Von Höcksken auf Stöcksken: “Parcours” zeigt Abschlussarbeiten am FB Design

13. Juli 2012

“The aim of design is to define space” heißt es so schön - und dass Design in fast alle Bereiche des menschlichen Lebens hineinspielt, das zeigt die große thematische Bandbreite an Abschlussarbeiten am Fachbereich Design der FH Münster: von Graffiti bis Gitarren zum Selberbauen, von knickbaren Bildschirmen bis zum Kochbuch für Veganer, von der 3D-Animation bis zum 3D-Schmuck-Druck. “Parcours” stellt vom 13. bis 15. Juli Bachelor-, Diplom- und erstmals auch Masterarbeiten aus. Bemerkenswert ist, wie die Studenten sich mit ihren Projekten oft zielgerichtet am Markt orientieren.

Besonders die technischen Errungenschaften des digitalen Zeitalters bieten neue Ansatzpunkte für gestalterische Prozesse - in Form von Apps für Smartphones und Tablet-PCs. So nimmt sich beispielsweise das e-Book-Projekt des Kommunikationsdesigners Christian Sanders dem Potenzial digitaler Medien für den Designer an: Selbst als App konzipiert, erklärt sein elektronisches Handbuch auf interaktive und komprimierte Weise, an welchen Punkten Designer hierfür ansetzen müssen.

Jan Wagner van der Straten und Daniel Buchholz: How to CP, Parcours 2012. (c) Fachhochschule Münster

Zwei Absolventen des Masterstudiengangs “Information und Kommunikation”, Jan Wagner von der Straten und Daniel Buchholz, liefern mit ihrem Projekt “How to CP” einen Leitfaden zur Nutzung von Corporate Publishing ab. Hierbei handelt es sich um betriebsinterne Kommunikation wie etwa Mitarbeiterzeitungen - ein Bereich, der zwar nicht häufig in der Öffentlichkeit steht, dennoch für Unternehmen immer wichtiger wird. Anhand von Workshopentwürfen und der Erarbeitung von Kommunikationswegen soll “How to CP” Prozesse eines Unternehmens begleiten.

Auch Malena Harig (Bachelor Mediendesign) entwirft mit ihrem Online-Shopping-Dienst eine zukunftsweisende App, mithilfe derer Kunden online Kleidung anprobieren können. Dafür soll die Webcam zunächst ganzkörprig den Kunden scannen, um daraufhin die Maße der Kleidung im Verhältnis zu den Körpermaßen darzustellen. Dies soll beim online-Einkauf geschehen, ebenso ist es denkbar, Kleidung im Laden mit einem QR Code zu versehen und sie direkt via Smartphone anzuprobieren. Besonders von ihrem weiblichen Umfeld sei sie sehr gelobt worden für diese Idee, sagt Harig.

Nicht von der Stange, doch umso taktiler sind dann die spielerischen Schmuckstücke der Marke “míjuu” von Florian Krebs und Raoul Schäkermann: die Kunden können sich nach eigenen Vorstellungen einen Ring mit einem aufgesetzten Diamanten-Objekt entwerfen und diesen per 3D-Drucker aus Kunststoff fertigen lassen. Das erinnert entfernt an den Kaugummi-Ziehautomaten. Zusammen mit einem Betriebswirt haben Krebs und Schäkermann bereits eine GmbH gegründet und dieses Jahr soll míjuu an den Markt gehen.

Manuel Meyer bietet jazz für den Gaumen. Parcours 2012.

Manuel Meyer: Vegan Piñata, Parcours 2012. (c) Fachhochschule Münster

Neben all diesen modernen Herangehensweisen kann man bei “Parcours” auch ganz klassische Arbeiten sehen: “Jazz für den Gaumen” bietet das Kochbuch von Manuel Meyer (Diplom Grafikdesign), das im Stil der frühen 60er Jahre vegane Köstlichkeiten zu präsentieren versteht. Die liebevollen Buntstiftzeichnungen von Isabel Müller (Bachelor Illustration) nehmen die Leser in “Vom Buckelwal zum Igelfisch. Meer als eine Reise” auf eine traumwändlerische Odyssee durch die Ozeane mit. Anne Weigel (Bachelor Kommunikationsdesign) hat ihre Interpretation von Ursula Wölfels Roman “Mond Mond Mond” geschnitzt, gedruckt, geschnitten, gescannt und gebunden, sie erzählt von Sinti und Roma. Illustrierter Idealismus und “digital desires” klaffen am Leonardocampus aufeinander, bespielen gemeinsam die nach dem Umzug des Fachbereichs im Jahr 2009 immer noch so neu erscheinenden Räumlichkeiten, schaffen interne Spannungen.

Die Projekte stehen nur exemplarisch für 57 Abschlussarbeiten, die ihr am Wochenende bei Parcours sehen könnt. Oftmals lässt sich die Reichweite ihrer Bedeutung erst dann erahnen, wenn man sich zu den Hintergründen informiert und mit den Designern ins Gespräch kommt. Und dieser Entdeckungs-Parcours lohnt sich durchaus, wenn ihr etwas Zeit mitbringt.

Öffnungszeiten: Samstag, 14 Juli und Sonntag, 15. Juli von 10-20 Uhr
Adresse: Leonardo Campus 6, 48149 Münster
Infos: www.facebook.com/parcours.muenster oder www.fh-muenster.de/fb7/aktuelles