Band Of Skulls - Sweet Sour

4. März 2012

Unser Album der Woche (KW 10)

Rezensiert von Svenja Boberg.

Das erste Album einer Band ist meistens geprägt von jugendlichem Ungestüm und dem Austesten von Grenzen – dabei wird meistens schon mal ein grober Rahmen für das zukünftige Schaffen abgesteckt. Band Of Skulls verkünden hingegen bereits auf ihrem Debut “I Know What I Am” und scheinen somit ihren Sound irgendwo zwischen Blues- und Garagenrock gefunden zu haben. Angesichts der Flut an Referenzen, die einem schon während der ersten vier Songs ihres Zweitlings „Sweet Sour“ in den Kopf schießen, kann man nur feststellen: Dann sind Band Of Skulls aber ganz schön viel auf einmal.

Flimmernde Gitarren, stampfender Rhythmus – das Intro des Openers „Sweet Sour“ versetzt einen direkt ins große Stadion und man ist fast geneigt, in AC/DC-Manier „Thuuunder!“ mitzugrölen. So große Geschütze fährt der Song dann aber doch nicht auf, sondern entwickelt sich zu einer soliden Bluesrock-Nummer, bei der Sänger und Gitarrist Russel Marsden verdächtig nach Jack White klingt.

Böse Zungen könnten behaupten, dass Sweet Sour zu einer günstigen Zeit erschienen ist. Zum einen kann das Trio aus Southampton fröhlich mit auf der Black Keys -Welle reiten und zum anderen den einen oder anderen über die Trennung der White Stripes hinwegtrösten. Allen, die von Bands erwarten, das Rad neu zu erfinden und stets mit einem unverwechselbar eigenem Sound um die Ecke zu kommen, rate ich an dieser Stelle: Ihr könnt aufhören zu lesen und dieses Album getrost zur Seite legen.

Innovation ist nicht die Stärke von Band Of Skulls – sondern der Bruch mit Erwartungen. So vertraut einem Bluesriffs und Garagensound zunächst vorkommen, so überrascht ist man, wenn sich der Song dann doch in eine andere Richtung bewegt. Die Platte ist ein ständiges Wechselspiel von Zögern und Vorpreschen, Nachdenklichkeit und auf die Fresse – frei nach dem Motto: Erst Anheizen und dann wieder fallen lassen.

So findet man sich in „Lay My Head Down“ in einer schwül-warmen Sommerabend-Szenerie wieder. Die tiefenentspannten Klänge wiegen einen beinahe in den Schlaf, um einem dann urplötzlich ein Brett aus sphärisch verzerrten Gitarren vor den Latz zu knallen. Dann ist auch Schluss mit der Gemächlichkeit. „Wanderluster“ stolpert ungestüm durch den krummen 7/8-Takt. Drummer Matt Hayward macht zwei Schritte vor dem ersten und scheint sogar in den bedächtigen Phasen des Songs rastlos und aufgekratzt zu sein.

Die Reise in die Vergangenheit führt weiter zu den Wurzeln. In „Hometowns“ besingen Russel Marsden und Emma Richardson die Tristesse der Vororte. Wie auf dem gesamten Album bestechen sie auch hier mit zuckersüßen, mehrstimmigen Gesangsharmonien. Textlich geht es in dem niedlichen Popsong aber fast schon bissig zu. Hier bekommen alle ihr Fett weg, die sich aus Angst vor der Einsamkeit an die Sicherheit der Heimat und der Jugendliebe klammern. Musikalisch bissiger wird es dann bei „You’re Not Pretty But You Got It Goin’ On“. Im Refrain verlässt Marsden die sonst so strikt gehaltene Melodie. Völlige Eskalation klingt zwar anders, aber immerhin kommt nun endlich die Spur von Rotz, auf die man schon die ganze Zeit gewartet hat.

“Sweet Sour” hat unter den 10 süß-sauren Songs auch einen Hit zu bieten. „The Devil Takes Care Of His Own” klingt unmodern und herrlich erfrischend zugleich. Mit dem Teufel sympathisierte schon manch anderer in der Rockgeschichte und auch hier kann man sich seiner Anziehungskraft nicht entziehen. Es hat schon seinen Grund, dass jeder Gitarrenschüler die gute alte Bluespentatonik als Rüstzeug mit an die Hand gegeben bekommt. Wie auch dieses Album zeigt: Der Blues und all seine Nachwehen sind einfach nicht tot zu kriegen.

: 21.02.2012
Label: Vagrant
Mitwirkende: Russel Marsden, Emma Richardson, Matt Hayward
Herkunft: Southampton, UK
Diskographie: 2010 „Baby Darling Doll Face Honey“
Online: bandofskulls.com, www.facebook.com/bandofskulls