Reptile Youth - Reptile Youth

24. September 2012

Unser Album der Woche (KW 39)

Rezensiert von Caterina Reinker.

Sagenumwobene Live-Auftritte, gut besuchte Touren durch Europa und Asien, keinerlei Musikaufnahmen – Reptile Youth sind schon vor Veröffentlichung ihrer ersten Single legendär. Die zwei Dänen Mads Damgaard und Esben Valløe waren bisher einfach mit Touren viel zu beschäftigt, als dass genügend Zeit geblieben wäre, um ins Studio zu gehen. Lediglich ein Live-Video zu „Speeddance“ schwebt schon eine Weile durch das Internet.

Die Erwartungen von Fans und Kritikern sind inzwischen hoch gekocht. Sänger Mads entledigt sich gerne mal seiner Oberbekleidung und klettert in schwindelerregende Höhen oder er genießt das Bad in der Menge. Konzerte von Reptile Youth sind ein Erlebnis, das demnächst in jedem „100 Things To Do Before You Die“-Guide stehen sollte - schwitzig, elektronisch, ekstatisch.

Die Gefahr der großen Mythenbildung ergibt sich aus den sehr hohen Erwartungen, die sich Reptile Youth jetzt stellen müssen. Jetzt, wo sie sich ins Studio getraut haben, um ihren eklektischen Sound auf Platte zu bannen. Musikalisch sind Reptile Youth sowohl auf der Bühne als auch auf Platte schwer einzuschätzen. Die Energie, die live in grenzenlose Ekstase umgesetzt wird, wird im Studio in Popmelodien umgewandelt. Daran haben sicherlich auch die beiden Produzenten Dave M. Allen und Mark Ralph Schuld. Allen produzierte in den 80ern unter anderem einige The Cure Platten, Ralph arbeitete zuvor schon mit Hot Chip und Lady Gaga. Den geballten Pop-Einfluss der Produzenten hört man auf dem Debütalbum von Reptile Youth ganz klar. Der Song „It’s Easy To Loose Yourself“ erinnert stark an die jungen Beatles, weckt Erinnerungen an Pilzköpfe, hellgraue Anzüge, dünne Krawatten und bis unter die Achsel hoch geschnürte Gitarren; „Shooting Up The Sunshine“ ist das Beach Boys-Äquivalent samt Surfercharme und California Dreaming.

Geheimer Hit des Debüts ist „A Flash In The Forest“. Der Song fängt so unscheinbar poppig an und schaukelt sich nach und nach zur Hymne hoch, ohne dabei flach oder plump zu wirken. Hier kommt die eigentliche Qualität der Band wieder ganz klar in den Vordergrund: Live-Konzerte. Die ganze Kraft und Vielfalt der musikalischen Ausrichtung und die Energie von Lockenkopf Mads und Geek Esben lässt sich nur schwer mit ins Studio nehmen. Zu dieser Musik muss man einfach in der Menge tanzen, schwitzen, ausrasten - Rock’n’Roll Sauna sozusagen.

Auch „Dead End“ folgt diesem Motto mit dem selbstbewussten Refrain „I fell like Moses on the mountain / waiting for the truth to be delivered / waiting for the sky to open up“.Textzeilen wie diese lassen kurz aufhorchen. Im Großen und Ganzen spielen die Texte aber eine untergeordnete Rolle. Hier geht es um Spaß, um spontane Emotionen, und nochmals um Extase. Reptile Youth sind wie MGMT – den Pop auf der Schulter, die Drogen im Gepäck, mit Punkattitüde auf der Bühne. Die großen Momente des Albums erwarten den Hörer immer dann, wenn der eigenwillige Reptile Youth-Spirit gewahrt und großzügig mit dem Pop der ganz Großen gepaart wird.

Herausstechend bleibt der Kracher „Speeddance“ und dessen kleine Schwester „Heart Blood Beat“. Beide Songs haben einzig zum Ziel den Hörer zum Tanzen, zum Ausflippen zu bringen. Jegliche Vernunft wird mit einer Mischung aus Techno, Punk und New Rave danieder gelegt.

Reptile Youth machen kommerziell gesehen alles richtig. Gut verträglicher Wahnsinn in 37 Minuten. Doch wer erwartet, sich das Feuerwerk der Live-Konzerte in die heimischen Boxen zu holen, wird leider enttäuscht. Zu gut produziert, zu glatt gebügelt ist es an vielen Stellen, um der DIY-Punkattitüde hier noch stand halten zu können.

: 21.09.2012
Label: hfn Records
Mitwirkende: Mads Damgaard und Esben Valløe; Dave M. Allen und Mark Ralph
Herkunft: Dänemark
Diskographie: /
Online: www.facebook.com/reptileyouth
Anspieltipps:
#1 Black Swan Born White
#4 Speeddance
#5 Be My Yoko Ono
#6 A Flash In The Forest
#8 It’s Easy To Loose Yourself