Rufus Wainwright – Out of the Game
8. Mai 2012
Unser Album der Woche (KW 19)
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Rezensiert von Caterina Reinker.
Achtzehn Sekunden braucht Rufus Wainwright, um zu zeigen was er kann. Die Eröffnungsklänge seines siebten Studioalbums “Out of the Game” lassen auf große Popmelodien hoffen. Und er enttäuscht nicht. Wie auch?
In einer Familie aufzuwachsen voll von Künstlern und Folkmusikern, die in der Weltgeschichte umher treiben, lässt keinen Platz für Mittelmäßigkeit und Enttäuschungen. Wainwrights Vater ist der amerikanische Songschreiber Loudon Wainwright III, seine Mutter die Folkmusikerin Kate McGarrigle und seine Familie neben den Wainwrights und McGarrigles eng verwoben mit den Musikerfamilien Roche und Cohen.
Im Gegensatz zu seinen letzten Veröffentlichungen und seiner Oper “Primadonna”, die 2010 in London Premiere feierte, verliert sich Wainwright nicht mehr so stark im Überschuss. Seine leicht nasale Stimme hat er beibehalten, beim Pomp einen Gang zurückgeschaltet und seine Energie in Ohrwurmmelodien gesteckt. Klassische Instrumente wie Klavier, Flöten, Geigen stehen hier schmerzlos neben E-Gitarre und Schlagzeug. Im leichten 70s Soul-Charme hört man auch deutlich die Arbeit des Produzenten Mark Ronson heraus, der zuvor schon Amy Winehouse und Adele zu ihrem Sound verhalf. Bei “Bitter Tears” verwandelt sich Wainwright in eine schwarze Soul-Diva, ohne dabei auch nur ein bisschen peinlich zu werden. Und immer diese Melodien! Keine, die schon tausend Mal gehört und geschrieben wurden, aber trotzdem eingängig und zuweilen süffisant.
Als Zoodirektor agiert Wainwright dann im Stück “Welcome To The Ball”. Willkommen auf der Bühne des Lebens heißt er darin seine kürzlich geborene Tochter Viva Kathrine: “So welcome to the ball / Don’t worry about nothing at all” singt der stolze Vater, “Cause something in your eyes has made this room a much more brighter place / The chandeliers and fireplaces all seem jealous of your face” schwärmt er weiter. Es wundert nicht, dass er den Titel angeblich für ein mögliches Broadway Musical komponiert hat – Trompeten und Flöten füllen die Arena und umgarnen Wainwrights Tenorstimme.
Die Mutter seiner Tochter Viva Kathrine ist Wainwrights langjährige gute Freundin Lorca Cohen, Tochter von Musiker Leonard Cohen. Das löste Gesellschaftsdebatten aus, denn Wainwright und Cohen sind kein Paar und waren es nie. Vielmehr heiratet Wainwright im Sommer den Berliner Jörn Weisbrodt und die kleine Viva wird von gleich drei Elternteilen umsorgt. Die Verwandtschaftsbeziehungen hier sind alles andere als simpel.
Rufus Wainwright ist ein ausgesprochener Narzisst und macht daraus auch keinen großen Hehl, wie er schon 2004 mit dem Song “Gay Messiah” bewies. Die Suche nach einem “Perfect Man” brachte ihn ins umschwärmte Europa und schließlich fand er dort auch seine große Liebe. Die Anstrengungen dieses Unterfangens besingt er im gleichnamigen Song, und spart dabei nicht an kitschiger Romantik: “I’m doing all that I can / Trying to make all the roses bloom in unison”.
Auf “Out of the Game” verarbeitet Wainwright nicht nur Familiengeschichten, sondern er bindet Familienmitglieder wie Schwester Martha, Vater Loudon und Tante Anna McGarrigle in die musikalische Umsetzung des Albums mit ein. Auch andere Musikgrößen, darunter Sean Lennon und Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs, sowie Anthony Rossomando, der eine Zeit lang Pete Doherty bei den Libertines vertreten hat, sind neben vielen anderen Namen auf dem Album zu finden.
Als starker Gegensatz, musikalisch wie auch thematisch, steht das knapp achtminütige Stück “Candles” am Ende von “Out of the Game”. Es handelt sich um eine Hommage an die verstorbene Mutter. Er beschreibt hier seinen Versuch, nach dem Tod endlich loszulassen. Die Trauer in Wainwrights Stimme wird von einem Dudelsack-Solo unterstüzt und in einen Trauergang verwandelt. Die überschwängliche Freude seiner Geburtshymne “Welcome To The Ball” scheint vergessen, der Narzissmus auch.
Rufus Wainwright eröffnet die Manege zu seinem ganz privaten Popzirkus, in dem er mit geschlossenen Augen selbstsicher auf dem Seil tanzen kann. Es muss ein schöner Ort in seinem Kopf sein, an dem all diese Melodien entstehen.
VÖ: 20.04.2012
Label: Decca (Universal)
Mitwirkende: Rufus Wainwright, Mark Ronson, Nick Zinner, Anthony Rossomando, Martha Wainwright, Loudon Wainwright III, Anna McGarrigle, Lucy Roche, Sloan Wainwright uvm.
Herkunft: New York, USA / Montreal, Kanada
Diskographie: Rufus Wainwright (1998), Poses (2001), Want One (2003), Want Two (2004), Release the Stars (2007), All Days Are Nights: Songs for Lulu (2010), Out of the Game (2012)
Online: www.rufuswainwright.com,
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