Bologna & Bachelor: Ein Ausblick
31. August 2012
Viel Positives, aber auch viel Kritik musste sich die Bologna-Reform an ihrem zehnjährigen Jubiläum gefallen lassen. Nachdem nun viel zurückgeblickt wurde, wollen wir nun einen Blick auf die kommenden Jahre werfen. Hierzu liefert Katja Graßl, Dezernentin für akademische und studentische Angelegenheiten der Uni Münster, die nötigen Fakten und Einschätzungen.
Wie geht es weiter mit Bologna? Deutsche Politiker und Hochschulmitarbeiter stehen nun in der Pflicht, die bestehenden Zweifel an der Bologna-Reform zu beseitigen. Mit der nächsten Bundestagswahl 2013 könnte das deutsche Hochschulsystems eines der brisanten Wahlkampfthemen sein.
Horst Hippler, Direktor der Hochschulrektorenkonferenz, hat seine Kritikpunkte an der bisherigen Umsetzung bereits deutlich gemacht. In seinen Augen muss an der inhaltlichen Vergleichbarkeit der Studienfächer und an einem vereinfachten integrativen Auslandsaufenthalt gearbeitet werden.
Katja Graßl, Dezernentin für akademische und studentische Angelegenheiten der Uni Münster, sieht bei insbesondere vier Themen Reformierungsbedarf.
“Einmal den Übergang zwischen Bachelor und Master oder auch den Übergang zum Beruf. Wir haben das Thema Mobilität, das uns in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Wir haben dann das Thema Überschneidungsfreiheit. Auch hier ist es wichtig, das, was in einzelnen kleineren Gruppen zwischen einzelnen Fachbereichen, zwischen einzelnen Fächern passiert, flächendeckend zu schaffen. Und wir haben das Thema Workload. Der Workload ist ja die studentische Arbeitbelastung. Hier ist es für uns sehr wichtig, genau zu wissen: In welchen Studiengängen sind Studierende möglicherweise überbelastet? Und dazu werden wir Modelle entwickeln, um das von den Studenten zu erfragen.”
Konkret heißt das, zum Beispiel sogenannte Mobilitätsfenster zu erschaffen, die das Studium flexibler machen. So soll ein integrierter Auslandsaufenthalt vereinfacht werden.
“Mobilitätsfenster bedeuten, dass innerhalb von Studiengängen einzelne Semester dafür vorgesehen sind, um z. B. ins Ausland gehen zu können. Das heißt, in diesem Semester dürfen nur Veranstaltungen angeboten werden, die ich eventuell auch ein Semester früher, ein Semester später entweder vorziehen oder nachholen kann. Oder es werden Veranstaltungen angeboten, die ich mir eben auch aus dem Ausland anrechnen lassen kann.”
An der Uni Münster wird also bereits umgedacht und modifiziert. In Bezug auf die Umformulierung des Staatsexamens in Deutschland ist jedoch noch keine einheitliche Regelung gefunden worden. Diskutiert werden unter anderem Kombinationen von Staatsexamen und Bachelor bzw. Master, so Graßl. Abgesehen von den wenigen Staatsexamenabschlüssen, ist der Umstellungsprozess auf Bachelor und Master in NRW weit fortgeschritten.
“Ich kanns für NRW oder insbesondere für Münster sagen: Wir sind, wenn man diese wenigen Staatsexamen-Studiengänge weglässt, bei 100 %. Wir haben lediglich noch auslaufende Studiengänge, zum Teil noch Diplom-Studiengänge, zum Teil Magister-Studiengänge, in denen aber natürlich keine neuen Studierenden eingeschrieben werden.”
Eine weitere Baustelle im zukünftigen Umstellungsprozess ist die bereits von Hippler kritisierte Anzahl der Masterplätze. Hippler sieht vor allem in den Naturwissenschaften die Gefahr aufkommen, dass mit der niedrigen Anzahl von Masterplätzen nur die Besten der Besten auf dem Arbeitsmarkt zum Zuge kommen. Katja Graßl von der Uni Münster weist darauf hin, dass der Plätzeausbau aufgrund begrenzter räumlicher Kapazitäten nicht ausschließlich im Kompetenzbereich der Hochschulen liegt. Hier muss die Politik erweiterte Rahmenbedingungen schaffen. Zudem sei der Arbeitsmarkt bereits attraktiv für Bachelorabsolventen.
“Wenn man Arbeitgeber befragt, bekommt man häufig die Antwort, dass auch sehr gerne Bachelor-Absolventen gerne genommen werden. Nur die Studierenden glauben es noch nicht. Nichtsdestrotrotz wäre natürlich die Idealvorstellung, dass jeder Bachelor-Absolvent, der einen Master-Studiengang aufnehmen möchte, das auch kann.”
Gleichzeitig wird über die Frage der Finanzierung weiter gestritten. Blicken doch die meisten Länder in derzeit eher maue Haushaltskassen. Deshalb fordern die Länder nun finanzielle Unterstützung vom Bund. Konkrete Zusagen gibt es bislang aber noch nicht. Trotzdem erscheint es sinnvoll, die Verbesserungen der Bologna-Reform zügig voranzutreiben. Wann der gesamte Umstellungsprozess abgeschlossen sein wird, ist schwer zu sagen. Das Anpassungsbedarf besteht, hat man sich zumindest an der Uni Münster eingestanden. Kritik wird konstruktiv genutzt, um das System stetig zu verbessern, sagt Katja Graßl von der Uni Münster.
Ich geh davon, dass wir einen sehr großen Schritt geschafft haben. Viele Regeln sind aber schon festgeschrieben, sodass ich davon ausgehe, dass wir bei den Themen, die ich schon genannt habe, Mobilität, Übergang Bachelor Master noch weiterarbeiten müssen.”
Ob die Bilanz beim nächsten Reformjubiläum in zehn Jahren rundum positiv ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eins - die Zeichen stehen auf Bologna.




