Wohnungsnot in Münster – Unsere Themenwoche im Überblick

14. September 2012

Wohnen in Münster – das bedeutet: Abenteuer. Ungewissheit bei Erstis darüber, ob sie eine Bleibe finden und der Stadtteil, in dem sie zuletzt landen, nicht überwiegend von Nutzvieh bewohnt wird. Nervenkitzel bei jenen, die bereits sesshaft geworden sind und ihr trautes Heim irgendwie finanzieren müssen. Die Probleme sind altbekannt – Radio Q wirft anlässlich des bald beginnenden Semesters einen Blick auf die aktuelle Wohnraumlage in Münster.

Wir beginnen die aktuelle Themenwoche am heutigen Montag mit einigen Infos von Seiten des AStA der Uni Münster.

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Oktober naht und damit der Beginn des Wintersemesters. Die seit Monaten – wenn nicht seit Jahren – angespannte Wohnlage in Münster bleibt angespannt. Und die Probleme hören nicht auf.

Ein kurzer Blick auf die Wohnheim-Angebote des Studentenwerks reicht, um einen Eindruck von der Situation zu bekommen: Bewerber sehen sich mit Wartezeiten von bis zu 24 Monaten konfrontiert. Immerhin 12 % der Münsteraner Studenten werden in Räumlichkeiten des Studentenwerks untergebracht, womit es zu den größten Wohnraum-Anbietern für Studenten gehört. Klar ist aber: Die finanziellen Mittel des Werks reichen nicht, um die Nachfrage von Seiten der Studenten – inbesondere der neu nach Münster ziehenden Erstsemester – zu decken.

Ein aufgestocktes Angebot an neuen Wohnheimen soll Abhilfe schaffen: Teile des Wohnheims am Horstmarer Landweg können seit August bezogen werden, ein weiterer Teil wird für den Oktober freigegeben – doch auch das wird vorerst nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Andere Anlagen, wie die baufälligen Wohnheime an der Boeselager Straße, wurden abgerissen, werden derzeit wieder aufgebaut – und frühestens 2013 wieder bewohnbar sein.

Droht vielen Studenten ein Studentenleben ohne Bleibe?

Im letzten Jahr verfügten Studentenwerk und der AStA der Uni Münster über Notfallpläne für Studenten, die nirgendwo unterkamen: Wenn ein Erstsemester Gefahr lief, zu Vorlesungsbeginn auf der Straße zu stehen, bekam er vom Studentenwerk eine Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Hierfür standen im letzten Wintersemester Zimmer im Agora-Hotel am Aasee und in der Wohnanlage Wilhelmskamp bereit. Bis ins Semester hinein fanden sich auf der Warteliste für Wohnheimplätze dennoch bis zu 500 Bewerber wieder.

Wie sieht es abseits der Wohnheime aus? Nicht wirklich besser: Aktuelle Zahlen des Portals wohnungsboerse.net deuten bereits an, wie sich die Mietpreise in Münster entwickeln. 9 Euro ist der Durchschnittspreis pro Quadratmeter. Er liegt damit fast 4 Euro über dem NRW-weiten Durchschnitt. 30 m²-Wohnungen haben einen Quadratmeterpreis von fast 10 Euro – erst in Bezirken wie Kinderhaus, Hiltrup oder Angelmodde wird mit 6 Euro ein nrw-weit üblicher Durchschnittspreis für den Quadratmeter Wohnfläche erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass Münsters Markt für Privatwohnungen gerade in den Sommermonaten fast ausschließlich über Mundpropaganda und “Vitamin B” funktioniert.

Auf der Suche nach neuen Wohnkonzepten

Angesichts dieser Zahlen verweisen die Studentenwerke immer mehr auf private Anbieter oder auf Wohnungsbörsen wie die des AStA. Längst haben Investoren die Gunst der Stunde erkannt und die Wohnlage für sich nutzen können: Täglich fährt man an Baustellen vorbei, auf denen neue Wohnkomplexe hochgezogen werden. Die neu entstehenden Wohnraum-Angebote richten sich aber nur teilweise an studentische Nachfrager. Insbesondere wohlhabende Singles rücken in den Fokus der Investoren, wie es zum Beispiel bei neuen Wohnangeboten an der Steinfurter Straße der Fall ist. Wohnraum geht mehr und mehr in private Hand über. “Öffentlichen” Anbietern wie den Studentenwerken fehlen oftmals die Gelder, um ihren Bestand an Wohnraum aufzustocken.

Seit geraumer Zeit will das Amt für Wohnungswesen handeln: Projekte, bei denen Hochschulen, Studentenwerke, die Stadt und ASten kooperieren, sollen der Wohnungsnot Einhalt gebieten. Noch sind die akuten Probleme nicht gelöst. Weitere Doppel-Abi-Jahrgänge, die demnächst auf Münsters Hochschulen einstürmen, verschärfen die Wohnlage immens.

Randnotiz: Die Wohnlage hat zur Entwicklung ganz neuer Wohn-Konzepte geführt, die gleichzeitig etwas von Generationen-Projekten haben. Studenten kommen, wie beim Projekt “Wohnen für Hilfe”, bei Senioren unter, und helfen den Betagteren beim Alltäglichen. Diese Angebote werden beliebter, finden auch immer öfter in den Anzeigenmarkt und wurden in Teilen auch vom Amt für Wohnungswesen gefördert.
So schön diese Ideen sind, so wenig werden sie das Wohnraum-Problem eindämmen können. Zwei Trends – eine künstliche Verknappung des Wohnraums durch zunehmende Privatisierung und steigende Immatrikuliertenzahlen – zerren auch weiterhin an der Verfügbarkeit und insbesondere der Bezahlbarkeit von Wohnraum. Das ist der Stand der Dinge im September 2012.

Lucas Kreling