Wohnungsnot in Münster - Lagebericht vom Uni-AStA

10. September 2012

Auch der AStA der Uni Münster hat angesichts der Wohnlage alle Hände voll zu tun. In seinen Aufgabenbereich fällt nämlich auch die Wohnungsvermittlung an Studenten - gerade in Münster keine leichte Aufgabe. Mit Blick auf das neue Semester hat Radio Q-Reporterin Lisa Brose mal “links vorm Schloss”, beim AStA, vorbeigeschaut und Informationen zur aktuellen Lage eingeholt.

Die Studierendenanzahl steigt bundesweit an. Das kriegen vor allem die Studentenstädte wie Münster zu spüren. Diese Jahr gab es an der Uni Münster rund 60.000 Bewerber. Im nächsten Jahr werden bis zu 100.000 erwartet. Dem bereits hart umkämpften Wohnungsmarkt tut diese Entwicklung nichts Gutes, weiß Tim Osterhaus, AStA-Referent für Soziales und Bildung.

“Definitiv geht der Trend aber dahin, dass mehr Studienplätze in Münster geschaffen werden - und die Auswirkungen, die merkt man jetzt schon. Es gibt viel mehr Wohnungssuchende, die bei uns Hilfe suchen. Das Ganze geschieht auch schon viel früher. Bereits sehr früh in den Sommersemesterferien sind viele Studierende zu uns gekommen, die auch schon relativ sehr verzweifelt wirken aufgrund der kritischen Wohnungslage.”

Wer also konkrete Hilfe bei der Wohnungssuche benötigt, kann sich an den AStA der Uni Münster wenden. Was genau der AStA tun kann, schildert Vorsitzende Janine Meiser.

“Zuerst haben wir natürlich hier eine Anlaufstelle im Haus, den Uwe Warda, der sich um die Studis auch bemüht. Wir haben natürlich online unsere Wohnbörse, was für Studis auch immer sehr interessant ist, weil wir nur Wohnungen online stellen - ohne Maklergebühr. Natürlich ist es aber auch so, dass wir wissen, dass es auch ganz viele andere Angebote gibt, und dass wir sagen: Unser oberstes Ziel ist, dass die Studis eine Wohnung bekommen, deswegen verweisen wir in dem Fall natürlich auch auf die Konkurrenz.”

Das Studentenwerk ist also eine weitere wichtige Anlaufstelle für wohnungssuchende Studenten. Allerdings sind auch hier die Kapazitäten zunehmend ausgelastet. Deshalb gibt es viele Überlegungen und Notfallpläne. Geplant ist unter anderem, verlassene Kasernen zu Studentenwohnheimen umzufunktionieren. Die Idee ist für den AStA nicht ideal, man zeigt sich aber kompromissbereit. Auch Neubauten sind vom Studentenwerk angekündigt worden. Wie viel hiervon zu erwarten ist, erklärt Osterhaus.

“Die neuen Wohnheime sind ja definitiv gebaut worden, die sind auch fertig geworden am Horstmarer Landweg. Was man allerdings sehen muss, ist, dass natürlich auch alte Wohnheime, wie das an der Boeselager Straße, dafür abgerissen wurden. Das heißt an den konkreten Zahlen der Versorgung mit Wohnungen vom Studentenwerk hat sich nichts getan.”

So wie es scheint, ist eine spürbare Entlastung des Wohnungsmarktes in naher Zukunft nicht zu erwarten. Auch die Wohnungspreise zeigen eher nach oben als nach unten.
Um diesem Negativtrend entgegen zu wirken, verfolgt der AStA eine Reihe von Notfallplänen. Gleichzeitig wollen sie den Druck bei der Stadt und den Studentenwerken erhöhen, damit neuer Wohnraum zeitnah geschaffen wird.

(Janine Meiser:) “Klar, wir müssen auch ein paar Notfallpläne in petto haben. Sicherlich gehört dazu, dass wir gerade dabei sind, unsere Wohnbörse ganz neu aufzuziehen. Dann kommt dazu, dass wir jetzt auch geplant haben, Couchsurfing im größeren Rahmen anzubieten - einfach, um den Studis die Möglichkeit zu geben, bei anderen Studis unterzukommen, bis sie eine Wohnung gefunden haben.”

Wer nicht dauerhaft als Couchsurfer durchkommen will, sieht sich gezwungen, seine Ansprüche herunterzuschrauben. Die Statistiken zeigen jedoch eine deutliche Entwicklung hin zu weniger WG und mehr Privatsphäre. Die große WG verliert an Beliebtheit, der Student von heute möchte viel Platz für sich alleine.

(Janine Meiser:) “Man merkt eben, dass der allgemeine Trend zu mehr Quadratmetern pro Person auch bei den Studis nicht Halt macht. Was noch dazukommt, ist, dass die Studis nicht mehr so sehr bereit sind wie früher, in WGs zu wohnen. Es ist vielmehr so, was auch das Studentenwerk merkt, dass die Leute lieber alleine wohnen.”

Wer aber dem schlechten Wohnungsmarkt zum Trotz eine Wohnung oder ein geräumiges Zimmer haben möchte, sollte die Hinweise der AStA-Vorsitzenden Meiser beachten.

“Was wir den Studis nur wärmstens ans Herz legen können, ist, dass sie versuchen, sich auch vielleicht mal drauf einzulassen, ein bisschen weiter nach außen zu ziehen. Die Randgebiete sind bei den Studis nicht hoch im Kurs. Sie möchten am Liebsten möglichst zentral wohnen, was man natürlich auch verstehen kann, aber ich denke, dass es dann doch besser ist, 20 Minuten mit dem Fahrrad zu fahren, anstatt aus Essen herpendeln zu müssen.”

Wer kann, sollte also so früh wie möglich mit der Suche beginnen. Und wer dann auf den einen oder anderen Quadratmeter verzichten kann, der sollte selbst in Münster früher oder später fündig werden.

Weiterführende Links:
- Wohnbörse des AStA (im Aufbau)

Lisa Brose
Dieser Artikel ist Teil unserer Themenwoche zur angespannten Wohnraumlage in Münster