Thomas White - Yalla!
17. September 2012
Rezensiert von Frank Schlegel.

Ganz schön gewieft, Thomas! Du taufst das Album auf den Namen „Yalla!“ (arabisch für „Los!“) und steckst es in ein knallbuntes Kostüm. Beim Reinhören merkt man dann, dass Depri-Zeug drauf ist. Geschickt ist auch die salvatorische Klausel, die du anstelle von Liedtexten hinter die CD druckst. Nach den Worten eines verstorbenen englischen Poeten steht da „I do not necessarily claim to be a great artist or writer, but I claim to be a true spirit – this is a subtler test. Seek me out, but you may not find me.” Damit immunisierst du dich gegen schlechte Rezensionen. Denn ein Rezensent, der dein Album als langweilig oder uninspiriert abstempelt, hat wohl einfach den „true spirit“ des Werks nicht gefunden. So ein tumber Idiot.
Thomas White liefert mit Yalla! sein drittes Solo-Album als Singer-Songwriter ab und das auf sehr sympathische Weise. Keine ätzende Selbstdarstellung durch coole Fotos mit Zigarette und Gitarre, hier tritt der Künstler bescheiden zurück und will über sein Album definiert werden. Und das funktioniert als Gesamtkunstwerk mit sphärischem Intro, steigender Klimax, Höhepunkt, retardierender Handlung und leisem Hinausgleiten. Alles sehr sanft und träumerisch. Überraschend schnell ist es vorbei. Im minimalistisch gehaltenen Gesamt-Arrangement kommt jeder Ton zur Geltung, dazu ist die Scheibe ungemein brillant produziert. Sphärische Synthesizer und mehrstimmige Gesangsaufnahmen unterstützen den Gitarrensound perfekt, ohne ihm die Show zu stehlen.
Der Opener „All The Fallen Leaves“ steigt mit einem langsam anschwellendem, meditativem Chor ein, bevor die zurückhaltende, puritanisch gehaltene Gitarre einsetzt. Ruhig und ein bisschen traurig. Es folgen viele kurze Songs, die für sich selbst genommen nicht großartig sind. Da ist kein Hit dabei. Manche Lieder enden recht abrupt; hatte der Künstler hier keine Idee, etwas Größeres aus einer Idee zu machen? Egal, Yalla! ist eben keine Compilation genialer Singles, sondern Gesamtkunstwerk. Mit „Ocean Green“ und „Lungful Of Air“ steigert sich White dann ins nahezu Dissonante hinein. Definitiv nichts zum Wohlfühlen, aber Kunst muss wehtun, das ist gut. Den Abschluss macht „The English Sargasso“, ein Song zum Augenschließen und Treiben Lassen.
Thomas White ist melancholisch, ohne zu übertreiben, ohne zu jammern. Auch selbsternannte Feinde der Singer-Songwriter könnten in Yalla! ein gutes Album zum wiederholten Chillen finden. Sowohl zur Hintergrunduntermalung, als auch zum Versinken.
VÖ: 14.09.2012
Label: Rough Trade
Herkunft: Großbritannien




