Patrick Watson - Adventures In Your Own Backyard
29. April 2012
Unser Album der Woche (KW 18)

Rezensiert von Katharina Lange und Cornelius Bartz.
“Adventures In Your Own Backyard” entführt uns, nicht nur in einen Garten, sondern in eine Art Wunderland. Es fühlt sich an wie ein Kinderspielplatz mit Schaukeln und Sandkasten, ein durch und durch verwunschener Garten, in den der Hörer in eine Traumwelt entführt wird. Ab durch den Kaninchenbau in dem Glockenblumen zum Glockenspiel werden und der leise plätschernde Bach sich in Klavierläufe verwandelt. Das Album vermittelt gleichermaßen ein Gefühl von Heimeligkeit und Abenteuer. Der Tageszeitung Montreal Mirror erklärt Watson: “We did record it in our backyard, so there’s that aspect, but to me, backyard means the people you have around in the back of your head, not where you have your barbecues. Everyone has their own definition of what a backyard means, and I also think that after seeing so much while travelling, it was exotic to come home and pay attention to the details of where we live.”
Der Albumopener “Lighthouse” startet diesen majestätischen Ausflug in Watsons Traumgarten mit einer ruhigen Klaviermelodie und seiner sanften Ausnahmestimme, die nur so strotzt vor Höhenausflügen. Als hätte der Musikproduzent Michael Andrews, der den Soundtrack zu dem Film „Donnie Darko“ komponierte, hier Hand angelegt, erschafft Patrick Watson seine geheimnisvolle Welt. Er sitzt am Klavier und seine Stimme verwebt sich mit dem Instrument auf so wunderschöne Art und Weise, dass man eine Gänsehaut bekommt. Wie aus dem Nichts setzen Trompeten ein und man wird fortgerissen in die Sphären eines Westernfilmes, mit Colts und Mariachis. Was gerade noch ein sanfter Ausflug war, wird nun zum anstrengenden und gefährlichen Unterfangen. Kein Wunder dass Watson singt: “Leave a light on in the wild / Cause I’m coming in a little blind”.
- Sofort ist man mitten im musikalischen Geflecht. “Adventures In Your Own Backyard” ist keineswegs ein Album, das ein bisschen braucht, das man mehrere Male gehört haben muss. Es ist ein Album, das einen gefangen nimmt und bis zur letzten Melodie nicht mehr loslässt. Nachdem man sich auf den Opener eingelassen hat, nimmt alles seinen Lauf.
“Into Giants”, die erste Singleauskopplung des Albums, gleicht mit dem engelhaften Gesang von Watson und einer unbekannten Dame, einer wundersamen Reise in ein Land, in dem Probleme ein Fremdwort sind. Trompeten und Streicher-Arrangements unterstreichen den beschwingenden Harmoniegesang. “Quite Crows” hingegen schlägt die zerbrechliche Gefühlsschiene an und bleibt vorerst mit den Flöten im Hintergrund. Nach zwei Minuten holt Watson noch einmal Luft und ruft mit einem Orchester aus Geigen und Xylophonen zum Finalen Ende des Songs auf.
Ebenso herausragend ist der Song „Morning Sheets“, der nicht nur mit seiner Coolness, sondern auch von der Art seines Arrangements an den Musiker Beck erinnert. Watson wirft jegliche musikalische Zurückhaltung über Bord. Statt allein am Klavier, ist „Morning Sheets“ von Anfang an mehrstimmig mit Gitarren, Schlagzeug und Geigen. Ähnlich offenbart sich auch „Strange Crooked Road“. Eine energiegeladene Rockballade. Aber Watson wäre nicht Watson, wenn er nicht auch hier immer wieder innehalten würde und sein fantastisches Gespür für Tempiwechsel zeigen würde. Er verlangsamt, lässt sämtliche Instrumente erstarren, um dann mit dem finalen Einsatz eines Chors noch einmal alles zu geben.
In einem Interview mit einer anderen Zeitung seiner Heimatstadt erklärt Watson, was das eigentliche Geheimnis an seinem vierten Album ist: “I want to give people goosebumps. That’s the law of this record – to make something really touching, using whatever tools that allow you to do that.” - Und Watsons Geheimrezept ist nicht nur seine Stimme, sondern eben das Gefühlstheater, das er Song für Song bietet. Nichts ist so, wie man es erwartet. Watson schafft es immer wieder kleine Überraschungen einzubauen, die seinen Sound vor der Monotonie bewahren. Nicht dass seine Stimme mit einem Klavier im minimalistischen Duett fade wäre. Aber der Sänger will einfach mehr. Er packt so viel in seine Songs hinein, dass man sie immer und immer wieder hören kann. Dazu findet Patrick Watson die richtige Mischung aus Höhen und Tiefen.
Und doch muss man das Album am Ende auch relativieren. Was für den Einen klingt wie ein Ausflug in Alices Wunderland, klingt für den Anderen schnell wie ein Ausflug in die beschwingende Drogenwelt - doch Obacht, die Übergänge zueinder sind fließend.
VÖ: 27.04.2012
Label: Domino Records
Mitwirkende: Patrick Watson (Klavier, Gesang, Gitarre), Mishka Stein (Bass), Robbie Kuster (Schlagzeug), Simon Angell (Gitarre)
Herkunft: Montreal, Kanada
Diskographie: Wooden Arms (2009), Close to Paradise (2007), Just Another Ordinary Day (2003)
Online: www.adventuresinyourownbackyard.com,
www.patrickwatson.net,
www.dominorecordco.com/uk/news




