungen während des Protestes käme, habe dies allerdings nichts mehr mit friedlichem Protest zu tun, sondern sei "klar demokratiefeindlich", äußerte Gellner im Vorfeld der Demonstration.

Dazu kam es nicht. Die Kundgebung fand nach Polizeiangaben friedlich statt. Auch im Vorfeld erwartete „Störenfriede“, die versucht haben könnten sich eine Karte für den Neujahrsempfang zu kaufen, blieben aus. 

Trotzdem verurteilen andere AfD-Anhänger die Kundgebung:

Europaflaggen, Licht aus und Kunst für ein weltoffenes Münster

Wie angekündigt setzten die Kaufleute und Anwohner/-innen des Prinzipalmarkts ihre einstimmig beschlossene Entscheidung um: Das Licht hinter den Fenstern auf dem Prinzipalmarkt blieb ausgeknipst. Bis zu sieben Meter große Europaflaggen schmückten die Fassaden der Häuser.

Der AfD-Sprecher Matthias Gellner sieht den Protest der Kaufleute wenig kritisch, wie er gegenüber der Redaktion äußerte: "Ich selber wundere mich immer wieder über die Europa-Flaggen als Zeichen des Protests" gegen die AfD. Denn die AfD stelle sich laut ihm zwar gegen den Euro, nicht aber prinzipiell gegen Europa.

Der westfälische Kunstverein nutzte seine Lage in Rathausnähe und platzierte unter dem Motto "Drucke gegen Dummheit" verschiedene von Bürger/-innen eingesandte Bilder, die sich gegen die AfD richten. 

Wer hat der AfD erlaubt zu kommen? 

Auch Niklas (24, Student) ärgert sich besonders über die Wahl des Ortes:

"Ich studiere Geschichte und ich habe ein Problem damit, dass das in der Nähe des Saales des westfälischen Friedens stattfindet. Natürlich hat die AfD das Recht zu tagen, aber da hätte ich mir vonseiten der Stadt mehr Sensibilität gewünscht.“ 

Nach dem demokratischen Grundsatz müssen alle Parteien gleich behandelt werden, weshalb die Stadt Münster auch der AfD das Rathaus zur Verfügung stellen musste. Im Übrigen nutzte die AfD lediglich den Festsaal und das Foyer für ihre rund 200 Gäste. Nicht jedoch den Friedenssaal. 

Was bleibt?

8000, in Worten ACHTTAUSEND Menschen, die sich bei -2 Grad trotz kalter Füße an einem Freitagabend für ein weltoffenes Münster einsetzen. 

Die Polizei Münster stellt fest: "Beide Veranstalter haben ihr Versammlungsrecht uneingeschränkt ausüben können“.